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RUBENS 136

1. Oktober 2009

Finden durch Farbe


Serie Campus & Kunst



Mit der Kunst ist das so eine Sache. Manchmal verursacht sie einen Skandal, manchmal nur Desinteresse. Das gilt zum Teil auch für die Kunst an der RUB. Diese Serie will zeigen, dass die Werke auf dem Campus einen fantastischen Querschnitt durch die Kunstrichtungen der 60er- und 70er-Jahre bieten. Diesmal widmen wir uns bunten Orientierungshilfen in NB.


„Hunderte von wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern und tausende von Studenten [...] werden einer geradezu kafkaesken Betonumwelt seit Jahren ausgeliefert, [...]”. So lautet der Auszug eines Schreibens aus dem Jahre 1979 an den damaligen Kanzler der RUB, in dem ein Professor den inneren Zustand der Gebäude kritisierte. Ähnliche Kritik hatte bereits in den Jahren zuvor dafür gesorgt, dass man sich über eine farbliche Gestaltung der Fassaden und ein äußeres Orientierungssystem Gedanken machte. Im Zuge dieser farblichen Neugestaltung entschied man sich schließlich, auch im Innern der Institutsgebäude Ähnliches zu versuchen.
Dabei sollte eine bestimmte Zielsetzung verfolgt werden. Vor allem den langen Fluren fehlte fast jede Sichtbeziehung nach außen; sie wirkten daher besonders dunkel und trist. Zudem erschwerte sich zusätzlich die Orientierung innerhalb des Gebäudes. Durch die geplante Farbgestaltung erhoffte man sich nicht nur ein freundlicheres Erscheinungsbild, sondern auch eine optische Längenreduzierung und verbesserte Orientierung.
1979 beauftragte man den Künstler Henryk Dywan – von dem bereits das Ziegelrelief an der UB-Nordseite und der Schriftzug RUHR-UNIVERSITÄT an der Parkhausausfahrt stammten – gemeinsam mit dem Staatshochbauamt Entwürfe auszuarbeiten. Dabei sollte im Inneren der Gebäude auf die Verwendung der Bereichsfarben, Naturwissenschaften = grün usw., verzichtet und jedes einzelne Gebäude mit einem eigenen Farbton versehen werden. Vom Forum ausgehend entständ so, beispielsweise im Innern der Einzelbauten des N-Bereichs, ein Wechsel der Grundfarben von Rot für NA über Gelb und Grün bis nach Blau für ND. Dadurch sollte für die Nutzer vor allem eine bessere horizontale Orientierung möglich werden. An den Wänden der Flure waren als gestalterisches Mittel bis zu vier horizontale Bänder in einem intensiveren Grundfarbton vorgesehen, um die jeweilige Ebene unterhalb des Erdgeschosses kenntlich zu machen und somit auch eine vertikale Orientierung zu gewährleisten.

Aus Geldmangel gestoppt

Um die Länge der Flure optisch zu unterteilen, wurden in gewissen Abständen große Motive angeordnet, die individuelle Identität schaffen und somit als zusätzliche Orientierungspunkte dienen sollten. Wer sich heute von der Wirkung dieser Gestaltung ein Bild machen möchte, hat im NB-Gebäude auf Ebene 04 immer noch Gelegenheit dazu. Denn hier wurde bereits im Oktober 1979 als erster Testversuch eine komplette Fachbereichsebene fertiggestellt. Dem Betrachter fällt sofort die Typographie der Schriftzüge ins Auge, die auf Ausgänge, Aufzüge und andere Gebäudeteile hinweisen. Es handelt sich um eine sog. Stencil-Schrift, die in erster Linie von Transportkisten und Militärfahrzeugen bekannt sein dürfte und sich durch ihre Schablonenhaftigkeit auszeichnet. Nicht zuletzt wird sie auch immer wieder mit dem Architekten Le Corbusier assoziiert, der die Schrift in seinen Architekturzeichnungen und Plänen verwendete.
Für 1981 war vorgesehen, alle Flachbereiche, das bedeutete alle 0-Ebenen, nach dem entwickelten Farbkonzept umzugestalten. Jedoch konnten die Arbeiten aufgrund einer Kürzung der Haushaltsmittel seitens des Ministeriums nicht weiter ausgeführt werden. Heute finden sich an unterschiedlichen Orten der Uni immer wieder einzelne Flurstücke, die diese Farbgestaltung in abgewandelter Form aufgreifen. Doch bleibt NB 04 ein einzigartiges Beispiel für die in den 70er-Jahren populär gewordenen inneren Farbgestaltungen, besonders im Bereich der öffentlichen Bauten.

Alexandra Apfelbaum
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Letzte Änderung: 30.9.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik