Kampf gegen Antibiotika-Resistenz
Humboldt-Stipendiat
aus Nigeria forscht an der Medizinischen Fakultät
Seit Anfang September ist Dr. Ifeanyichukwu Iroha als
Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Institut
für Hygiene und Mikrobiologie der Medizinischen Fakultät.
In der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie von
Prof. Dr. med. Sören Gatermann untersucht der Nigerianer
die Ursache von Antibiotika-Resistenzen in Bakterienstämmen.
Das Georg-Forster-Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung
ermöglicht überdurchschnittlich qualifizierten
Postdoktoranden Forschungsaufenthalte in Deutschland.
Ziel der Förderung: Die Forscher sollen Kernkompetenzen
und wissenschaftliche Erkenntnisse erwerben, die für
die Entwicklung ihres Heimatlandes von entscheidender
Bedeutung sind und diese nach ihrem Aufenthalt in Deutschland
zurücktransportieren. Genau das hat auch Dr. Aroha
von der Ebonyi State University in Abakaliki vor. „Die
Forscher hier sind alle exzellent ausgebildet und sehr
auf ihre Arbeit fokussiert. Das möchte ich verinnerlichen
und dabei wichtige Ergebnisse gewinnen, die uns weiterbringen.”
Mit nach Bochum gebracht hat der Mikrobiologe über
100 Bakterienstämme aus nigerianischen Krankenhäusern,
die er zusammen mit seinen deutschen Kollegen unter die
Lupe nehmen will. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Identifizierung
und Charakterisierung der ESBL-Enzyme (Extended-Spectrum
Beta-Lactamase), die einige der Keime resistent machen
gegenüber verschiedenen Gruppen von Antibiotika.
Eine Infektion mit diesen resistenten Bakterien ist äußerst
schwer zu bekämpfen und kann erhebliche gesundheitliche
Folgen haben. „Deshalb versuchen wir, die genaue
Wirkung und die Regulation von ESBL in den Bakterien aufzudecken”,
erklärt Prof. Sören Gatermann.
Für den Bochumer Wissenschaftler und seine Abteilung
bringt die Zusammenarbeit einen zusätzlichen Vorteil:
Aus den nigerianischen Bakterienstämmen lassen sich
wichtige epidemiologische Daten zu ESBL gewinnen, die
mit bisherigen Erkenntnissen aus Deutschland und der restlichen
Welt verglichen werden können. „Solche Kollaborationen
sind enorm wichtig, wenn man eine weltweite Problematik
wie diese bearbeitet. Wir können damit auch Aufklärungsarbeit
leisten, wenn es uns gelingt, wichtige Erkenntnisse zu
gewinnen, die Dr. Iroha mit zurück nach Nigeria nehmen
kann”, so Prof. Gatermann.
Aufklärungsarbeit in Nigeria
Denn ein Grund für eine immer größere
Verbreitung solcher Resistenzen ist der unkritische
Einsatz von Antibiotika. Durch unnötige Antibiotikagabe
bei fehlender Indikation können resistente Bakterienstämme
selektioniert werden. „So können sehr gefährliche
multiresistente Keime entstehen. In Deutschland kennen
wir Infektionen mit solch resistenten Bakterien vor
allem in Krankenhäusern”, erklärt Gatermann.
In Afrika ist Antibiotika-Resistenz dagegen ein viel
weiter verbreitetes Problem, denn viele Medikamente
werden von Leuten auf der Straße oder in Apotheken
verkauft, ohne genaue Dosierungsanleitung oder Beratung
durch einen Arzt. Molekularbiologische Zusammenhänge
wie die Wirkung von ESBL sind hier nahezu unbekannt,
eine angepasste Behandlung ist deshalb fast ausgeschlossen.
„Mein Ziel ist deshalb, die Menschen in Nigeria
auf das generelle Problem der Antibiotika-Resistenz
hinzuweisen”, erklärt Dr. Iroha. Dafür
wird er sich nach seinem Aufenthalt in Bochum einsetzen.
„Dann gelingt es vielleicht auch, mehr Ärzte
und Mikrobiologen für das Thema zu sensibilisieren
und die Strukturen insgesamt zu verändern.”
Eike
Strunk
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