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RUBENS 137

1. November 2009


Fitter geht’s nicht

Spin-Off der RUB erstellt einzigartige, wissenschaftsbasierte Trainingspläne online



Vielleicht kennen Sie das: Der Typ am Gerät neben Ihnen hat vom Trainer den gleichen Trainingsplan bekommen wie Sie – aber warum bloß hat der Nachbar im Fitnessstudio sichtbar mehr Erfolg mit seinen Übungen? Das ist kein Wunder, meinen Jörn Menger und Daniel Ewald, Chefs von traiwi, einem frisch gegründeten Spin-Off der RUB. Der gleiche Trainingsplan kann nicht immer zum gleichen Erfolg führen, denn jeder Sportler hat eine andere Leistungs- und Anpassungsfähigkeit. Normale Trainingspläne berücksichtigen das bisher nicht. Darum treten Menger und Ewald mit ihrer Internetplattform traiwi.de in eine Marktlücke ein, die sie vor allem mit wissenschaftlichem Knowhow füllen wollen.


Mit Kreativzirkeln fing alles an. Schon früh im Studium trafen Jörn Menger und Daniel Ewald sich im kleinen Kreis, um über Ideen und Zukunftsstrategien zu grübeln. „In unserem Studium der Sportwissenschaften gab es so viele Aspekte und Themenfelder. Wir wollten einfach wissen, wo wir am Ende mal hingehen”, erzählt Menger. Nur dass es was Eigenes sein sollte, das war von Anfang an klar. Die zündende Idee kam – wie so häufig – als die beiden gar nicht direkt danach suchten. Jörn Menger hielt im Internet Ausschau nach einem Plan für sein privates Training. „ Aber die Pläne, die man sich dort zusammenbauen kann, reichen für das Training eines Sportwissenschaftlers nicht aus. Ich brauchte ein richtiges Trainingskonzept.”
So entstand die Geschäftsidee für die Internetplattform traiwi.de – eine Abkürzung für Trainingswissenschaft. Mit Hilfe der rubitec (Gesellschaft für Innovation und Technologie der RUB), die den beiden einen ersten Überblick über die Unterstützungsmöglichkeiten für Neugründer gab, bewarben sie sich erfolgreich um ein EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.

Langfristiger Erfolg gesucht

Doch warum sollte man sich einen internetgestützten Trainingsplan suchen, wenn der Trainer im Fitnessstudio einem doch sagt, was zu tun ist – wie oft man eine Übung wiederholen oder wie viel Zeit man für eine Trainingseinheit verwenden sollte? „Im Fitnessstudio bekommt der Kunde einen vorgefertigten, kaum individuellen Trainingsplan, der nur ein paar Monate gilt und anschließend ohne Pause einfach wiederholt wird. Unsere Software denkt aber langfristig”, erklärt Menger.
Wer sich bei traiwi.de einloggt, bekommt anhand seiner Angaben einen ersten gerätegestützten Trainingsplan. Den muss der Kunde einmal durchtrainieren und dann angeben, wie oft er z. B. eine Übung wiederholen oder wie viele Kilos er bewegen konnte. Mit diesen Informationen berechnet traiwi.de die individuelle Leistungsfähigkeit – und erstellt das optimale Programm für den Kunden. Der kann sein Training dann online dokumentieren. So bekommt er nicht nur eine Statistik, die ihm seinen Trainingserfolg anzeigt. Zugleich kann die Software regelmäßig den Leistungsstand überprüfen und den Trainingsplan entsprechend anpassen.
Doch da ist ja noch die zweite Silbe im Firmennamen – wi für Wissenschaft. „Beim Erstellen eines Trainingsplans kommt die wissenschaftliche Seite viel zu kurz. Keiner fragt sich dabei bisher, warum und wie Muskeln auf die verschiedenen Trainingsreize reagieren und welche Auswirkungen das auf den Erfolg haben kann. Da muss man bis auf die Zellebene der Muskeln gehen, und genau das tun wir. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal”, freut sich Jörn Menger.
Warum die Wissenschaft hier eine Rolle spielt, zeigt ein Beispiel: Beim Kraftausdauertraining macht ein Sportler am Gerät langsame Bewegungen gegen niedrige und mittlere Widerstände. Für die Muskelfasern in unserem Körper, die für diese langsamen Bewegungen zuständig sind, ist das ein Routinejob. Die Muskelfasern aber, die normalerweise für die Schnellkraft verantwortlich und damit auf kurze Belastungszeiten ausgerichtet sind, kommen langfristig in arge Bedrängnis. Einfach gesagt: Ihnen fehlt die Ausdauer. Wer seine Muskeln auf Dauer einseitig belastet, wird diesen Effekt merken, denn die Muskeln werden insgesamt langsamer. Das ist kein unabwendbares Schicksal, auf die Mischung kommt es an. Die Muskeln müssen beim Training in bestimmten Zyklen unterschiedlich belastet werden. So kann die Schnellkraft erhalten werden. Die klassischen Trainingspläne im Fitnessstudio sehen das aber nicht vor – traiwi schon.

Export nach England

Doch egal wie ausgeklügelt das System auch ist: ohne Trainingsdisziplin kein Erfolg. Wem das Durchhalten schwerfällt, der greift am besten auf den traiwi-Motivationscoach zurück. Das ist glücklicherweise keine Computerstimme, die dem Sportler im Bootcamp-Ton Feuer unterm Sportgerät macht. Stattdessen kann man einen guten Freund per E-Mail zum Coach ernennen, der auf der Profilseite des motivationsbedürftigen Sportlers aufmunternde und anspornende Nachrichten hinterlassen darf.
Mehrere tausend Kunden wollen die Jung-Unternehmer Jörn Menger und Daniel Ewald in ihrem ersten Geschäftsjahr gewinnen – wohl ein realistisches Ziel, wenn man sich mal die Fakten ansieht: 5,25 Millionen Mitglieder hatten die deutschen Sportstudios im Jahr 2007, Tendenz steigend, so die Zahlen des Deutschen Sportstudio Verbandes. Der traiwi-Markt wächst. Da liegt es nahe, das System nicht nur dem einzelnen Sportler online anzubieten, sondern es per Lizenz gleich an die Fitnessstudios selbst zu vermarkten. Im Hinterkopf denken die beiden Sportwissenschaftler sogar noch weiter: In ein bis zwei Jahren soll die Internetplattform auch auf Englisch starten und Großbritannien erobern. Und dann sollen Pläne für Ernährung und Ausdauertraining das Angebot komplett machen.
Infos: http://www.traiwi.de

Sarah Ziegler
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Letzte Änderung: 30.10.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik