Blaubart
verkauft Schuhe
Viel Kultur im Neuen Jahr
Die Studiobühne im Januar
Zum Glück bleiben nach den Weihnachtsferien noch
vier Januar-Wochenenden übrig, denn das Theater-Programm
im Musischen Zentrum platzt mal wieder aus allen Nähten.
Vier Premieren sind zu sehen.
Am 9. und 10 Januar präsentieren The EDNA’s
ihr aktuelles Werk. „Attempts on her
Life” von Martin Crimp wird wie
üblich auf Englisch aufgeführt. „Her”,
das ist Anne. Ist sie aber nun die Terroristin von nebenan,
eine Mutter dreier Kinder, eine Automarke oder das Opfer
eines Bürgerkrieges? Seine 17 Annäherungen
an Anne, deren Auftritt nie stattfindet, setzt Crimp
aus einer Abfolge vager Spuren und widersprüchlicher
Infos aus zweiter Hand zusammen. Eintritt: 5/3 Euro.
Eine Woche später (16./17.1.) zeigt das Germanistische
Institut „Baal”,
den Erstling von Bertolt Brecht, den dieser während
seiner ganzen Schaffenszeit aber immer wieder korrigierte,
bis schließlich 1954 die Endfassung vorlag. Deshalb
bestand die Arbeit der Studierenden vor allem darin,
eine spielfertige Textfassung des Werkes zu erstellen.
In vielen ungebundenen Episoden beschreibt Brecht das
Leben des Künstlers Baal. Der bewegt sich ungebunden
und frei von allen bürgerlichen und christlichen
Konventionen und Werten durchs Leben. Er trifft auf
Ekart, eine Männerfreundschaft entsteht. Zwischen
die beiden tritt schließlich Sophie, die erste
Frau, von der Baal nicht nur den Körper, sondern
auch ihr Gesicht begehrt. Eintritt: 8/4 Euro.
Am 23./24. Januar ist das erste Ensemble der Studiobühne
mit einer „Szenencollage”
zu sehen. Hierzu erklärt Studiobühnenleiterin
Karin Freymeyer: „Die Kunst des darstellenden
Spiels lebt von der Spontaneität und Unvorhersehbarkeit.
Im Alltag des Studierenden, der von Lernplänen
durchstrukturiert ist, soll das Theaterspiel kreativer
Gegenpol sein. Menschen begegnen sich das erste Mal
und niemand weiß, wohin dies führen wird.
Das Unkalkulierbare und Chaotische wirkt dem alltäglichen
Trott entgegen. Ohne Titel begeben wir uns in die Theaterbegegnung.
Der Ausgang ist offen, was das Spiel umso interessanter
macht.” Der Eintritt ist frei.
Am letzten Januar-Wochenende (30./31.1., wie alle Aufführungen
um 19.30 h) ist das andere Ensemble der Studiobühne
dran. Gezeigt wird „Blaubart –
Hoffnung der Frauen”. Dea Lohers
Version des Grimmschen Märchens vom Frauen mordenden
Ritter Blaubart handelt von einem kleinen Schuhverkäufer.
Heinrich möchte lieber nicht lieben. Gerne würde
er in Ruhe auf einer Parkbank sitzen. Aber kaum sitzt
er, ist schon eine Frau da, die etwas von ihm will.
Sechs Frauen lassen nicht von ihm ab. Es dauert nicht
lange, bis er sie umbringt. Eintritt frei.
Infos: http://www.rub.de/mz-theater.
Druckgrafik im MZ
2009 war das „Jahr der Druckgrafik in NRW“.
In vielen Museen des Landes wurde diese oft vernachlässigte
Sparte der Bildenden Kunst durch Ausstellungen gewürdigt.
Zum Jahreswechsel leisten jetzt auch die Radierer des
Musischen Zentrums (MZ) einen Beitrag und zeigen ihre
druckgrafischen Arbeiten.
Von Anfang an ist die Radierung ein wichtiger Schwerpunkt
des MZ-Bereichs Bildende Kunst gewesen. Eine gut ausgestattete
Werkstatt mit mehreren Kupferdruckpressen lädt
dazu ein, unter fachkundiger Begleitung diese klassische
Drucktechnik zu erlernen. Die Ausstellung „Radierung
und Fotoradierung“ zeigt Arbeiten in fast allen
Basistechniken der Radierung: mehrfarbige Drucke von
einer und mehreren Platten, Kombinationen von Hoch-
und Tiefdruck und übermalte Radierungen. Einige
Arbeiten in Hochdrucktechnik bereichern das vielfältige
Spektrum.
Ein neuer Aspekt der Ausstellung sind die Fotoradierungen.
Seit etwa einem Jahr erarbeiten die MZ-Bereiche Fotografie
und Bildende Kunst gemeinsam diese Technik. Mit Hilfe
lichtempfindlicher Schichten werden digital bearbeitete
Fotos auf die Druckplatten geätzt. Das Drucken
geschieht – wie bei der klassischen Radierung
– in Handarbeit. Für die Zukunft steht mit
der Kombination von Fotoradierung und traditionellen
Techniken ein weites Feld kreativer Möglichkeiten
offen. Infos: Die Ausstellung „Radierung
und Fotoradierung“ ist bis zum 20.3.2010 im MZ-Foyer
an der Unibrücke zu sehen.
Metropolenatlas
Ein neues Standardwerk zur Kulturhauptstadt Europas
RUHR.2010 ist im November im Kölner Emons Verlag
erschienen: Der „Atlas der Metropole Ruhr“
stellt das Ruhrgebiet und seine verschiedenen Facetten
vor. Mit Karten und Abbildungen, informativen Texten
und beeindruckenden Fotos und Luftbildern gewährt
der 224 Seiten starke Atlas überraschende und nicht
gekannte Einblicke in die Region. Mehr als 70 Autor/innen
aus Wissenschaft und Praxis (darunter zahlreiche Wissenschaftler/innen
der Ruhr-Uni), allesamt profunde Kenner der Region,
dokumentieren im Kartenbild, in Texten und Fotografien
den Wandel einer spannenden Kulturlandschaft im Herzen
Europas. Sie zeichnen das Werden und den Wandel der
Region nach, aber auch die Chancen, die sich daraus
ergeben, sie zeigen die vielfältigen Lebenswelten
in der Region auf und wagen einen Blick in die Zukunft.
Von Sonsbeck bis Hamm, von Haltern bis Breckerfeld erstreckt
sich die faszinierende Region mit wechselhafter Geschichte.
Groß geworden als Kohlenpott und gebeutelt vom
Strukturwandel der letzten Jahrzehnte präsentiert
sich das Ruhrgebiet heute als abwechslungsreiche und
lebendige Metropole mit Ecken und Kanten. Hochmoderne
Standorte, traditionsreiche Städte, problembehaftete
Siedlungen, bedeutende Kulturstätten, imposante
Kathedralen des Industriezeitalters, Brachflächen
– all dies sind Gesichter der Region. Info:
„Atlas der Metropole Ruhr. Vielfalt und Wandel
des Ruhrgebiets im Kartenbild“, div. Herausgeber;
unterstützt vom Regionalverband Ruhr, ca. 300 Abbildungen
und Karten. Köln: Emons Verlag 2009. 224 S. ISBN
978-3-89705-691-6, 49,80 Euro.
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