Gut vorgegriffen
BMBF-Programm fördert drei Professorinnen an der
RUB
Seit 1995 hat sich der Frauenanteil unter den Professuren
an deutschen Unis auf einen neuen Höchststand gesteigert
– und ist mit 15 Prozent trotzdem bei weitem nicht
ausgeglichen. Um die Gleichstellungsaktivitäten zu
stärken, hat das Bundesforschungsministerium (BMBF)
im März ein Programm gestartet, das die Anteile von
Frauen in Spitzenfunktionen der Forschung steigern soll.
Davon profitiert auch die RUB.
„Den Hochschulen gehen wertvolle Potenziale verloren,
wenn sie es nicht schaffen, hoch qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen
langfristige Perspektiven zu eröffnen. Das Professorinnen-Programm
unterstützt Hochschulen, die hier aktiv werden“,
erklärt Ministerin Annette Schavan. Zusammen mit
den Ländern stellt das BMBF 150 Mio. Euro zur Verfügung,
um in den kommenden fünf Jahren 200 neue Stellen
für Professorinnen zu schaffen. Unis erhalten so
die Möglichkeit, bis zu drei Berufungen von Frauen
auf unbefristete W2- und W3-Professuren auszusprechen
und diese für fünf Jahre zu finanzieren. Pro
Berufung und Jahr beträgt die Fördersumme bis
zu 150.000 Euro, die zur Hälfte vom BMBF und vom
jeweiligen Bundesland getragen werden.
Das Besondere an dem Programm: Die Förderung setzt
ein positives Gleichstellungskonzept der Hochschulen voraus.
Die Begutachtung erfolgt durch ein unabhängiges Expertengremium,
zusammengesetzt aus Vertretern aus Wissenschaft, Forschung
und Hochschulmanagement. „Damit wird das Programm
zu einem nachhaltigen Instrument für mehr Chancengerechtigkeit
für Frauen in Forschung und Lehre sowie zur dauerhaften
Förderung von Spitzenwissenschaftlerinnen“,
so Schavan.
RUB mit maximaler Förderung
Die RUB hat mit ihrem Gleichstellungskonzept überzeugt,
das BMBF bewilligte drei Anträge. „Die maximale
Förderung ist eine Auszeichnung für uns“,
bestätigt die Gleichstellungsbeauftrage Dr. Masha
Gerding. Es handelt sich um sog. Vorgriffs-Professuren
– Stellen, die erst in den kommenden Jahren frei
werden, durch die Förderung solange aber doppelt
besetzt werden können. Seit April hat Prof. Dr.
Danja Schünemann die Professur für Molekularbiologie
pflanzlicher Organellen (Fakultät für Biologie
und Biotechnologie) inne, nachdem sie zuvor bereits
eine Juniorprofessur für Pflanzliche Zell- und
Entwicklungsgenetik hatte (2003 bis März 2009).
Seit April 2007 ist sie zudem kommissarische Leiterin
des Lehrstuhls für Pflanzenphysiologie von Rektor
Prof. Dr. Elmar Weiler. Schünemann untersucht u.a.
die Mechanismen des Proteintransports von kern- und
plastidenkodierten Proteinen zur oder über die
Thylakoidmembran in Chloroplasten.
Zwei Monate nach Schünemann wurde Prof. Dr. Ines
Härtel auf den Lehrstuhl für Öffentliches
Recht, Verwaltungs-, Europa-, Agrar- und Umweltrecht
(Juristische Fakultät) berufen. Die Juristin, die
von der Uni Göttingen kam, ist wie die anderen
Geförderten, vom Programm überzeugt: „Eine
Wissensgesellschaft ist darauf angewiesen, alle Potenziale
so weit wie möglich auszuschöpfen. Auch deshalb
ergibt sich die Notwendigkeit einer Frauenförderung.”
An ihrem neuen Arbeitsplatz beschäftigt sich Ines
Härtel vorrangig mit Klimaschutzrecht und Klimawandelfolgenrecht.
Hinzu kommt ein aktuelles Forschungsprojekt im Öffentlichen
Recht, bei dem sie als Herausgeberin des „Handbuch
Föderalismus” fungiert. Zudem ist Prof. Härtel
in der deutschen Unilandschaft die einzige Rechtswissenschaftlerin,
die den Bereich Agrarrecht vertritt.
Schließlich wurde zum 1. Juli Prof. Dr. Nathalie
Behnke von der Fern-Uni Hagen auf den Lehrstuhl für
Empirische Sozialforschung (Fakultät für Sozialwissenschaft)
berufen. Dort beschäftigt sie sich vor allem mit
Verhandlungsdynamiken in Verfassungsreformen und mit
dem Föderalismus als Instrument zur Stabilisierung
multinationaler Staaten. Behnke sieht neben der Frauenförderung
noch einen weiteren Vorteil des BMBF-Programms, wenn
bald die doppelten Abitur-Jahrgänge an die Unis
kommen. „Durch die fünfjährige Förderungszeit
ist das Programm auch ein Mittel, dies zu bewältigen.”
Eike
Strunk
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