ESA + ISS = LSI
Astronauten
lernen Russisch an der RUB
Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben
das Jahr 2009, und im Gegensatz zu den Weiten ist die
sprachliche Vielfalt im All beschränkt. Weltraumprojekte
sind zwar international besetzt. Zur Kommunikation der
Astronauten untereinander und mit den Mitarbeitern der
Raumfahrtprogramme wird neben Englisch aber nur noch Russisch
gesprochen. Zwecks Erwerb entsprechender Sprachkenntnisse
belegen sechs neue Mitglieder des europäischen Astronauten-Teams
einen Intensivkurs Russisch am Landesspracheninstitut
(LSI) der RUB. Er ist Teil des 18-monatigen Basistrainings
der European Space Agency (ESA) zur Vorbereitung auf künftige
Raumflüge zur Internationalen Raumstation ISS.
Das Sprachtraining besteht aus drei intensiven vierwöchigen
Abschnitten. Im Oktober sowie ab Ende November erlern(t)en
die sechs zunächst grundlegende Russischkenntnisse
am LSI in Bochum. Im Februar 2010 folgt ein Aufenthalt
in St. Petersburg, der Hörverständnis und Sprechfertigkeiten
weiter verbessern soll. Zwischen den Studienabschnitten
bietet das LSI Lerneinheiten per Videokonferenz an, um
das eigenständige Weiterlernen zu unterstützen.
Ziel des Kurses sind Sprachfähigkeiten vergleichbar
mit dem internationalen B2-Niveau des Gemeinsamen Europäischen
Referenzrahmens für Sprachen.
Acht Stunden täglich
Um dieses hohe Niveau in so kurzer Zeit zu erreichen,
haben die Astronauten sechs Stunden Unterricht pro Tag,
plus mindestens zwei Stunden eigenständiges Lernen.
„Vermutlich wird das nicht immer ausreichen, wir
haben ein wirklich anspruchsvolles Programm zusammengestellt“,
erklärt der Leiter des LSI, Dr. Jochen Pleines.
Um den unterschiedlichen Vorkenntnissen der Teilnehmer
gerecht zu werden, ist der Kurs in zwei Gruppen eingeteilt:
Die Italienerin Samantha Cristoforetti verfügt
nach einen Studienaufenthalt in Moskau bereits über
fundierte Russischkenntnisse. Sie wird am LSI allein
von zwei Muttersprachlern unterrichtet. Ihre männlichen
Kollegen Alexander Gerst (Deutschland), Andreas Mogensen
(Dänemark), Luca Parmitano (Italien), Timothy Peake
(Großbritannien) und Thomas Pesquet (Frankreich)
arbeiten mit einem deutschen Dozenten und einem Muttersprachler
zusammen. Nach dem offiziellen Unterricht stehen für
alle Astronauten russische Muttersprachler bereit, die
sie bei einem umfangreichen Freizeitprogramm begleiten
und dabei das Sprach- und Hörverständnis trainieren.
Das Vermitteln von praktisch einsetzbaren Sprachfertigkeiten
(vor allem in Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch)
in einem möglichst kurzen Zeitraum ist seit über
30 Jahren die Kernkompetenz des LSI. Dazu gehört
ein expliziter Bezug zur kulturellen, politischen, wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Realität der Zielgesellschaft.
Eike
Strunk
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