Gutes Gedächtnis
Max-Planck-Forschungspreis ermöglicht Memoria-Projekt
an Ruhr-Uni
In diesem Wintersemester ist Prof. Karl Galinsky
erstmals an der RUB, um seine internationale Nachwuchs-Forschergruppe
am Seminar für Klassische Philologie zu leiten. „Memoria
Romana: Memory in Roman Civilization“ heißt
das interdisziplinäre Projekt, das Galinsky mit Hilfe
eines Forschungspreises aufbaut, der ihm Mitte Oktober
in Bonn offiziell überreicht wurde.
Am 20. Oktober fand die Verleihung des vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung gestifteten Max-Planck-Forschungspreises
durch Bundesforschungsministerin Annette Schavan in der
Universität Bonn statt. Der mit 750.000 Euro dotierte
internationale Forschungspreis wird jährlich an zwei
renommierte Wissenschaftler/innen gemeinsam durch die
Alexander von Humboldt-Stiftung und Max-Planck-Gesellschaft
verliehen, alle vier Jahre auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften.
Der vorgegebene Themenbereich für den diesjährigen
Preis war die Gedächtnisgeschichte. Zusammen mit
Aleida Assmann wurde der amerikanische Kulturwissenschaftler
und Humboldt-Forschungspreisträger Karl Galinsky
ausgezeichnet. Der vielseitige Antikenforscher ist Professor
für Klassische Philologie an der University of Texas
in Austin und gilt als einer der innovativsten Köpfe
auf dem Gebiet der Kulturforschung, da er die Latinistik
mit verschiedensten anderen Fachgebieten wie Kunst-, Religions-
und Sozialgeschichte verknüpft und zudem den Bogen
zu aktuellen Themen wie Multikulturalität schlägt.
Internationale Nachwuchsgruppe
Mit dem Preisgeld ist im Juli diesen Jahres das interdisziplinär
angelegte Projekt „Memoria Romana: Memory in Roman
Civilization“ am Seminar für Klassische Philologie
an der Ruhr-Uni initiiert worden. Eine aus Doktoranden
und Postdoktoranden bestehende internationale Nachwuchs-Forschergruppe
wird in den nächsten drei bis fünf Jahren
unter Leitung von Prof. Galinsky vor allem zu Fragen
der Religions-, Sozial-, Literatur- und Kunstgeschichte
im Bereich der römischen Kultur arbeiten.
Für gute Master-Absolventen bietet sich die einmalige
Chance, im Rahmen dieses international vernetzten Projektes
ihre Dissertation zu schreiben. Galinsky macht deutlich:
„Memoria, Gedächtnis, ist eine grundlegende
Konstante auf allen Gebieten der römischen Kultur.
Memoria ist konkret und braucht nicht abstrakt theoretisiert
zu werden.“ Ebenfalls aus dem Preisgeld finanziert
werden regelmäßige Kolloquien, Konferenzen
in Bochum, Austin (Texas), an der amerikanischen Akademie
in Rom sowie weitere geeignete Plattformen, wie Tagungen
der American Philological Association oder der Mommsen-Gesellschaft.
Nachhaltigen Einfluss wird die Preisverleihung auch
auf die internationalen Kooperationen der RUB haben,
wobei insbesondere die Anschlussfähigkeit an bereits
bestehende Forschungsvorhaben, wie dem kürzlich
eingerichteten Internationalen Kolleg für Geisteswissenschaftliche
Forschung „Dynamiken der Religionsgeschichte“
oder der Mercator Research Group „Structure of
Memory“, gegeben ist.
Viermal fünf Monate
Als ausgewiesen erfolgreicher Betreuer von Forschungsarbeiten
in den USA, Argentinien, Griechenland und Deutschland
und überhaupt als Kenner der internationalen Forschungslandschaft
vor allem in den Altertumswissenschaften wird Prof.
Galinsky die Internationalisierungsanstrengungen und
interdisziplinären Bemühungen in der Forschung
an der RUB und über sie hinaus stärken. Er
wird von 2009 bis 2012 für jeweils fünf Monate
im Jahr in Bochum wirken. Sein Konzept konvergiert mit
den Vorstellungen des Rektorats bezüglich neuer
Formen der Nachwuchsförderung, wie sie im Rahmen
der Exzellenzinitiative entwickelt worden sind: „Mein
Ziel ist, den Hauptteil der Preismittel an jüngere
Forscher weiterzuleiten. Wir haben bereits zahlreiche
und viel versprechende Anfragen erhalten und erwarten
hoch qualifizierte Bewerbungen bereits zum ersten Termin
im November.“
Infos: http://www.utexas.edu/research/memoria
Cornelia
Sonnleitner
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