Mit der H-Bahn zur RUB?
Serie Archivsplitter
Ein lang gehegter Traum! – Die Studierenden im Senat
der RUB warfen dieses Thema jedenfalls unlängst wieder
mit ihrem Antrag auf, die Realisierbarkeit einer H-Bahn-Verbindung
zur RUB, genauer: die „Verlängerung der H-Bahn
der TU Dortmund an allen Universitätsstandorten vorbei“,
prüfen zu lassen. Ob ihnen bewusst war, dass es ein
solches Ansinnen vor knapp zwei Jahrzehnten schon einmal
gegeben hat, ist nicht bekannt. Wie dem auch sei –
eine direkte Verkehrsverbindung zwischen den Hochschulen
Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund scheint gerade in
Zeiten der Universitätsallianz Metropole Ruhr eine
sinnvolle Einrichtung zu sein.
Die Dortmunder Hängebahn wurde 1984 als damals „weltweit
erstes vollautomatisches, begleiterloses Verkehrsmittel“
in Betrieb genommen und verband zunächst Nord- und
Südcampus der Uni. 1993 und 2003 wurde jeweils eine
Streckenverlängerung in Betrieb genommen. In den
Zusammenhang der ersten Erweiterung fiel auch die Überlegung,
eine Linie bis zur Ruhr-Uni zu führen. Angestoßen
wurde diese nach Auskunft von leitenden H-Bahn-Mitarbeitern
von einer „Idee“ des damaligen Verkehrsministers
Franz-Josef Kniola, der die sich abzeichnende Zusammenarbeit
der Hochschulen „verkehrlich unterlegen“ wollte
und auch Finanzmittel für eine Machbarkeitsstudie
bereitgestellt habe.
Ernüchterndes Ergebnis
Mit der Untersuchung beauftragte die H-Bahn-Gesellschaft
die VCE Verkehrslogistik Consulting & Engineering
GmbH Dortmund, die ihren Bericht schließlich im
Juni 1992 vorlegte. Ziel der Studie war die Bestimmung
des im Jahr 2000 zu erwartenden Verkehrsaufkommens,
wobei auch die jeweilige Belastung der Linienteilstücke
zu ermitteln war. Die (vorgegebene) Streckenführung
schloss nämlich u.a. die Stadt Witten ein, die
ihrerseits schon zwei Jahre zuvor eine H-Bahn in ihr
„Konzept einer regionalen Entwicklungskette von
der Universität Dortmund über Witten zur Ruhruniversität“
(zit. nach der VCE-Untersuchung) einbezogen hatte.
Wie Unterlagen im Wittener Stadtarchiv allerdings erweisen,
war dabei die Stadt selbst ursprünglich gar nicht
initiativ. Es war die VCE, die seit mindestens 1988
an dem Projekt arbeitete und eine Gemengelage von (teils
vermeintlichen) Interessen und Bedürfnissen auszuloten
suchte, die der angedachten H-Bahn-Linie Realisierungschancen
hätten bieten können. Und so war die „Idee“
Minister Kniolas 1991/92 zumindest nicht neu. Wer jedoch
wann Anstöße gab, bedürfte einer genaueren
Recherche. Leider sind aber im Landesarchiv die entsprechenden
Vorgänge (noch) nicht überliefert.
Für die Befürworter einer günstigen Verbindung
zwischen den Unis war das Ergebnis der Studie vom Juni
1992 ernüchternd. Die RUB, von der VCE zuvor um
Auskunft gebeten, hatte im April 1992 nur von „bis
zu 100 Studierenden“, die aufgrund einer Nebenfachvereinbarung
mit Dortmund möglicherweise pendeln würden,
berichten können; daneben bestanden Kooperationen
im Rahmen von drei SFB sowie eine „unbekannte
aber wohl nicht geringe Zahl“ informeller Kontakte.
Für die Untersuchung war bei solchen Angaben der
„Personenaustausch zwischen den Universitäten
... als Bestimmungsgröße unbedeutend.“
Attraktivitätszuschlag
Der geringe Bedarf an einer Verbindung zwischen den
Universitäten schlug sich schließlich in
dem prognostizierten Fahrgastaufkommen nieder: Während
für den Bereich Witten eine Linienbelastung von
5.236 Fahrten pro Tag (Durchschnittswert beider Richtungen)
ausgemacht wurde, waren es auf den Teilstrecken Uni
Dortmund-Stockum und Heven-RUB nur 888 respektive 1.584.
Zu wenig für die H-Bahn-Gesellschaft, und vielleicht
traute sie auch nicht dem von der VCE eingerechneten
„Attraktivitätszuschlag“. Für
die 17 km lange Fahrt zwischen den Unis hätte man
immerhin 36,5 Minuten benötigt – kein Gewinn
gegenüber sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Weitergeträumt“ hat im Übrigen
die Pressestelle der RUB, und das gleich mehrfach. 1995
vermeldete sie den Entschluss der Landesregierung zum
Ausbau der Bahn (erster Spatenstich am 1. April östlich
von IC). Und am 1. April 2000 schließlich entwarf
sie im Zuge der Fusion der Universitäten Dortmund
und Bochum die Vision einer H-Bahn-Verbindung erneut
– nun gar, ganz auf Geschwindigkeit setzend, auf
ein und derselben Trasse mit einem Transrapid!
Jörg
Lorenz, Universitätsarchiv
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