Neue Männer
hat das Land
Starke Väter: Eine Tagung an der RUB beleuchtet
die neue Rolle von Männern
„Neue Männer braucht das Land”
hat Sängerin Ina Deter in den 80er-Jahren plakativ
gefordert. Nun sind sie da: Die Männer von heute
verbinden mit dem Buchstaben „F” nicht mehr
nur Fußball, sondern auch Familie; sie verzögern
den Kindern zuliebe manchmal sogar ihre Karriere und gehen
in Elternzeit. Allerdings müssen dafür die gesellschaftlichen
Voraussetzungen stimmen. Wie weit es damit ist, beleuchtete
Ende Oktober die Fachtagung „Starke Väter”.
Es war kein Zufall, dass sie an der RUB stattfand, die
als „familiengerechte Hochschule” ihren arbeitenden
Vätern gute Voraussetzungen für die Kombination
von Beruf und Familie bietet.
Stark war ein Mann früher, wenn er sieben Tage die
Woche unter Tage schuftete und jede Menge Kohle nach oben
brachte. Stark war er, wenn er sich allenfalls am Rande
in Haushalt, Familie und derartigem Gedöns einbrachte
und stattdessen nach Feierabend lieber sein Pils trank
und einen gepflegten Skat drosch. Heute ist alles anders.
„Rolle und Selbstverständnis von Vätern
in Familie und Beruf sind in Bewegung gekommen. Immer
mehr Männer denken ihre Rolle neu und brechen Routinen
auf”, erklärte unlängst NRW-Familienminister
Armin Laschet. Mit anderen Worten: Mittlerweile mischen
sich Väter sehr wohl in Familie und Erziehung ein,
sie nehmen Anteil am Kita- oder Schulalltag, sie nehmen
sogar Elternzeit und erwarten vom Arbeitgeber familienfreundliche
Arbeitszeiten. Da man Gruppen gern in Schubladen steckt,
wurde auch für diese etwas Griffiges gesucht, z.B.
„Starke Väter”. So nannte der führende
deutsche Familiensoziologe Prof. Hans Bertram (Humboldt
Uni) seinen hochinteressanten Vortrag, den er Ende Oktober
bei der gleichnamigen Fachtagung im Veranstaltungszentrum
der Ruhr-Uni hielt.
Gesellschaftliche Herausforderung
Dass Männer in andere Rollen hineinwachsen, mag
ja „stark” sein; es bringt aber auch Herausforderungen
mit sich: für Väter, Mütter, Kinder,
Arbeitgeber, für die Politik oder für die
Träger von Beratungs-, Bildungs- und Betreuungsangeboten.
Was bedeutet das neue Rollenverständnis für
sie alle? Diese Frage wollten nach Bertrams Vortrag
fünf Männer auf dem Podium beantworten, das
Motto lautete: „Väter stärken –
eine gesellschaftliche Herausforderung!” Neben
Bertram und weiteren Wissenschaftlern und Politikern
diskutierte auch der Kabarettist (und Vater) Christian
Pape mit. Nach Podium und Mittagspause läutete
er die zweite Halbzeit der Tagung mit einem Auszug aus
seinem Programm ein: „Schief gewickelt”
beschreibt satirisch die nicht ganz ausgereifte Windelwechseltechnik
von frischen Vätern.
Die kurzweiligen 20 Minuten waren eine gelungene Überleitung
zum weiteren Nachmittag. Fünf parallele Foren zeigten,
wie breit gefächert das Thema „Väter“
ist. Da ging es um „Väter mit Zuwanderungsgeschichte“,
um „Väter-Beratung“, aber auch um „Väter-Netzwerke
in Unternehmen“. Denn so ganz unter den Tisch
fallen soll das berufliche Fortkommen nicht. „Väter
wollen erfolgreich sein: im Beruf und in der Familie“,
brachte es Hans-Georg Nelles auf den Punkt. Der Organisationsberater
und Leiter des Projekts „Väter & Karriere“
moderierte das Forum gemeinsam mit Andreas Haase von
der Zeitschrift „Switchboard“. Ansonsten
gehörten die zwei Stunden den Vätern –
und den vielen interessierten Frauen. In Kleingruppen
wurden Probleme beleuchtet und anschließend vorgestellt.
Fazit: Es hat sich zwar schon einiges getan, so wird
in vielen Betrieben die zweimonatige Partnerzeit für
Väter problemlos „durchgewinkt“. Aber:
Jeden weiteren Monat müssen sich Väter gegenüber
dem Arbeitgeber erkämpfen, notfalls zu Lasten der
eigenen Karriere.
Familiengerechte RUB
Die Tagung wurde vom NRW-Familienministerium (MGFFI)
durchgeführt und von vielen Institutionen unterstützt.
Sie fand ganz bewusst an der Ruhr-Uni statt. Die sorgt
schon lange dafür, dass sich Familie und Beruf
gut verbinden lassen. Die RUB ist als „familiengerechte
Hochschule” seit 2006 zertifiziert und hat 2009
die Re-Auditierung durch die Hertie-Stiftung gemeistert.
Studierende und Beschäftigte können umfangreiche
Betreuungsangebote für ihre Kinder nutzen. Mit
Blick auf wissenschaftliche Karrieren verwirklicht die
RUB zudem das Dual-Career-Konzept: Wird ein Partner
eines wissenschaftlich hochqualifizierten Paares berufen,
bemüht sich die Uni, auch dem anderen eine Berufsperspektive
zu bieten.
„Gerade im Wissenschaftsbetrieb wird die Familienplanung
aufgrund unsicherer, befristeter Vertragsverhältnisse
häufig gehindert oder verzögert”, erläuterte
Prof. Bertram im o.g. Vortrag. Im Vergleich zu anderen
Hochschulen steht die RUB hier allerdings gut da. Für
sie entstehen durch die familienbewusste Personalpolitik
zudem betriebswirtschaftliche Vorteile. Die Kosten für
flexible Arbeitszeitkonzepte, Telearbeit oder die Vermittlung
von Betreuungsangeboten sind deutlich geringer als die
durch Neubesetzung, Fehlzeiten, Überbrückungszeiten
und Fluktuation verursachten Kosten. Durch die Unterstützung
studierender Eltern können zudem die Studienabbruchsquoten
gesenkt und die Studienzeiten verkürzt werden.
Das Projekt „Familiengerechte RUB” ist bei
der Stabstelle Organisation-Entwicklung-Beratung angesiedelt.
Dazu gehört das Elternservicebüro Prokids.
Hier werden Eltern beraten und sie können sich
Betreuungen vermitteln lassen, zudem wird regelmäßig
eine Kinderbetreuung für die Schulferien angeboten.
Ab 2011 wird das Angebot um die Kindertagesstätte
UniKids erweitert.
„Vaterzeit" an der
RUB
Laut Gesetz können sich Mütter und Väter
die Elternzeit teilen. Ein Elterngeld wird zwölf
Monate lang gezahlt. Zwei Monate kommen hinzu, wenn
sich auch der Partner Zeit für die Erziehung nimmt.
An der RUB machen derzeit 23 Väter von ihrem Recht
auf Partnerzeit Gebrauch. Das geht quer durch Fakultäten,
Statusgruppen (Professoren, Wissenschaftler, Nichtwissenschaftler)
und Dienstverhältnisse (Beamter oder TVL-Beschäftigte).
Beispielhaft ist die Fakultät für Physik und
Astronomie, wo aus jeder Statusgruppe mindestens ein
Vater Elternzeit nimmt. Doch auch Studenten sind starke
Väter; so jedenfalls lassen sich die aktuellen
Daten (Stand: Anfang November) aus dem Studienbeitrags-Service
interpretieren. Die Zahl der in diesem WS wegen Kindererziehung
vom Studienbeitrag befreiten studierenden Väter
beträgt immerhin 229.
Infos zur familiengerechten RUB: http://www.rub.de/familiengerecht/
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