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RUBENS 136

1. Oktober 2009

Gut vorgegriffen


BMBF-Programm fördert drei Professorinnen an der RUB



Seit 1995 hat sich der Frauenanteil unter den Professuren an deutschen Unis auf einen neuen Höchststand gesteigert – und ist mit 15 Prozent trotzdem bei weitem nicht ausgeglichen. Um die Gleichstellungsaktivitäten zu stärken, hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) im März ein Programm gestartet, das die Anteile von Frauen in Spitzenfunktionen der Forschung steigern soll. Davon profitiert auch die RUB.


„Den Hochschulen gehen wertvolle Potenziale verloren, wenn sie es nicht schaffen, hoch qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen langfristige Perspektiven zu eröffnen. Das Professorinnen-Programm unterstützt Hochschulen, die hier aktiv werden“, erklärt Ministerin Annette Schavan. Zusammen mit den Ländern stellt das BMBF 150 Mio. Euro zur Verfügung, um in den kommenden fünf Jahren 200 neue Stellen für Professorinnen zu schaffen. Unis erhalten so die Möglichkeit, bis zu drei Berufungen von Frauen auf unbefristete W2- und W3-Professuren auszusprechen und diese für fünf Jahre zu finanzieren. Pro Berufung und Jahr beträgt die Fördersumme bis zu 150.000 Euro, die zur Hälfte vom BMBF und vom jeweiligen Bundesland getragen werden.
Das Besondere an dem Programm: Die Förderung setzt ein positives Gleichstellungskonzept der Hochschulen voraus. Die Begutachtung erfolgt durch ein unabhängiges Expertengremium, zusammengesetzt aus Vertretern aus Wissenschaft, Forschung und Hochschulmanagement. „Damit wird das Programm zu einem nachhaltigen Instrument für mehr Chancengerechtigkeit für Frauen in Forschung und Lehre sowie zur dauerhaften Förderung von Spitzenwissenschaftlerinnen“, so Schavan.

RUB mit maximaler Förderung

Die RUB hat mit ihrem Gleichstellungskonzept überzeugt, das BMBF bewilligte drei Anträge. „Die maximale Förderung ist eine Auszeichnung für uns“, bestätigt die Gleichstellungsbeauftrage Dr. Masha Gerding. Es handelt sich um sog. Vorgriffs-Professuren – Stellen, die erst in den kommenden Jahren frei werden, durch die Förderung solange aber doppelt besetzt werden können. Seit April hat Prof. Dr. Danja Schünemann die Professur für Molekularbiologie pflanzlicher Organellen (Fakultät für Biologie und Biotechnologie) inne, nachdem sie zuvor bereits eine Juniorprofessur für Pflanzliche Zell- und Entwicklungsgenetik hatte (2003 bis März 2009). Seit April 2007 ist sie zudem kommissarische Leiterin des Lehrstuhls für Pflanzenphysiologie von Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. Schünemann untersucht u.a. die Mechanismen des Proteintransports von kern- und plastidenkodierten Proteinen zur oder über die Thylakoidmembran in Chloroplasten.
Zwei Monate nach Schünemann wurde Prof. Dr. Ines Härtel auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Europa-, Agrar- und Umweltrecht (Juristische Fakultät) berufen. Die Juristin, die von der Uni Göttingen kam, ist wie die anderen Geförderten, vom Programm überzeugt: „Eine Wissensgesellschaft ist darauf angewiesen, alle Potenziale so weit wie möglich auszuschöpfen. Auch deshalb ergibt sich die Notwendigkeit einer Frauenförderung.” An ihrem neuen Arbeitsplatz beschäftigt sich Ines Härtel vorrangig mit Klimaschutzrecht und Klimawandelfolgenrecht. Hinzu kommt ein aktuelles Forschungsprojekt im Öffentlichen Recht, bei dem sie als Herausgeberin des „Handbuch Föderalismus” fungiert. Zudem ist Prof. Härtel in der deutschen Unilandschaft die einzige Rechtswissenschaftlerin, die den Bereich Agrarrecht vertritt.
Schließlich wurde zum 1. Juli Prof. Dr. Nathalie Behnke von der Fern-Uni Hagen auf den Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung (Fakultät für Sozialwissenschaft) berufen. Dort beschäftigt sie sich vor allem mit Verhandlungsdynamiken in Verfassungsreformen und mit dem Föderalismus als Instrument zur Stabilisierung multinationaler Staaten. Behnke sieht neben der Frauenförderung noch einen weiteren Vorteil des BMBF-Programms, wenn bald die doppelten Abitur-Jahrgänge an die Unis kommen. „Durch die fünfjährige Förderungszeit ist das Programm auch ein Mittel, dies zu bewältigen.”

Eike Strunk
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Letzte Änderung: 30.9.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik