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RUBENS 137

1. November 2009


Selbst ist die Fakultät


Die Philologen legen ein eigenes Stipendien-Programm auf



Vier Promovierende der Fakultät für Philologie können sich ab dem Wintersemester 09/10 frei von Finanzsorgen ihrer Doktorarbeit widmen. Die Fakultät hat als erste der RUB ein eigenes Stipendien-Programm ins Leben gerufen, mit dem begabte Promovierende für maximal drei Jahre gefördert werden können. Julia Eckel, Judith Hildebrandt, Christoph Kraume und Vivian Strotmann sind die ersten Stipendiaten.


Die Fakultät finanziert die Stipendien aus eigenen Mitteln. Angelegt ist das Programm auf sechs Jahre; pro Jahr können bis zu fünf Stipendiaten gefördert werden. Insgesamt hatten sich in der fakultätsinternen Ausschreibung 23 Interessenten beworben, von denen nach intensiver Begutachtung durch eine Auswahlkommission neun zu einem Kolloquium eingeladen wurden. „Die endgültige Auswahl der vier Stipendiaten war nicht einfach, weil sich sämtliche Projektvorhaben auf sehr hohem Niveau bewegen”, berichtet Prof. Ralf Klabunde, Sprecher des Programms. Ausgewählt wurde in Anlehnung an die Kriterien, die auch die Research School ansetzt: Studiendauer, Abschlussnote, innovative Qualität der Problemstellung, Qualität des Projekts und Qualifikation des Antragstellers flossen ein.

Pixelkreaturen

Menschen auf Monitoren, Figuren in Filmen, Personen aus Pixeln – fast alle audiovisuellen Medien präsentieren grafisch-akustische Wahrnehmungs-Konfigurationen, die als (menschliche) Individuen identifiziert werden. Die Frage allerdings, worum es sich bei diesen „Wesen“ genau handelt bzw. welche Beziehungen diese zu nicht-medialen Individuen aufweisen, erhält in Zeiten digitaler Bildgenerierung und Postproduktion und im Kontext der Bilderflut von (Amateur-)Selbstdarstellungen im Internet neue Brisanz. Julia Eckel will in ihrem Dissertationsprojekt „Das Audioviduum“ prüfen, inwieweit die Theoriearbeit zum „Individuum im Medium“ seit Aufkommen des Films einem Wandel unterliegt und ob die fortschreitende Digitalisierung einen neuen Impuls bedeuten muss.
Um die Abgrenzung der medialen Individuen von anderen (soziologischen, psychologischen, philosophischen etc.) Individuen-Konzepten zu ermöglichen, schlägt sie den Begriff „Audioviduum“ vor. Er soll die audiovisuellen Individuen terminologisch auf das reduzieren, was sie in erster Linie sind: eine sichtbare Oberfläche und/oder hörbare Laute. Ein „Audioviduum“ ist demnach ein medien-vermittelt akustisch-visuelles Phänomen, das als Individuum mit menschlichen oder wesenhaften Zügen interpretiert wird. Die Dissertation soll die Medien- und Theoriegeschichte dieses „Audioviduums“ diskursanalytisch nachzeichnen und die mit ihm zusammenhängenden Konzepte, Begriffe und Ideen im Kontext von Digitalisierung und Intermedialität diskutieren.

Die Lücke Lenz

Judith Hildebrandt widmet sich der „Ästhetik des Fragmentarischen. Zur Dramaturgie der Brüche im Werk des Jakob Michael Reinhold Lenz”. Lenz (1751-92) gilt als einer der wichtigen Autoren des 18. Jahrhunderts. Dennoch ist sein Werk nur in Teilen erforscht, was auch der problematischen Quellenlage geschuldet ist. Erst seit 2007 sind seine späten Schriften der Moskauer Jahre (1781-92) zugänglich.
Hildebrandt wird eine der ersten sein, die sich dem Autor Lenz, seiner Zeit und seinem Einfluss auf die Moderne mit besonderer Orientierung auf sein Spätwerk widmet und mit der Bearbeitung einer Forschungslücke beginnen. Vom Spätwerk ausgehend ergibt sich ein Schwerpunkt der Ästhetik des Fragmentarischen, die sich durch Lenz‘ gesamtes Werk zieht. Um diese Ästhetik in Zusammenhang zu setzen und in der Entwicklung von Lenz‘ Schreiben nachzuvollziehen, wird Hildebrandt Interpretationen früherer und bereits lange veröffentlichter Texte hinzuziehen.

Cicero in Frankreich

Christoph Kraume untersucht „Die Rekonstruktion von Ciceros ‚De re publica’ durch J.E.D. Bernardi“. Cicero muss mit ansehen, wie der aufstrebende Caesar die römische Republik aus den Angeln hebt. Er selbst, Republikaner und politisch kaltgestellt, zieht sich ins Private zurück, um sich philosophischen Studien zu widmen. Es entsteht eines seiner Hauptwerke: das staatsphilosophische „De re publica“, das als Fortführung ciceronischer Politik mit literarischen Mitteln gelten kann. Im Mittelalter geht die Schrift verloren und wird erst 1819 in Teilen wiederentdeckt.
1.800 Jahre später, Frankreich: Das Ancien Régime bricht in der Französischen Revolution zusammen. J.E.D. Bernardi, Kritiker der revolutionären Vorgänge, zieht sich ins Private zurück und widmet sich philosophischen Studien. Cicero, den er verehrt, steht dabei im Zentrum. Doch dessen Hauptwerk bleibt verschollen. Bernardi versucht es zu rekonstruieren. Das Ergebnis veröffentlicht er 1798 in einer französischen Übersetzung und 1807 in einer lateinischen sowie einer zweisprachigen Fassung. Betreibt auch Bernardi Politik mit anderen Mitteln und instrumentalisiert Cicero als Sprachrohr für eigenes politisches Gedankengut oder ist sein Vorhaben rein philologisch? Viele Indizien weisen auf die erste These hin. So z.B. die Tatsache, dass die Erstausgabe anonym erscheint und Bernardi sich der Nationalsprache statt des Lateinischen bedient. Eine Analyse des lateinischen Textes vor dem Hintergrund der Bernardi zur Verfügung stehenden Quellen sowie ein Vergleich der Rekonstruktion mit dem 1819 wieder aufgetauchten Fragment der ciceronischen Schrift soll Aufschluss geben, welchen Stellenwert die Arbeit des Franzosen in der Cicero-Rezeption einnimmt.

Unbekannter Berühmter

Vivian Strotmann erforscht Leben und Einfluss des persischen Gelehrten Maðd al-Dîn al-Fîrzâbâdî (1329-1415). Al-Fîrzâbâdîs Berühmtheit steht in Kontrast zum geringen Forschungsaufkommen um seine Person, sein Netzwerk und Werk, sowie dessen Rezeption und Wirkung. Diese Lücke zu füllen ist ein Schwerpunkt der Arbeit: Mit Hilfe arabischer und persischer Primär- und Sekundärquellen plant Vivian Strotmann zunächst ein Gelehrtenprofil. Unter Einbeziehung von Forschungsliteratur zu relevanten historischen und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhängen ermöglicht dieses Profil eine umfassende Einschätzung seines Lebens und Wirkens als Gelehrter am Wendepunkt zur Frühen Neuzeit, dessen Schaffen ebenso Einflüssen seiner Zeit unterlag, wie es Impulse für spätere Entwicklungen gab.
Basierend darauf möchte Strotmann das lexikographische Schaffen al-Fîrzâbâdîs genauer betrachten, insbesondere sein berühmtes Werk Qâms al-mu_î_. Das Wörterbuch selbst sowie seine kontroverse zeitgenössische und spätere Rezeption wird Strotmann unter Berücksichtigung der ermittelten biographischen Fakten und des Gelehrtennetzwerkes al-Fîrzâbâdîs analysieren, um die Bedeutsamkeit des Werkes für die arabische Sprachwissenschaft, die europäische arabische Lexikographie und für die Etablierung der Orientwissenschaften als akademisch-philologischer Disziplin zu ermitteln.

md
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Letzte Änderung: 30.10.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik