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RUBENS 138

1. Dezember 2009

Leise Revolution


Forschungsorientierte Gleichstellungsstandards an deutschen Unis



Lange schien an deutschen Universitäten als ungeschriebenes Gesetz zu gelten: Eine Frau muss ein Mann sein, um in Forschung und Lehre Karriere machen zu können. Doch seit einigen Jahren ist Bewegung in die Szenerie gekommen. Immer häufiger schlagen junge Frauen einen akademischen Berufsweg ein und holen bei Promotionen und Habilitationen den Rückstand auf ihre männlichen Kollegen auf. Allein auf Lehrstühlen sind Frauen noch vergleichsweise unterrepräsentiert. Doch nun soll auch diese letzte Bastion fallen. Wegweisend hierbei ist die Ruhr-Universität.


Nachdem der Wissenschaftsrat 2007 mit Empfehlungen zur Umsetzung von mehr Chancengleichheit in Forschung und Lehre die Debatte um die Förderung von Frauen in der Wissenschaft wieder auf die hochschulpolitische Agenda gesetzt hatte, zog 2008 die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nach. Auf ihrer Jahreshauptversammlung beschloss sie gemeinsam mit ihren Mitgliedern eine Selbstverpflichtungserklärung zu mehr Gleichstellung. Wenngleich die Erklärung, die unter dem Titel „Forschungsorientierte Gleichstellungsstandards” in die universitäre Öffentlichkeit kam, nicht die von mancher Seite erhoffte Einführung einer Quotenregelung für Wissenschaftlerinnen umfasste, kam sie doch einer leisen Revolution im Hochschulsystem gleich.

Instrumentenkasten

Ein deutliches Zeichen für die Herstellung von mehr Chancengerechtigkeit in Forschung und Lehre setzte die DFG zudem mit dem sog. Instrumentenkasten zu den Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards, der seit Juli 2009 auf der DFG-Homepage freigeschaltet ist. In neun Kategorien führt der Instrumentenkasten Best-Practice-Modelle zu Gleichstellung von Frauen und Männern im Wissenschaftssystem zusammen. Sie reichen von der Berücksichtigung von Gender-Aspekten in der Forschung bis hin zur Rekrutierung von weiblichen Studierenden. Die RUB ist hier allein durch sechs Projekte vertreten. Dazu gehören die renommierte Marie-Jahoda-Gastprofessur für internationale Frauenforschung, der Lore-Agnes-Preis, den das Rektorat alle zwei Jahre für Projekte zur Chancengleichheit auslobt, sowie das seit 2005 erfolgreich laufende Mentoring-Programm mentoring3.
Wegweisend ist die RUB auch mit einem weiteren Projekt, das die Stabsstelle IFB unmittelbar nach Veröffentlichung der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards ins Leben gerufen hat. Helga Rudack, langjährige Mitarbeiterin der Stabsstelle, berät hier insbesondere Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen, Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen und Schwerpunktprogramme bei der Einführung von Chancengleichheitsmaßnahmen. „Mit den Gleichstellungsstandards hat die DFG eine Maßnahme entwickelt, die Gleichstellung nun auch in der Forschung zu einer Querschnittsaufgabe macht”, hebt Helga Rudack hervor. Dafür stellt die DFG Mittel zur Verfügung. So erhalten SFBs jährlich 30.000 Euro, Graduiertenkollegs und Forschergruppen 15.000 Euro für die Implementierung von Chancengleichheits-Projekten.

Kaum Grenzen

Voraussetzung für den Erhalt der Mittel ist ein hochschulweites Gleichstellungskonzept, das an der RUB bereits seit 2008 existiert, und ein detaillierter Plan zur Verwendung der Mittel. Dabei besteht die Möglichkeit, auf bestehenden Maßnahmen zur Chancengleichheit aufzubauen, etwa Plätze in einem Mentoring-Programm „einzukaufen”. Sind nur wenige Frauen in einem Forschungszusammenhang beschäftigt, können spezielle Maßnahmen zur Karriereentwicklung von Wissenschaftlerinnen auch Forschergruppen-übergreifend zusammengefasst werden. Dazu Helga Rudack: „Der Kreativität bei der Entwicklung der Maßnahmen und der Realisierung von Chancengleich sind hier kaum Grenzen gesetzt und ein gewichtiger Baustein für die Förderung exzellenter Frauen in der Wissenschaft ist gelegt.”

Beate von Miquel
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Letzte Änderung: 30.11.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik