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RUBENS 137

1. November 2009


Experten für Krisen gehen ins Feld

Vor 20 Jahren wurde das IFHV an der Ruhr-Uni gegründet


„Wir arbeiten in einem enorm spannenden Umfeld”: Die Begeisterung, mit der Dr. Markus Moke über sein Institut spricht, steht sinnbildlich für die Erfolgsgeschichte des IFHV (Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht). 1988 vom Juristen und Alt-Rektor Prof. Knut Ipsen gegründet, blickte das Institut vor kurzem mit einer Tagung zurück auf zwei Jahrzehnte völkerrechtliche Forschung in Bochum. Die Bilanz fällt in jeder Hinsicht positiv aus. Das IFHV deckt den laut Moke „hohen juristischen Forschungsbedarf” rund um die internationalen Krisenherde und die humanitären Katastrophen mit ab; es bildet zugleich die Nachwuchskräfte aus, die weltweit gefragt sind.

„Unsere Absolventen gehen ins Feld”, so Moke, der den Bochumer Studiengang im europäischen Netzwerk NOHA (Network on Humanitarian Assistance) koordiniert. Der Masterstudiengang „Humanitäre Hilfe” ist ein Baustein dieser grenzüberschreitenden Kooperation und zugleich der Kern in der Ausbildung des IFHV. Rund 20 Studierende pro Jahr aus aller Welt studieren seit 1993 in Bochum „Humanitäre Hilfe” – forschungsnah, interdisziplinär, fachübergreifend und mit hohem Praxisbezug.

Krise in Osmania

Die Simulation humanitärer Krisen, z.B. im fiktiven Staat Osmania, gehört ebenso dazu wie das Training von Hilfseinsätzen unter realen Bedingungen, etwa zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr. „Da üben die Studenten, wie sie einen Jeep im Gelände fahren, Verletzte bergen, Verwundete betreuen und ein Zeltlager errichten”, beschreibt Moke die mehrtägigen praktischen Komponenten des Studiums.
Die so ausgebildeten Absolventen, die häufig schon praktische Erfahrung mitbringen, ehe sie noch ihren Master machen, kommen bei zahlreichen nationalen und internationalen Hilfsorganisationen unter. „Da hantieren wir gern mit Abkürzungen”, sagt Moke und zählt beispielsweise auf: THW, GTZ, UNHCR, IKRK und einige mehr. Gemeint sind das Technische Hilfswerk, die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GmbH, das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Gesucht werden die Bochumer Master aber auch von der Weltbank, von World Vision, von Caritas und Malteser und vom europäischen Amt für humanitäre Hilfe. Warum dann nur 20 Studenten im Jahr? „Wir wollen den weltweiten Markt nicht überfluten”, so Markus Moke. „Zusammen mit unseren Partnern im NOHA-Netzwerk bilden wir die Studenten an sieben Universitäten in Europa aus, das sind insgesamt 140 Absolventen jährlich. Das reicht, um die Nachfrage zu decken.”

Venedig-Master

Durch Kooperationen beteiligt sich das IFHV indes an der Ausbildung von deutlich mehr Absolventen, die jedoch höchstens ein Semester in Bochum verbringen und ihre Heimatuniversität woanders haben. Das Institut ist Partner des internationalen Menschenrechtszentrums in Venedig (EMA) sowie der Programme „Master in Peace and Security Studies” (Uni Hamburg) und „European Regional Master in Democratisation and Human Rights in South East Europe” gemeinsam mit Unis aus Südosteuropa. Den sog. Venedig-Master für Menschenrechte und Demokratisierung tragen z.B. 41 Unis aus ganz Europa, dort gibt es 80 bis 100 Studierende im Jahr. „Die Absolventen gehen aber eher in die politische Verbands- und Gremienarbeit”, so Moke. Der international renommierte Völkerrechtler Prof. Horst Fischer, Leiter des IFHV von seiner Gründung an (seit 2007 beurlaubt), ist seit 2003 zugleich Präsident des Menschenrechtszentrums in Venedig.
Zurück nach Bochum: Auch in diesem Wintersemester nahmen wieder 20 Studierende den NOHA-Master in Angriff, um später in Katastrophengebieten Hilfe vor Ort zu leisten. Sie kommen u.a. aus Polen, Zypern, Liberia, Schweden, Kamerun und Myanmar. Gesprochen wird natürlich Englisch, und nicht nur Markus Moke findet die Mischung „bereichernd”: „Wenn da ein studierter Mediziner dabei ist, der schon im Kongo im Einsatz war, dann profitieren auch die anderen Studierenden von dessen Wissen und Erfahrung.” Allein durch die vier beteiligten Fakultäten der Ruhr-Uni und durch die Auswahl der Studierenden ergänzen sich im IFHV Jura, Sozial- und Geowissenschaften sowie Medizin in Forschung und Lehre.

Blick nach vorn

Wer bilanziert, blickt automatisch auch voraus, und so war das formal im letzten Jahr, de facto in diesem Jahr „gefeierte” Jubiläum des Instituts natürlich nur eine Etappe auf dem weiteren Weg. Was steht in Zukunft an? „Wasser oder besser das Fehlen von Wasser, extreme Dürre – das ist ein Forschungsfeld und eine Ursache künftiger Krisen, in denen unsere Experten dringend benötigt werden”, so Moke. Das Institut will und wird sich weiter vernetzen. So wächst NOHA allmählich über Europa hinaus und kooperiert u. a. mit Universitäten in Brasilia, Kapstadt und mit der Columbia University, New York, mit der das IFHV bzw. die RUB schon seit vielen Jahren einen intensiven Kontakt pflegen.
Eine Bestätigung, dass die Bochumer Krisenexperten auf dem richtigen Kurs sind, gab es vor kurzem von der EU: Als einen von wenigen Studiengängen kürte sie den NOHA-Master bereits zum zweiten Mal zu einem „Flaggschiff-Studiengang” im Erasmus-Mundus-Programm. „Für uns ist das ein toller Erfolg”, so Moke, „und für internationale Hilfsorganisationen hat sich NOHA inzwischen als Qualitätsbegriff etabliert.”

jw
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Letzte Änderung: 30.10.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik