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RUBENS 137

1. November 2009


Kampf gegen Antibiotika-Resistenz

Humboldt-Stipendiat aus Nigeria forscht an der Medizinischen Fakultät



Seit Anfang September ist Dr. Ifeanyichukwu Iroha als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Medizinischen Fakultät. In der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie von Prof. Dr. med. Sören Gatermann untersucht der Nigerianer die Ursache von Antibiotika-Resistenzen in Bakterienstämmen.


Das Georg-Forster-Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung ermöglicht überdurchschnittlich qualifizierten Postdoktoranden Forschungsaufenthalte in Deutschland. Ziel der Förderung: Die Forscher sollen Kernkompetenzen und wissenschaftliche Erkenntnisse erwerben, die für die Entwicklung ihres Heimatlandes von entscheidender Bedeutung sind und diese nach ihrem Aufenthalt in Deutschland zurücktransportieren. Genau das hat auch Dr. Aroha von der Ebonyi State University in Abakaliki vor. „Die Forscher hier sind alle exzellent ausgebildet und sehr auf ihre Arbeit fokussiert. Das möchte ich verinnerlichen und dabei wichtige Ergebnisse gewinnen, die uns weiterbringen.”
Mit nach Bochum gebracht hat der Mikrobiologe über 100 Bakterienstämme aus nigerianischen Krankenhäusern, die er zusammen mit seinen deutschen Kollegen unter die Lupe nehmen will. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Identifizierung und Charakterisierung der ESBL-Enzyme (Extended-Spectrum Beta-Lactamase), die einige der Keime resistent machen gegenüber verschiedenen Gruppen von Antibiotika. Eine Infektion mit diesen resistenten Bakterien ist äußerst schwer zu bekämpfen und kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. „Deshalb versuchen wir, die genaue Wirkung und die Regulation von ESBL in den Bakterien aufzudecken”, erklärt Prof. Sören Gatermann.
Für den Bochumer Wissenschaftler und seine Abteilung bringt die Zusammenarbeit einen zusätzlichen Vorteil: Aus den nigerianischen Bakterienstämmen lassen sich wichtige epidemiologische Daten zu ESBL gewinnen, die mit bisherigen Erkenntnissen aus Deutschland und der restlichen Welt verglichen werden können. „Solche Kollaborationen sind enorm wichtig, wenn man eine weltweite Problematik wie diese bearbeitet. Wir können damit auch Aufklärungsarbeit leisten, wenn es uns gelingt, wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, die Dr. Iroha mit zurück nach Nigeria nehmen kann”, so Prof. Gatermann.

Aufklärungsarbeit in Nigeria

Denn ein Grund für eine immer größere Verbreitung solcher Resistenzen ist der unkritische Einsatz von Antibiotika. Durch unnötige Antibiotikagabe bei fehlender Indikation können resistente Bakterienstämme selektioniert werden. „So können sehr gefährliche multiresistente Keime entstehen. In Deutschland kennen wir Infektionen mit solch resistenten Bakterien vor allem in Krankenhäusern”, erklärt Gatermann. In Afrika ist Antibiotika-Resistenz dagegen ein viel weiter verbreitetes Problem, denn viele Medikamente werden von Leuten auf der Straße oder in Apotheken verkauft, ohne genaue Dosierungsanleitung oder Beratung durch einen Arzt. Molekularbiologische Zusammenhänge wie die Wirkung von ESBL sind hier nahezu unbekannt, eine angepasste Behandlung ist deshalb fast ausgeschlossen. „Mein Ziel ist deshalb, die Menschen in Nigeria auf das generelle Problem der Antibiotika-Resistenz hinzuweisen”, erklärt Dr. Iroha. Dafür wird er sich nach seinem Aufenthalt in Bochum einsetzen. „Dann gelingt es vielleicht auch, mehr Ärzte und Mikrobiologen für das Thema zu sensibilisieren und die Strukturen insgesamt zu verändern.”

Eike Strunk
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Letzte Änderung: 30.10.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik