Das kann man lernen
Schreibberatung in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Sofort Fahrt aufgenommen hat ein innovatives Pilotprojekt,
das die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
mit Hilfe von Studienbeiträgen gestartet hat: eine
professionelle Schreibberatung speziell für Wirtschaftsstudierende.
Schreibtrainerin Anika Limburg konnte von vornherein nicht
über mangelndes Interesse klagen. Vor dem Start im
August 2009 hat sie im Wiwi-Forum und bei den Fachschaften
für ihr Angebot geworben und baute ihre Webseite
auf – und trotz der Sommerferien standen schon in
ihrer zweiten Woche vor Ort die ersten Interessenten vor
ihrer Tür.
„Ich habe immer montags und mittwochs offene Sprechstunde,
da kann man kleine Fragen klären oder einen ersten
Kontakt knüpfen“, sagt sie. Für eingehendere
Beratungsgespräche vereinbart sie mit den Studierenden
Termine. Diese dauern maximal eine Stunde, und um damit
auch auszukommen, strukturiert Limburg sie stark. „Am
Anfang versuche ich, schnell die anliegenden Fragen herauszufinden,
damit ich vorschlagen kann, um welches Thema wir uns in
der ersten Sitzung kümmern“, erzählt sie.
„Am Ende blicken wir noch einmal zurück und
klären, ob das Gespräch erfolgreich war und
die wichtigsten Fragen beantwortet sind.“ Fünf
Minuten reserviert sie sich am Schluss für ein Gedächtnisprotokoll,
dann startet schon der nächste Termin. „Die
meisten Studierenden kommen noch einmal wieder. Häufig
begleite ich den kompletten Entstehungsprozess einer schriftlichen
Arbeit.“
Missverständnis
Was allerdings nicht heißt, dass sie den Studierenden
Arbeit abnimmt, Texte korrigiert oder komplett gegenliest.
„Ein häufiges Missverständnis“,
bedauert sie. Sie liest maximal eine Seite exemplarisch
und weist den Verfasser auf individuelle Probleme hin.
Es geht ihr darum, Studierende dazu zu bringen, eigenständig,
systematisch und erfolgreich wissenschaftliche Texte
zu schreiben. Denn das kann man lernen, davon ist sie
überzeugt. Die Annahme, das Schreiben ist einem
in die Wiege gelegt oder eben nicht, sei falsch. „Probleme
beim Schreiben resultieren meist daraus, dass die Anforderungen
an wissenschaftliches Arbeiten und die grundlegenden
Strategien, mit denen sie erreicht werden können,
im Studium meist gar nicht oder zumindest nicht systematisch
vermittelt werden“, sagt sie aus ihrer langjährigen
Erfahrung als Schreibtrainerin im Schreibzentrum der
RUB, wo sie auch jetzt noch mit einer Teilzeitstelle
beschäftigt ist. Gerade in der Wirtschaftswissenschaft
wird während des Studiums wenig und erst spät
geschrieben. Diplomstudenten schreiben vor der Abschlussarbeit
meist nur eine einzige Studienarbeit, vor der Bachelor-Arbeit
sind es zwar mehrere, dennoch im Vergleich zu anderen
Fächern extrem wenige.
Auch andere Eigenheiten weist das Schreiben in den Wirtschaftswissenschaften
auf: Anders als z.B. in philologischen Fächern
wird in wissenschaftlichen Texten wenig wörtlich
zitiert, aber auch selten „moderiert“ nach
dem Muster „der Autor behauptet …“.
Da fragen sich viele Studierende: Wie vermeide ich Plagiate?
„Da hilft nur, sich die eigene Aufgabe bewusst
zu machen“, sagt Anika Limburg. „Es geht
darum, eine eigene Fragestellung zu entwickeln und diese
mit Hilfe mehrerer Texte zu beantworten. Man darf sich
nicht an einem einzelnen Text entlang hangeln oder versuchen,
die Quellen vollständig zusammenzufassen.“
Überschaubare Schritte
Wie man eine solche Arbeit generell angeht, können
Studierende in Workshops trainieren, die Anika Limburg
organisiert. Durchgeführt werden sie von Dr. Vera
Zegers. Die ersten drei zweitägigen Veranstaltungen
waren ausgebucht, weitere sind in etwa monatlichen Abständen
geplant. Die rund 20 Teilnehmer bekommen Übungsaufgaben,
anhand derer sie lernen, aus einem Thema eine Frage
oder These zu entwickeln, den Schreibprozess in überschaubare
Schritte einzuteilen, wissenschaftliche Arbeiten zu
strukturieren, mit Quellen umzugehen und Schreibschwierigkeiten
kreativ zu meistern. Für konkrete Fragen bei eigenen
Studienarbeiten ist dann die Einzelberatung da.
Die Wiwi-Fakultät bietet die Schreibberatung seit
August an, sie wird aus Studienbeiträgen finanziert
und ist zunächst als befristetes Pilotprojekt angelegt.
Das Angebot der Fakultät erweitert das des Schreibzentrums,
indem es gezielt auf Probleme der Wiwi-Studierenden
und Anforderungen wirtschaftswissenschaftlicher Texte
zugeschnitten ist. Die große Nachfrage stimmt
Anika Limburg optimistisch, dass das Angebot ausgebaut
und verstetigt wird. Pläne für die ferne Zukunft
gibt es auch: So will sie umfangreiche Downloads zu
den häufigsten Fragen der Studierenden online bereit
stellen. Zusammen mit Lehrenden könnten einzelne
Seminarsitzungen zum wissenschaftlichen Schreiben moderiert
werden, um so viele Studierende wie möglich zu
erreichen. „Wünschenswert wäre auch
die Einrichtung anderer Workshop-Formate, z.B. gezielte
Angebote für Diplomstudierende, die ihre Abschlussarbeit
schreiben, oder für nicht-muttersprachliche Studierende“,
überlegt Anika Limburg.
Sie selbst fühlt sich in der Wirtschaftswissenschaft
wohl. „Ich kann hier sehr selbstständig arbeiten.“
Ihr zweites Standbein als Schreibtrainerin im Schreibzentrum
möchte sie dennoch nicht missen. „In diesem
größeren Team gibt es eine gegenseitige Supervision
und ständige Fortbildung, die die Qualität
unserer Angebote sichert – das kommt meiner Arbeit
hier natürlich auch sehr zugute.“
Infos: http://www.rub.de/wiwi-schreibberatung
md
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