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RUBENS 138

1. Dezember 2009

Uni für alle


Hilfen und Nachteilsausgleich für Studierende mit Behinderung


Der Uni-Alltag ist für gesunde Studierende mitunter stressig genug. „Für Studierende mit körperlichen oder seelischen Erkrankungen oder Behinderungen ist er manchmal kaum zu bewältigen“, sagt Martina Linke. Sie betreut seit Mitte 2009 den Computerarbeitsraum im Servicezentrum für Behinderte (SZB) des Akafö. Ihre Stelle wird aus Studienbeiträgen über das Rechenzentrum finanziert. Linke kennt sich mit Hilfsmitteln aus, weist neue Studierende in deren Handhabung ein und – manchmal das wichtigste – sie hört zu. Für behinderte Studierende bedeutet ihr Angebot als Ergänzung der universitären Lehre oft erst den Schlüssel zu einem erfolgreichen Studium.

Im Computerraum des SZB gibt es vier Rechner, die für Rollstuhlfahrer leicht erreichbar sind und sich individuell in der Höhe verstellen lassen. Durch verschiedene Ein- und Ausgabehilfen sowie spezielle Software sind sie an die Bedürfnisse Behinderter angepasst: Es gibt eine Braille-Ausgabezeile, die die Bildschirmzeilen in Blindenschrift übersetzt, einen Braille-Drucker, Spracherkennungssoftware, Vergrößerungsprogramme, besonders große Tastaturen und ganz kleine, die auch Muskelkranke bedienen können, und eine Fußtastatur, außerdem verschiedene Mausvarianten.
Man darf sich aber nicht vorstellen, dass diese Hilfen intuitiv bedienbar sind. „Mit der Braille-Zeile muss man erst mal umgehen lernen, und die Spracherkennungssoftware muss individuell an die jeweilige Stimme und Sprechgewohnheiten angepasst werden“, erklärt Martina Linke. Sie bietet seit neuestem regelmäßig Einführungsveranstaltungen für alle Interessierten an und steht auch für ein individuelles Training mit den Hilfsmitteln zur Verfügung. Außerdem berät sie Institute und Dozenten. Denn auch auf der „anderen Seite“, bei denen, die mit behinderten Studierenden zu tun haben, gibt es oft Verunsicherung.

Unpopuläres Thema

„Die Uni ist für alle da, das hat die Hochschulrektorenkonferenz erst kürzlich in einer Selbstverpflichtung unterstrichen“, erklärt Harry Baus, Leiter des SZB. „Alle Hochschulen erkennen darin die besondere Situation von Studierenden mit Behinderungen an und bekennen sich dazu, die Chancengleichheit für diese Studierende zu sichern. Jeder Studierende muss die Chance bekommen, sein Studium absolvieren zu können, auch wenn er oder sie körperliche oder seelische Einschränkungen hat.“
Mit einem Wort heißt das: Nachteilsausgleich. Aber viele Lehrende können damit wenig anfangen, zu unpopulär ist das Thema, zu wenig bekannt die Möglichkeiten. Dabei kann es ganz einfach sein: Wer z.B. Nachteile hat, weil er sehbehindert ist, muss die Chance bekommen, seine Klausuren unter entsprechenden Bedingungen zu schreiben. Das kann etwa im SZB passieren, wo es Vergrößerungshilfen gibt, eine Blindenschreibmaschine und dimmbares Licht. Wenn eine Klausur im Computerraum angemeldet ist, wird der Raum für diese Zeit gesperrt, so dass der Prüfling seine Ruhe hat. Eine Blindenschreibmaschine und ein Laptop mit Vergrößerungssoftware kann man im SZB auch leihen. „Wir planen, demnächst einen mobilen Computerarbeitsplatz anzuschaffen und einzurichten, den man in eine Prüfung mitnehmen kann“, sagt Harry Baus.
Auch für Pflege und Aktualisierung der Rechner ist Martina Linke zuständig. Sie hat Elektrotechnik an der RUB studiert und bisher in einem mittelständischen Unternehmen die IT-Stabsstelle geleitet. Mit Hilfsmitteln für Behinderte hat sie im SZB erstmals zu tun und ist inzwischen von ihrem Aufgabengebiet begeistert. „Ich habe keine Berührungsängste und gewinne schnell das Vertrauen der Menschen“, sagt sie. „Ich freue mich immer, wenn jemand im Studium trotz großer Schwierigkeiten Fortschritte erzielt beziehungsweise das Studium meistert.“

md
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Letzte Änderung: 30.11.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik