Uni für
alle
Hilfen und Nachteilsausgleich für Studierende mit
Behinderung
Der Uni-Alltag ist für gesunde Studierende
mitunter stressig genug. „Für Studierende mit
körperlichen oder seelischen Erkrankungen oder Behinderungen
ist er manchmal kaum zu bewältigen“, sagt Martina
Linke. Sie betreut seit Mitte 2009 den Computerarbeitsraum
im Servicezentrum für Behinderte (SZB) des Akafö.
Ihre Stelle wird aus Studienbeiträgen über das
Rechenzentrum finanziert. Linke kennt sich mit Hilfsmitteln
aus, weist neue Studierende in deren Handhabung ein und
– manchmal das wichtigste – sie hört
zu. Für behinderte Studierende bedeutet ihr Angebot
als Ergänzung der universitären Lehre oft erst
den Schlüssel zu einem erfolgreichen Studium.
Im Computerraum des SZB gibt es vier Rechner, die für
Rollstuhlfahrer leicht erreichbar sind und sich individuell
in der Höhe verstellen lassen. Durch verschiedene
Ein- und Ausgabehilfen sowie spezielle Software sind sie
an die Bedürfnisse Behinderter angepasst: Es gibt
eine Braille-Ausgabezeile, die die Bildschirmzeilen in
Blindenschrift übersetzt, einen Braille-Drucker,
Spracherkennungssoftware, Vergrößerungsprogramme,
besonders große Tastaturen und ganz kleine, die
auch Muskelkranke bedienen können, und eine Fußtastatur,
außerdem verschiedene Mausvarianten.
Man darf sich aber nicht vorstellen, dass diese Hilfen
intuitiv bedienbar sind. „Mit der Braille-Zeile
muss man erst mal umgehen lernen, und die Spracherkennungssoftware
muss individuell an die jeweilige Stimme und Sprechgewohnheiten
angepasst werden“, erklärt Martina Linke. Sie
bietet seit neuestem regelmäßig Einführungsveranstaltungen
für alle Interessierten an und steht auch für
ein individuelles Training mit den Hilfsmitteln zur Verfügung.
Außerdem berät sie Institute und Dozenten.
Denn auch auf der „anderen Seite“, bei denen,
die mit behinderten Studierenden zu tun haben, gibt es
oft Verunsicherung.
Unpopuläres Thema
„Die Uni ist für alle da, das hat die Hochschulrektorenkonferenz
erst kürzlich in einer Selbstverpflichtung unterstrichen“,
erklärt Harry Baus, Leiter des SZB. „Alle
Hochschulen erkennen darin die besondere Situation von
Studierenden mit Behinderungen an und bekennen sich
dazu, die Chancengleichheit für diese Studierende
zu sichern. Jeder Studierende muss die Chance bekommen,
sein Studium absolvieren zu können, auch wenn er
oder sie körperliche oder seelische Einschränkungen
hat.“
Mit einem Wort heißt das: Nachteilsausgleich.
Aber viele Lehrende können damit wenig anfangen,
zu unpopulär ist das Thema, zu wenig bekannt die
Möglichkeiten. Dabei kann es ganz einfach sein:
Wer z.B. Nachteile hat, weil er sehbehindert ist, muss
die Chance bekommen, seine Klausuren unter entsprechenden
Bedingungen zu schreiben. Das kann etwa im SZB passieren,
wo es Vergrößerungshilfen gibt, eine Blindenschreibmaschine
und dimmbares Licht. Wenn eine Klausur im Computerraum
angemeldet ist, wird der Raum für diese Zeit gesperrt,
so dass der Prüfling seine Ruhe hat. Eine Blindenschreibmaschine
und ein Laptop mit Vergrößerungssoftware
kann man im SZB auch leihen. „Wir planen, demnächst
einen mobilen Computerarbeitsplatz anzuschaffen und
einzurichten, den man in eine Prüfung mitnehmen
kann“, sagt Harry Baus.
Auch für Pflege und Aktualisierung der Rechner
ist Martina Linke zuständig. Sie hat Elektrotechnik
an der RUB studiert und bisher in einem mittelständischen
Unternehmen die IT-Stabsstelle geleitet. Mit Hilfsmitteln
für Behinderte hat sie im SZB erstmals zu tun und
ist inzwischen von ihrem Aufgabengebiet begeistert.
„Ich habe keine Berührungsängste und
gewinne schnell das Vertrauen der Menschen“, sagt
sie. „Ich freue mich immer, wenn jemand im Studium
trotz großer Schwierigkeiten Fortschritte erzielt
beziehungsweise das Studium meistert.“
md
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