Fitter geht’s nicht
Spin-Off
der RUB erstellt einzigartige, wissenschaftsbasierte
Trainingspläne online
Vielleicht kennen Sie das: Der Typ am Gerät neben
Ihnen hat vom Trainer den gleichen Trainingsplan bekommen
wie Sie – aber warum bloß hat der Nachbar
im Fitnessstudio sichtbar mehr Erfolg mit seinen Übungen?
Das ist kein Wunder, meinen Jörn Menger und Daniel
Ewald, Chefs von traiwi, einem frisch gegründeten
Spin-Off der RUB. Der gleiche Trainingsplan kann nicht
immer zum gleichen Erfolg führen, denn jeder Sportler
hat eine andere Leistungs- und Anpassungsfähigkeit.
Normale Trainingspläne berücksichtigen das bisher
nicht. Darum treten Menger und Ewald mit ihrer Internetplattform
traiwi.de in eine Marktlücke ein, die sie vor allem
mit wissenschaftlichem Knowhow füllen wollen.
Mit Kreativzirkeln fing alles an. Schon früh im Studium
trafen Jörn Menger und Daniel Ewald sich im kleinen
Kreis, um über Ideen und Zukunftsstrategien zu grübeln.
„In unserem Studium der Sportwissenschaften gab
es so viele Aspekte und Themenfelder. Wir wollten einfach
wissen, wo wir am Ende mal hingehen”, erzählt
Menger. Nur dass es was Eigenes sein sollte, das war von
Anfang an klar. Die zündende Idee kam – wie
so häufig – als die beiden gar nicht direkt
danach suchten. Jörn Menger hielt im Internet Ausschau
nach einem Plan für sein privates Training. „
Aber die Pläne, die man sich dort zusammenbauen kann,
reichen für das Training eines Sportwissenschaftlers
nicht aus. Ich brauchte ein richtiges Trainingskonzept.”
So entstand die Geschäftsidee für die Internetplattform
traiwi.de – eine Abkürzung für Trainingswissenschaft.
Mit Hilfe der rubitec (Gesellschaft für Innovation
und Technologie der RUB), die den beiden einen ersten
Überblick über die Unterstützungsmöglichkeiten
für Neugründer gab, bewarben sie sich erfolgreich
um ein EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.
Langfristiger Erfolg gesucht
Doch warum sollte man sich einen internetgestützten
Trainingsplan suchen, wenn der Trainer im Fitnessstudio
einem doch sagt, was zu tun ist – wie oft man
eine Übung wiederholen oder wie viel Zeit man für
eine Trainingseinheit verwenden sollte? „Im Fitnessstudio
bekommt der Kunde einen vorgefertigten, kaum individuellen
Trainingsplan, der nur ein paar Monate gilt und anschließend
ohne Pause einfach wiederholt wird. Unsere Software
denkt aber langfristig”, erklärt Menger.
Wer sich bei traiwi.de einloggt, bekommt anhand seiner
Angaben einen ersten gerätegestützten Trainingsplan.
Den muss der Kunde einmal durchtrainieren und dann angeben,
wie oft er z. B. eine Übung wiederholen oder wie
viele Kilos er bewegen konnte. Mit diesen Informationen
berechnet traiwi.de die individuelle Leistungsfähigkeit
– und erstellt das optimale Programm für
den Kunden. Der kann sein Training dann online dokumentieren.
So bekommt er nicht nur eine Statistik, die ihm seinen
Trainingserfolg anzeigt. Zugleich kann die Software
regelmäßig den Leistungsstand überprüfen
und den Trainingsplan entsprechend anpassen.
Doch da ist ja noch die zweite Silbe im Firmennamen
– wi für Wissenschaft. „Beim Erstellen
eines Trainingsplans kommt die wissenschaftliche Seite
viel zu kurz. Keiner fragt sich dabei bisher, warum
und wie Muskeln auf die verschiedenen Trainingsreize
reagieren und welche Auswirkungen das auf den Erfolg
haben kann. Da muss man bis auf die Zellebene der Muskeln
gehen, und genau das tun wir. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal”,
freut sich Jörn Menger.
Warum die Wissenschaft hier eine Rolle spielt, zeigt
ein Beispiel: Beim Kraftausdauertraining macht ein Sportler
am Gerät langsame Bewegungen gegen niedrige und
mittlere Widerstände. Für die Muskelfasern
in unserem Körper, die für diese langsamen
Bewegungen zuständig sind, ist das ein Routinejob.
Die Muskelfasern aber, die normalerweise für die
Schnellkraft verantwortlich und damit auf kurze Belastungszeiten
ausgerichtet sind, kommen langfristig in arge Bedrängnis.
Einfach gesagt: Ihnen fehlt die Ausdauer. Wer seine
Muskeln auf Dauer einseitig belastet, wird diesen Effekt
merken, denn die Muskeln werden insgesamt langsamer.
Das ist kein unabwendbares Schicksal, auf die Mischung
kommt es an. Die Muskeln müssen beim Training in
bestimmten Zyklen unterschiedlich belastet werden. So
kann die Schnellkraft erhalten werden. Die klassischen
Trainingspläne im Fitnessstudio sehen das aber
nicht vor – traiwi schon.
Export nach England
Doch egal wie ausgeklügelt das System auch ist:
ohne Trainingsdisziplin kein Erfolg. Wem das Durchhalten
schwerfällt, der greift am besten auf den traiwi-Motivationscoach
zurück. Das ist glücklicherweise keine Computerstimme,
die dem Sportler im Bootcamp-Ton Feuer unterm Sportgerät
macht. Stattdessen kann man einen guten Freund per E-Mail
zum Coach ernennen, der auf der Profilseite des motivationsbedürftigen
Sportlers aufmunternde und anspornende Nachrichten hinterlassen
darf.
Mehrere tausend Kunden wollen die Jung-Unternehmer Jörn
Menger und Daniel Ewald in ihrem ersten Geschäftsjahr
gewinnen – wohl ein realistisches Ziel, wenn man
sich mal die Fakten ansieht: 5,25 Millionen Mitglieder
hatten die deutschen Sportstudios im Jahr 2007, Tendenz
steigend, so die Zahlen des Deutschen Sportstudio Verbandes.
Der traiwi-Markt wächst. Da liegt es nahe, das
System nicht nur dem einzelnen Sportler online anzubieten,
sondern es per Lizenz gleich an die Fitnessstudios selbst
zu vermarkten. Im Hinterkopf denken die beiden Sportwissenschaftler
sogar noch weiter: In ein bis zwei Jahren soll die Internetplattform
auch auf Englisch starten und Großbritannien erobern.
Und dann sollen Pläne für Ernährung und
Ausdauertraining das Angebot komplett machen.
Infos: http://www.traiwi.de
Sarah
Ziegler
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