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RUBENS 138

1. Dezember 2009

Neue Männer hat das Land


Starke Väter: Eine Tagung an der RUB beleuchtet die neue Rolle von Männern


„Neue Männer braucht das Land” hat Sängerin Ina Deter in den 80er-Jahren plakativ gefordert. Nun sind sie da: Die Männer von heute verbinden mit dem Buchstaben „F” nicht mehr nur Fußball, sondern auch Familie; sie verzögern den Kindern zuliebe manchmal sogar ihre Karriere und gehen in Elternzeit. Allerdings müssen dafür die gesellschaftlichen Voraussetzungen stimmen. Wie weit es damit ist, beleuchtete Ende Oktober die Fachtagung „Starke Väter”. Es war kein Zufall, dass sie an der RUB stattfand, die als „familiengerechte Hochschule” ihren arbeitenden Vätern gute Voraussetzungen für die Kombination von Beruf und Familie bietet.

Stark war ein Mann früher, wenn er sieben Tage die Woche unter Tage schuftete und jede Menge Kohle nach oben brachte. Stark war er, wenn er sich allenfalls am Rande in Haushalt, Familie und derartigem Gedöns einbrachte und stattdessen nach Feierabend lieber sein Pils trank und einen gepflegten Skat drosch. Heute ist alles anders. „Rolle und Selbstverständnis von Vätern in Familie und Beruf sind in Bewegung gekommen. Immer mehr Männer denken ihre Rolle neu und brechen Routinen auf”, erklärte unlängst NRW-Familienminister Armin Laschet. Mit anderen Worten: Mittlerweile mischen sich Väter sehr wohl in Familie und Erziehung ein, sie nehmen Anteil am Kita- oder Schulalltag, sie nehmen sogar Elternzeit und erwarten vom Arbeitgeber familienfreundliche Arbeitszeiten. Da man Gruppen gern in Schubladen steckt, wurde auch für diese etwas Griffiges gesucht, z.B. „Starke Väter”. So nannte der führende deutsche Familiensoziologe Prof. Hans Bertram (Humboldt Uni) seinen hochinteressanten Vortrag, den er Ende Oktober bei der gleichnamigen Fachtagung im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Uni hielt.

Gesellschaftliche Herausforderung

Dass Männer in andere Rollen hineinwachsen, mag ja „stark” sein; es bringt aber auch Herausforderungen mit sich: für Väter, Mütter, Kinder, Arbeitgeber, für die Politik oder für die Träger von Beratungs-, Bildungs- und Betreuungsangeboten. Was bedeutet das neue Rollenverständnis für sie alle? Diese Frage wollten nach Bertrams Vortrag fünf Männer auf dem Podium beantworten, das Motto lautete: „Väter stärken – eine gesellschaftliche Herausforderung!” Neben Bertram und weiteren Wissenschaftlern und Politikern diskutierte auch der Kabarettist (und Vater) Christian Pape mit. Nach Podium und Mittagspause läutete er die zweite Halbzeit der Tagung mit einem Auszug aus seinem Programm ein: „Schief gewickelt” beschreibt satirisch die nicht ganz ausgereifte Windelwechseltechnik von frischen Vätern.
Die kurzweiligen 20 Minuten waren eine gelungene Überleitung zum weiteren Nachmittag. Fünf parallele Foren zeigten, wie breit gefächert das Thema „Väter“ ist. Da ging es um „Väter mit Zuwanderungsgeschichte“, um „Väter-Beratung“, aber auch um „Väter-Netzwerke in Unternehmen“. Denn so ganz unter den Tisch fallen soll das berufliche Fortkommen nicht. „Väter wollen erfolgreich sein: im Beruf und in der Familie“, brachte es Hans-Georg Nelles auf den Punkt. Der Organisationsberater und Leiter des Projekts „Väter & Karriere“ moderierte das Forum gemeinsam mit Andreas Haase von der Zeitschrift „Switchboard“. Ansonsten gehörten die zwei Stunden den Vätern – und den vielen interessierten Frauen. In Kleingruppen wurden Probleme beleuchtet und anschließend vorgestellt. Fazit: Es hat sich zwar schon einiges getan, so wird in vielen Betrieben die zweimonatige Partnerzeit für Väter problemlos „durchgewinkt“. Aber: Jeden weiteren Monat müssen sich Väter gegenüber dem Arbeitgeber erkämpfen, notfalls zu Lasten der eigenen Karriere.

Familiengerechte RUB

Die Tagung wurde vom NRW-Familienministerium (MGFFI) durchgeführt und von vielen Institutionen unterstützt. Sie fand ganz bewusst an der Ruhr-Uni statt. Die sorgt schon lange dafür, dass sich Familie und Beruf gut verbinden lassen. Die RUB ist als „familiengerechte Hochschule” seit 2006 zertifiziert und hat 2009 die Re-Auditierung durch die Hertie-Stiftung gemeistert. Studierende und Beschäftigte können umfangreiche Betreuungsangebote für ihre Kinder nutzen. Mit Blick auf wissenschaftliche Karrieren verwirklicht die RUB zudem das Dual-Career-Konzept: Wird ein Partner eines wissenschaftlich hochqualifizierten Paares berufen, bemüht sich die Uni, auch dem anderen eine Berufsperspektive zu bieten.
„Gerade im Wissenschaftsbetrieb wird die Familienplanung aufgrund unsicherer, befristeter Vertragsverhältnisse häufig gehindert oder verzögert”, erläuterte Prof. Bertram im o.g. Vortrag. Im Vergleich zu anderen Hochschulen steht die RUB hier allerdings gut da. Für sie entstehen durch die familienbewusste Personalpolitik zudem betriebswirtschaftliche Vorteile. Die Kosten für flexible Arbeitszeitkonzepte, Telearbeit oder die Vermittlung von Betreuungsangeboten sind deutlich geringer als die durch Neubesetzung, Fehlzeiten, Überbrückungszeiten und Fluktuation verursachten Kosten. Durch die Unterstützung studierender Eltern können zudem die Studienabbruchsquoten gesenkt und die Studienzeiten verkürzt werden.
Das Projekt „Familiengerechte RUB” ist bei der Stabstelle Organisation-Entwicklung-Beratung angesiedelt. Dazu gehört das Elternservicebüro Prokids. Hier werden Eltern beraten und sie können sich Betreuungen vermitteln lassen, zudem wird regelmäßig eine Kinderbetreuung für die Schulferien angeboten. Ab 2011 wird das Angebot um die Kindertagesstätte UniKids erweitert.

„Vaterzeit" an der RUB
Laut Gesetz können sich Mütter und Väter die Elternzeit teilen. Ein Elterngeld wird zwölf Monate lang gezahlt. Zwei Monate kommen hinzu, wenn sich auch der Partner Zeit für die Erziehung nimmt. An der RUB machen derzeit 23 Väter von ihrem Recht auf Partnerzeit Gebrauch. Das geht quer durch Fakultäten, Statusgruppen (Professoren, Wissenschaftler, Nichtwissenschaftler) und Dienstverhältnisse (Beamter oder TVL-Beschäftigte). Beispielhaft ist die Fakultät für Physik und Astronomie, wo aus jeder Statusgruppe mindestens ein Vater Elternzeit nimmt. Doch auch Studenten sind starke Väter; so jedenfalls lassen sich die aktuellen Daten (Stand: Anfang November) aus dem Studienbeitrags-Service interpretieren. Die Zahl der in diesem WS wegen Kindererziehung vom Studienbeitrag befreiten studierenden Väter beträgt immerhin 229.
Infos zur familiengerechten RUB: http://www.rub.de/familiengerecht/

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Letzte Änderung: 30.11.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik