B1 &
B2 am Dreizehnten
Das ZFA bietet erstmals standardisierte Spanisch-Prüfungen
an
Ausgerechnet am Freitag den 13. schlug für 18 Prüflinge
die Stunde der Wahrheit. Drei Stunden Klausur plus einer
mündlichen Prüfung in Spanisch standen an, und
es ging wirklich um alles oder nichts: bestehen oder nicht
bestehen. Alle traten freiwillig an, denn wer besteht,
hat was in der Hand: das Diploma de Espanol como Lengua
Extranjera (DELE) des Instituto Cervantes, das weltweit
anerkannt ist und dem Inhaber Spanisch-Kenntnisse auf
standardisierten Niveaus bescheinigt.
Mit so einem Zertifikat kann man sich z.B. um ein Praktikum
oder einen Job bewerben, in dem es auf Kompetenzen im
Spanischen ankommt. Natürlich im spanisch-sprachigen
Ausland – aber auch in den USA – sind sie
unverzichtbar. Die standardisierte Prüfung hat das
Zentrum für Fremdsprachenausbildung (ZFA) der RUB
im November zum ersten Mal angeboten, seit kurzem ist
das ZFA vom Instituto Cervantes (der spanischen Entsprechung
des Goethe-Instituts) akkreditiert. „Da muss man
eine Menge Auflagen erfüllen“, erklärt
Astrid Reich, Bereichsleiterin für Prüfen, Testen,
Zertifizieren im ZFA. „Wir mussten Fragebögen
ausfüllen, dann gab es eine Begehung, bei der auch
die Räume begutachtet wurden. Die müssen unter
anderem Fenster haben und eine gute Akustik.“ Letzteres
ist notwendig, weil es in den Prüfungen auch ums
Hörverstehen geht. Zudem werden Leseverstehen, schriftliche
Sprachproduktion sowie Lexik und Grammatik in der Klausur
geprüft. In der mündlichen Prüfung steht
die sprachliche Ausdrucksfähigkeit im Vordergrund.
Wer auf einem Gebiet Schwächen hat, kann sie zum
Teil in anderen wieder wettmachen. Was genau den Prüfling
erwartet, können Interessierte in Vorbereitungskursen
erfahren, die die Spanisch-Lektorin Lidia Santiso Saco
anbietet. „Wir nennen das eine Formatschulung“,
erklärt sie, „denn es ist kein Sprachkurs,
es geht nur um die Art der Aufgaben in der Prüfung.“
Weltweit am selben Tag
Geprüft werden an der RUB die Niveaus B1 und B2.
Diese Bezeichnungen beziehen sich auf den sog. Gemeinsamen
europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeR),
der sprachliche Kompetenzen beschreibt und anhand dessen
sie gemessen werden können. Die Niveaustufen des
Referenzrahmens reichen vom Bereich A der „elementaren“
Sprachverwendung über den Bereich B der „selbstständigen“
bis zum Bereich C der „kompetenten“ Sprachverwendung.
Während A1 etwa ein Absolvent eines VHS-Einführungskurses
erreichen kann, kommt C2 dem sprachlichen Können
eines Muttersprachlers nahe. Ob auch das ZFA demnächst
Prüfungen anderer Stufen anbieten wird, muss sich
zeigen: „Wir orientieren uns natürlich an
der Nachfrage“, sagt Astrid Reich. Die nach B1
und B2 lässt nicht zu wünschen übrig:
Nur eine Woche lang wurden Anmeldungen entgegengenommen,
und bewusst haben die Organisatorinnen nur wenig und
sehr gezielt Werbung gemacht. Zudem ist die Prüfung
kostenpflichtig, wobei RUB-Mitglieder Rabatt erhalten.
Dass sich immerhin 18 angemeldet haben, wertet das ZFA
als deutliches Zeichen fürs starke Interesse am
Zertifikat. Künftig will das ZFA mehr Prüfungen
abnehmen; immer im Mai und November finden sie weltweit
am selben Tag statt.
Allerdings steckt die Raumsituation des ZFA dem Angebot
enge Grenzen, denn für die Prüfung müssen
Räume den ganzen Tag lang blockiert werden. Doch
ist es schon schwierig, die ca. 180 ZFA-Kurse pro Semester
auf dem Campus unterzubringen. Ferner kann man wegen
der Anforderungen des Instituto Cervantes nicht jeden
Raum nutzen. Trotzdem liebäugelt Astrid Reich mit
standardisierten Prüfungen in weiteren Sprachen.
Schon im Angebot sind Prüfungen für Deutsch
als Fremdsprache (TestDaF), Niederländisch (CNAvT)
und Schwedisch (Swedex). Spanisch findet natürlich
sehr viel Interesse. Dem Bedarf nach Englisch-Prüfungen
zu entsprechen, ist außerdem ein großer
Wunsch. „Aber dazu muss sich zumindest an der
räumlichen Situation des ZFA noch einiges tun.“
Nico für Mexiko
Nico Zech hatte in der Schule drei Jahre lang
Spanisch und hat zweieinhalb Monate in Spanien verbracht.
Er hat die B1-Prüfung abgelegt und kommt gegen
halb drei glücklich aus der Prüfung.
Hallo Herr Zech, wie war‘s?
Ich fand es nicht so schlimm zu schreiben und dann die
mündliche Prüfung zu machen, aber das Warten
zwischendurch, da macht man sich natürlich schon
etwas nervös. Aber alle waren sehr nett und es
war auch sehr vertraut mit Lidia und Bea, das ist was
ganz anderes als mit Wildfremden.
Wann gibt es das Ergebnis?
In drei Monaten kann man auf einer Webseite nachschauen.
Alle Prüfungen werden in Madrid ausgewertet, deswegen
dauert das so lange.
Warum haben Sie sich für die Prüfung entschieden?
Ich will mich im nächsten Jahr an einer Uni im
Mexiko bewerben, da braucht man natürlich Spanisch-Kenntnisse.
Da ist es besser, wenn man etwas vorweisen kann. Die
Unizertifikate werden oft nicht anerkannt, DELE ist
aber weltweit anerkannt wie der englische TOEFL.
Spanisch per Zufall
Maike Norpoth hat sich für das Niveau B2 prüfen
lassen. Um kurz nach vier ist sie fertig.
Wie ist es gelaufen?
Ich war ganz schön nervös – mündliche
Prüfungen stehen auf der Hitliste der Dinge, die
ich gerne mache, nicht so weit oben … aber ich
gehe davon aus, dass der Test bestanden ist.
Warum haben Sie den DELE-Test gemacht –
er kostet ja auch Geld?
Ich habe mal Spanisch studiert, dann das Studium abgebrochen
und studiere jetzt Geografie. Die Spanisch-Kenntnisse
möchte ich aber nicht verlieren. Ich bin auch nur
noch ein Jahr hier in Bochum, dann halte ich mir die
Option offen, für den Master vielleicht ins spanisch-sprachige
Ausland zu gehen.
Spanisch haben Sie aber nicht erst in der Uni gelernt,
oder?
Doch! Ich bin vor vier Jahren durch Zufall ins Spanisch-Studium
geraten, das war eine völlig neue Welt für
mich. Dann habe ich zwei Jahre studiert und bin zwei
Jahre im spanisch-sprachigen Ausland gewesen. Dort habe
ich mich dann aber auf Geografie konzentriert.
Hätten Sie dann nicht auch ein höheres
Niveau absolvieren können?
C2 hätte ich mir nicht zugetraut – das ist
fast was für Muttersprachler. Ich hätte vielleicht
C1 geschafft, das wird aber hier nicht angeboten. Es
ist etwas ganz anderes, ob man die Sprache jeden Tag
benutzt oder sie auch studiert, inklusive der Grammatik.
md
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