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RUBENS 139

4. Januar 2010

Blaubart verkauft Schuhe


Viel Kultur im Neuen Jahr


Die Studiobühne im Januar
Zum Glück bleiben nach den Weihnachtsferien noch vier Januar-Wochenenden übrig, denn das Theater-Programm im Musischen Zentrum platzt mal wieder aus allen Nähten. Vier Premieren sind zu sehen.
Am 9. und 10 Januar präsentieren The EDNA’s ihr aktuelles Werk. „Attempts on her Life” von Martin Crimp wird wie üblich auf Englisch aufgeführt. „Her”, das ist Anne. Ist sie aber nun die Terroristin von nebenan, eine Mutter dreier Kinder, eine Automarke oder das Opfer eines Bürgerkrieges? Seine 17 Annäherungen an Anne, deren Auftritt nie stattfindet, setzt Crimp aus einer Abfolge vager Spuren und widersprüchlicher Infos aus zweiter Hand zusammen. Eintritt: 5/3 Euro.
Eine Woche später (16./17.1.) zeigt das Germanistische Institut „Baal”, den Erstling von Bertolt Brecht, den dieser während seiner ganzen Schaffenszeit aber immer wieder korrigierte, bis schließlich 1954 die Endfassung vorlag. Deshalb bestand die Arbeit der Studierenden vor allem darin, eine spielfertige Textfassung des Werkes zu erstellen. In vielen ungebundenen Episoden beschreibt Brecht das Leben des Künstlers Baal. Der bewegt sich ungebunden und frei von allen bürgerlichen und christlichen Konventionen und Werten durchs Leben. Er trifft auf Ekart, eine Männerfreundschaft entsteht. Zwischen die beiden tritt schließlich Sophie, die erste Frau, von der Baal nicht nur den Körper, sondern auch ihr Gesicht begehrt. Eintritt: 8/4 Euro.
Am 23./24. Januar ist das erste Ensemble der Studiobühne mit einer „Szenencollage” zu sehen. Hierzu erklärt Studiobühnenleiterin Karin Freymeyer: „Die Kunst des darstellenden Spiels lebt von der Spontaneität und Unvorhersehbarkeit. Im Alltag des Studierenden, der von Lernplänen durchstrukturiert ist, soll das Theaterspiel kreativer Gegenpol sein. Menschen begegnen sich das erste Mal und niemand weiß, wohin dies führen wird. Das Unkalkulierbare und Chaotische wirkt dem alltäglichen Trott entgegen. Ohne Titel begeben wir uns in die Theaterbegegnung. Der Ausgang ist offen, was das Spiel umso interessanter macht.” Der Eintritt ist frei.
Am letzten Januar-Wochenende (30./31.1., wie alle Aufführungen um 19.30 h) ist das andere Ensemble der Studiobühne dran. Gezeigt wird „Blaubart – Hoffnung der Frauen”. Dea Lohers Version des Grimmschen Märchens vom Frauen mordenden Ritter Blaubart handelt von einem kleinen Schuhverkäufer. Heinrich möchte lieber nicht lieben. Gerne würde er in Ruhe auf einer Parkbank sitzen. Aber kaum sitzt er, ist schon eine Frau da, die etwas von ihm will. Sechs Frauen lassen nicht von ihm ab. Es dauert nicht lange, bis er sie umbringt. Eintritt frei.

Infos: http://www.rub.de/mz-theater.

Druckgrafik im MZ
2009 war das „Jahr der Druckgrafik in NRW“. In vielen Museen des Landes wurde diese oft vernachlässigte Sparte der Bildenden Kunst durch Ausstellungen gewürdigt. Zum Jahreswechsel leisten jetzt auch die Radierer des Musischen Zentrums (MZ) einen Beitrag und zeigen ihre druckgrafischen Arbeiten.
Von Anfang an ist die Radierung ein wichtiger Schwerpunkt des MZ-Bereichs Bildende Kunst gewesen. Eine gut ausgestattete Werkstatt mit mehreren Kupferdruckpressen lädt dazu ein, unter fachkundiger Begleitung diese klassische Drucktechnik zu erlernen. Die Ausstellung „Radierung und Fotoradierung“ zeigt Arbeiten in fast allen Basistechniken der Radierung: mehrfarbige Drucke von einer und mehreren Platten, Kombinationen von Hoch- und Tiefdruck und übermalte Radierungen. Einige Arbeiten in Hochdrucktechnik bereichern das vielfältige Spektrum.
Ein neuer Aspekt der Ausstellung sind die Fotoradierungen. Seit etwa einem Jahr erarbeiten die MZ-Bereiche Fotografie und Bildende Kunst gemeinsam diese Technik. Mit Hilfe lichtempfindlicher Schichten werden digital bearbeitete Fotos auf die Druckplatten geätzt. Das Drucken geschieht – wie bei der klassischen Radierung – in Handarbeit. Für die Zukunft steht mit der Kombination von Fotoradierung und traditionellen Techniken ein weites Feld kreativer Möglichkeiten offen. Infos: Die Ausstellung „Radierung und Fotoradierung“ ist bis zum 20.3.2010 im MZ-Foyer an der Unibrücke zu sehen.


Metropolenatlas
Ein neues Standardwerk zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ist im November im Kölner Emons Verlag erschienen: Der „Atlas der Metropole Ruhr“ stellt das Ruhrgebiet und seine verschiedenen Facetten vor. Mit Karten und Abbildungen, informativen Texten und beeindruckenden Fotos und Luftbildern gewährt der 224 Seiten starke Atlas überraschende und nicht gekannte Einblicke in die Region. Mehr als 70 Autor/innen aus Wissenschaft und Praxis (darunter zahlreiche Wissenschaftler/innen der Ruhr-Uni), allesamt profunde Kenner der Region, dokumentieren im Kartenbild, in Texten und Fotografien den Wandel einer spannenden Kulturlandschaft im Herzen Europas. Sie zeichnen das Werden und den Wandel der Region nach, aber auch die Chancen, die sich daraus ergeben, sie zeigen die vielfältigen Lebenswelten in der Region auf und wagen einen Blick in die Zukunft.
Von Sonsbeck bis Hamm, von Haltern bis Breckerfeld erstreckt sich die faszinierende Region mit wechselhafter Geschichte. Groß geworden als Kohlenpott und gebeutelt vom Strukturwandel der letzten Jahrzehnte präsentiert sich das Ruhrgebiet heute als abwechslungsreiche und lebendige Metropole mit Ecken und Kanten. Hochmoderne Standorte, traditionsreiche Städte, problembehaftete Siedlungen, bedeutende Kulturstätten, imposante Kathedralen des Industriezeitalters, Brachflächen – all dies sind Gesichter der Region. Info: „Atlas der Metropole Ruhr. Vielfalt und Wandel des Ruhrgebiets im Kartenbild“, div. Herausgeber; unterstützt vom Regionalverband Ruhr, ca. 300 Abbildungen und Karten. Köln: Emons Verlag 2009. 224 S. ISBN 978-3-89705-691-6, 49,80 Euro.


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Letzte Änderung: 4.1.2010| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik