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RUBENS 136

1. Oktober 2009

Sexistische Partyplakate


EU-Projekt zu sexueller Viktimisierung von Studentinnen



Unerwünschte Anrufe oder E-Mails des abgewiesenen Verehrers. Befürchtete oder tatsächliche Übergriffe im dunklen Parkhaus. Oder das Plakat mit der (halb-)nackten Frau, mit dem eine Fachschaft für ihre Party wirbt. Studentinnen werden, wie alle Frauen, auf vielfältige Weise aufgrund ihres Geschlechts zu Opfern. Das ganze Ausmaß sexueller Viktimisierung soll ein mit rund 1,1 Mio. Euro gefördertes EU-Projekt ermitteln: „Gender-Based Violence, Stalking and Fear of Crime”. Die Leitung und Projektkoordination hat der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni übernommen. Außer Juristen/innen arbeiten Sozialwissenschaftler/innen und Mediziner/innen an dem transdisziplinären, dreijährigen Projekt mit.


Im Vordergrund des seit Januar 2009 laufenden Projekts mit fünf europäischen Partnern steht zunächst die Erhebung von Daten mit Hilfe eines Online-Fragebogens: An den Hochschulen in Deutschland, England, Italien, Polen und Spanien werden jeweils alle Studentinnen zu Themen wie unerwünschte Anmache, sexuelle Belästigung und tätlichen Übergriffen befragt. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen im Rahmen des Studiums, da es hierzu noch keine aussagekräftigen Studien gibt, weder zu den Erlebnissen der Studentinnen, noch zu deren physischen und psychischen Folgen sowie zu den Auswirkungen auf Studienverlauf und Erfolg. Es soll die Hypothese überprüft werden, ob Studentinnen tatsächlich aufgrund ihres Alters und Lebensstils eine Gruppe mit erhöhtem Risiko unter den potentiellen Opfern sexualisierter Gewalt sind.

Vollerhebung im WS

An der Ruhr-Uni startet die Befragung im WS 09/10. „Alle Studentinnen werden per Brief und E-Mail gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen. „Das dauert ungefähr 20 Minuten”, erklärt Katrin List, Wissenschaftliche Koordinatorin des Bochumer Projektteams. „Die Umfrage wird später durch Focus-Group- und Einzel-Interviews angereichert. Wer hier mitmachen möchte, kann das im Online-Fragebogen kenntlich machen”, ergänzt Lists Kollegin Dr. Rosa Schneider. Die Daten werden anonym erhoben, ein Rückschluss auf die Person ist nicht möglich.
Mit dem Projekt verfolgen die EU und die beteiligten Wissenschaftler/innen verschiedene Ziele: Zunächst geht es darum, anhand der Erhebung transnational vergleichbarer Daten das Bewusstsein für das Thema sexuelle Gewalt in seiner ganzen Bandbreite und zum Hilfebedarf zu schärfen. Im Anschluss sollen europaweit präventive Programme entwickelt werden, um die Viktimisierung von Studentinnen zu reduzieren. Solche Maßnahmen werden auch direkt an der RUB umgesetzt. Deshalb arbeitet das Projektteam eng mit den relevanten Einrichtungen der RUB zusammen. Dazu gehören die Studienberatung, die Gleichstellungsbeauftragte sowie der 2008 gegründete Arbeitskreis „Faires Verhalten am Arbeits- und Studienplatz”.

Präventionsprogramme

„Mit unseren Ergebnissen können wir dazu beitragen, Richtlinien und Maßnahmen mit konkreten und fundierten Empfehlungen zu unterstützen”, erläutert Katrin List. So wird im Fragebogen nach der Zufriedenheit mit den bisherigen Angeboten gefragt bzw. wie diese ggf. noch verbessert oder erweitert werden können. „Die Ergebnisse aus der Umfrage sollen möglichst schnell in geeignete Hilfsangebote umgesetzt werden”, hofft die Projektkoordinatorin. Denn bereits für Ende 2010 plant das Projektteam eine erneute Umfrage, um den Erfolg der bis dahin verwirklichten Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu überprüfen. 2011 werden die Ergebnisse der fünf Hochschulen auf einer internationalen Konferenz vorgestellt.

Online-Befragung
„Wie sicher fühlen Sie sich an folgenden Orten an der RUB” lautet eine der Fragen im Online-Fragebogen. Aufgezählt werden u.a. Hörsaal, Bibliothek, Büro, Toilette oder Parkhaus. Erfragt wird auch die Einschätzung von sich selbst und die Beziehungen zu anderen im universitären Umfeld, z.B.: „Die Party-Plakate mit (halb-)nackten Frauen stören mich”; „Im Allgemeinen fühle ich mich mit der sozialen Atmosphäre hier an der Universität wohl” oder „Ich fühle mich von meinen männlichen Kommilitonen mit Respekt behandelt”. Etwa 20 Minuten dauert das Ausfüllen des Fragebogens, zu dem alle Studentinnen der RUB per Brief und per E-Mail aufgerufen werden. Um möglichst repräsentative Daten zu bekommen, bitten Katrin List und Rosa Schneider alle Studentinnen, sich diese 20 Minuten Zeit zu nehmen.
Infos: http://www.gendercrime.eu

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Letzte Änderung: 30.9.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik