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RUBENS 138

1. Dezember 2009

Inklusive Mehrwert


Der Hochschulratsvorsitzende Jürgen Schlegel über die ersten zwei Jahre des neuen Gremiums der RUB


Seit zwei Jahren bestimmt der Hochschulrat die Geschicke der Ruhr-Universität maßgeblich mit. Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Am Rande der Fakultäten-Konferenz vom 12. November traf sich Arne Dessaul mit dem Hochschulratsvorsitzenden Jürgen Schlegel. Die beiden sprachen auch über die Chancen der RUB bei der Neuauflage der Exzellenzinitiative.

RUBENS: Herr Schlegel, inklusive der Zeit im Kuratorium begleiten Sie die Ruhr-Uni seit gut sechs Jahren in wichtigen Funktionen. Fühlen Sie sich mittlerweile als echtes RUB-Mitglied oder betrachten Sie die Uni sozusagen mit einem internen und einem externen Auge?
Jürgen Schlegel: Nach dem Gesetz bin ich als Hochschulrat Mitglied der RUB. Ich habe in den letzten Jahren vor allem viel Sympathie für die Uni und hohen Respekt vor ihren Leistungen entwickelt. Die RUB kenne ich weit länger als diese sechs Jahre. Während meiner Arbeit im NRW-Wissenschaftsministerium 1975 bis 1990 hatte ich regelmäßig sehr intensive Gespräche mit Vertretern der Ruhr-Uni. Das ist in den letzten sechs Jahren natürlich noch mehr geworden. Mittlerweile traue ich mir auch schon eine gewisse Kenntnis der Innenverhältnisse der RUB zu. Andererseits hat sich die Ruhr-Uni bewusst für einen extern besetzten Hochschulrat entschieden, um auch den Blick von außen zu bekommen. Dies erfordert von uns auch eine gewisse Distanz zur Hochschule.

Zweites Standbein

RUBENS: Wenn man Sie sprechen hört, gewinnt man den Eindruck, dass Sie es nicht bereuen, sich in dieses Amt wählen zu lassen?
Jürgen Schlegel: Überhaupt nicht! Das Amt ist fast zu einem zweiten Standbein für mich geworden. Es bedeutet weit mehr als die vier Hochschulratstreffen hier in Bochum. Wir stehen im Hochschulrat zwischen den Terminen intensiv in Kontakt, per Telefon, per E-Mail. Hinzu kommen Treffen mit Vertretern der RUB, mit anderen Hochschulräten im Land und darüber hinaus.

RUBENS: Hat sich die Ruhr-Uni in den Jahren, seit Sie sie kennen, verändert?
Jürgen Schlegel: Ja. Sie war von der ursprünglichen Zielsetzung auf Lehre, auf Entlastung der alten Universitäten und auf die Schaffung wohnortnahen Studienangebots für die studierwilligen jungen Menschen des Ruhrgebiets ausgerichtet. Gerade in den letzten Jahren hat sich jedoch der Fokus auf exzellente Forschung extrem verstärkt. Die Lehre wurde dabei erfreulicherweise nicht aus den Augen verloren. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.

RUBENS: Lassen Sie uns über die Arbeit des Hochschulrats reden. Sie treffen sich regelmäßig an der RUB. Welche Themen standen zuletzt im Mittelpunkt?
Jürgen Schlegel: Wir haben uns in der letzten Sitzung intensiv mit der Verwendung der Studiengebühren auseinandergesetzt und darüber mit der Hochschulleitung diskutiert. Wir wünschen uns ausdrücklich eine zielgerichtete und zeitnahe Verwendung. Wir sehen auch, dass die Ruhr-Uni sich in außerordentlich starkem Maße genau darum bemüht. Wir haben mit der Wahl der Prorektoren eine wichtige personelle Weichenstellung für die RUB vollzogen. Außerdem haben wir mit dem Rektorat lange über die Struktur- und Entwicklungsplanung, insbesondere den Hochschulentwicklungsplan diskutiert und am Ende die eine oder andere Akzentuierung reingebracht. Die Campussanierung hatten wir mehrfach auf der Tagesordnung. Die Exzellenzinitiative II wirft ihre Schatten voraus. Wir haben im Dezember eine Klausursitzung, die sich mit der Vorbereitung beschäftigt.

Offen und einmütig

RUBENS: Verlaufen die Diskussionen und Entscheidungen innerhalb des Rates und mit dem Rektorat einmütig oder gibt es auch Kontroversen?
Jürgen Schlegel: Die Entscheidungen im Hochschulrat waren bislang einmütig. Die Diskussionen sind offen, zuweilen gibt es unterschiedliche Standpunkte, die wir bislang aber immer harmonisieren konnten. Wir treten im Gespräch mit dem Rektorat nicht als Gegner auf, das Gespräch verläuft immer partnerschaftlich. Das jetzige Rektorat halten wir für ein gut zusammengestelltes Team, die Zusammenarbeit läuft sehr gut.

RUBENS: Sie kommen außerdem häufig nach Bochum, um sich mit Funktionsträgern der RUB auszutauschen: mit dem Rektorat, der Fakultäten-Konferenz, dem Senatsvorsitzenden, den Personalräten oder dem Asta. Auf diese Weise hören Sie tief ins Innere der Uni hinein und dürften gut informiert sein. Welche Themen stehen zurzeit oben auf der Agenda?
Jürgen Schlegel: Die Bauplanung ist ein wichtiges Thema gerade für die Beschäftigten. Das gilt bei Studierenden und Lehrenden für die Verwendung der Studiengebühren. Die Exzellenzinitiative wird zunehmend zum Thema. Anders als zum Beispiel der Bologna-Prozess, der an anderen Unis kontrovers diskutiert wird, in Bochum aber kaum. Es zahlt sich aus, dass die RUB sehr früh in den Prozess eingestiegen ist. Wir haben den Eindruck, dass es viele Umstellungsprobleme, von denen man andernorts hört, hier nicht mehr gibt. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist; aber der Umstellungsprozess ist hier doch schon sehr gut vorangekommen. Der Hochschulrat steht hinter dem Bologna-Prozess und wird nach Kräften dazu beitragen, ihn erfolgreich abzuschließen.

RUBENS: Dann gibt es auch noch regelmäßige Treffen mit den Hochschulräten der beiden anderen Hochschulen der Universitätsallianz. Haben Sie das Gefühl, dass hier etwas zusammenwächst?
Jürgen Schlegel: Erst gestern haben sich die Hochschulräte und die Rektoren der drei Universitäten getroffen. Das war ein so offenes und vertrauensvolles Gespräch, dass man wirklich sagen kann, bei aller Unterschiedlichkeit der Schwerpunkte: Hier entsteht eine Zusammenarbeit, in der die drei Hochschulen da, wo es sinnvoll ist, in Forschung, Lehre und Studium zusammenwirken, in der sie aber auch weiter eigene Schwerpunkte entwickeln –nicht in Gegnerschaft, sondern in vertrauensvoller Partnerschaft miteinander. Die drei Hochschulen werden ihr eigenes Profil in der UAMR behalten; das müssen sie auch. Denn eine Uni mit 80.000 Studenten ist nicht das, was man sich wünschen sollte.

Intensive Beratung

RUBENS: Sehen Sie den Hochschulrat eher als beratendes oder als Aufsichts- und Kontrollgremium?
Jürgen Schlegel: Ich nehme das Gesetz als Maßstab. An erster Stelle steht dort die Beratung, an zweiter Stelle stehen die Aufsichts- und Zustimmungsrechte. Beides sollte ausgewogen sein. Natürlich ist die Beratung für die Entwicklung der RUB wesentlich wichtiger; sie kann intensiver und individueller sein, als dies früher durch das aufsichtführende Ministerium möglich und gewünscht war.

RUBENS: Wenn Sie nach den ersten beiden Jahren resümieren: Hat sich das neue Instrument Hochschulrat bewährt?
Jürgen Schlegel: Bei der sehr langen Tradition von Universitäten sind zwei Jahre natürlich sehr wenig, um ein abschließendes Urteil zu fällen. Ich denke aber, dass der Hochschulrat ein sinnvolles Instrument ist. Dieser Eindruck wird in anderen Hochschulräten des Landes geteilt. Ich hoffe, dass ihm die Politik die Chance auf eine Weiterentwicklung lässt, um auch die letzten Spuren von Misstrauen, die es hier und da noch gibt, zu beseitigen.

RUBENS: Wobei der Hochschulrat der Ruhr-Universität mit seinen ausschließlich externen Mitgliedern ohnehin eine Besonderheit darstellt. Ist das eher ein Vor- oder ein Nachteil?
Jürgen Schlegel: Es ist zunächst einmal so, dass man vom Innengeschäft der Hochschule etwas stärker abgeschnitten ist. Auf der anderen Seite sind wir dadurch auch nicht Gefangene von Interessen, die es innerhalb der Uni gibt. Wir haben den Eindruck, dass die Zusammensetzung, so wie die RUB das entschieden hat, für die Hochschule eine gute Wahl war. Im Vergleich zu dem, was man aus anderen Hochschulen hört, haben wir eine klare Linie, eine klare Struktur, die für jedermann durchschaubar ist. Und wir hoffen, dass wir das Defizit, das wir haben, weil wir alle von außen kommen, dadurch ein wenig ausgleichen, dass wir häufiger mit den Gruppen und den Gremien in der Hochschule sprechen.

An Konzepte anknüpfen

RUBENS: Noch mal zur Exzellenzinitiative. Wie schätzen Sie die Chancen der Ruhr-Universität ein, dass ihr bei der Neuauflage der ganz große Wurf gelingt?
Jürgen Schlegel: Wer hier zum Zuge kommt, zeigt, dass er exzellente Konzepte hat. Das hat Bochum beim letzten Mal mit der bundesweit nahezu einmaligen Research School grandios geschafft. Ich hoffe sehr, dass diesmal Forschungscluster erfolgreich sein werden, vielleicht in Zusammenarbeit mit den UAMR-Hochschulen. Dann erst stellt sich die Frage der dritten Förderlinie mit den Zukunftskonzepten auch für Bochum. Die RUB hatte ja schon in der ersten Exzellenzinitiative ein überzeugendes Konzept für die dritte Förderlinie; daran gilt es anzuknüpfen. Viele der seinerzeitigen Planungen sind ja zwischenzeitlich mit anderen Mitteln verwirklicht worden.

RUBENS: Wie wird der Hochschulrat die Bewerbung der RUB unterstützen?
Jürgen Schlegel: Selbstverständlich! Jeder von uns wird seine Erfahrungen einbringen. Wir werden aber keine fachlichen Ratschläge geben, sondern darauf achten, dass die Konzepte stimmig sind und auch die außerfachlichen Kriterien der Exzellenzinitiative berücksichtigen. Darin sehen wir unseren Mehrwert.

Hochschulrat
Der Hochschulrat der RUB ist seit Januar 2008 offiziell im Amt. Die sechs Mitglieder bilden für insgesamt fünf Jahre das höchste beschlussfassende Gremium der Uni. Der Hochschulrat wählt u.a. die Mitglieder des Rektorats. Er stimmt, basierend auf Empfehlungen und Stellungnahmen des Senats, dem Hochschulentwicklungsplan, dem Wirtschaftsplan und Zielvereinbarungen der RUB sowie dem Rechenschaftsbericht des Rektorats zu. Damit kompensiert das Gremium den Teilrückzug des Landes aus der Fachaufsicht.
In der konstituierenden Sitzung am 19.1.08 wurde Jürgen Schlegel zum Vorsitzenden des Hochschulrates gewählt. Jürgen Schlegel (geb. 1945) ist seit 2008 Generalsekretär der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Nach seinem juristischen Staatsexamen 1973 in Köln wurde er Leiter der Pressestelle und Assistent des Rektors der Uni Köln. 1975-1990 arbeitete Jürgen Schlegel im NRW-Wissenschaftsministerium und war Vertreter der Länder in verschiedenen Gremien der EU und der OECD. 1990-2007 war er Generalsekretär der Bund-Länder-Kommission. 2003-2007 war er Mitglied des Kuratoriums der RUB.

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Letzte Änderung: 30.11.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik