Sexistische Partyplakate
EU-Projekt zu sexueller Viktimisierung von Studentinnen
Unerwünschte Anrufe oder E-Mails des abgewiesenen
Verehrers. Befürchtete oder tatsächliche Übergriffe
im dunklen Parkhaus. Oder das Plakat mit der (halb-)nackten
Frau, mit dem eine Fachschaft für ihre Party wirbt.
Studentinnen werden, wie alle Frauen, auf vielfältige
Weise aufgrund ihres Geschlechts zu Opfern. Das ganze
Ausmaß sexueller Viktimisierung soll ein mit rund
1,1 Mio. Euro gefördertes EU-Projekt ermitteln: „Gender-Based
Violence, Stalking and Fear of Crime”. Die Leitung
und Projektkoordination hat der Lehrstuhl für Kriminologie,
Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni übernommen.
Außer Juristen/innen arbeiten Sozialwissenschaftler/innen
und Mediziner/innen an dem transdisziplinären, dreijährigen
Projekt mit.
Im Vordergrund des seit Januar 2009 laufenden Projekts
mit fünf europäischen Partnern steht zunächst
die Erhebung von Daten mit Hilfe eines Online-Fragebogens:
An den Hochschulen in Deutschland, England, Italien, Polen
und Spanien werden jeweils alle Studentinnen zu Themen
wie unerwünschte Anmache, sexuelle Belästigung
und tätlichen Übergriffen befragt. Im Mittelpunkt
stehen Erfahrungen im Rahmen des Studiums, da es hierzu
noch keine aussagekräftigen Studien gibt, weder zu
den Erlebnissen der Studentinnen, noch zu deren physischen
und psychischen Folgen sowie zu den Auswirkungen auf Studienverlauf
und Erfolg. Es soll die Hypothese überprüft
werden, ob Studentinnen tatsächlich aufgrund ihres
Alters und Lebensstils eine Gruppe mit erhöhtem Risiko
unter den potentiellen Opfern sexualisierter Gewalt sind.
Vollerhebung im WS
An der Ruhr-Uni startet die Befragung im WS 09/10.
„Alle Studentinnen werden per Brief und E-Mail
gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen. „Das
dauert ungefähr 20 Minuten”, erklärt
Katrin List, Wissenschaftliche Koordinatorin des Bochumer
Projektteams. „Die Umfrage wird später durch
Focus-Group- und Einzel-Interviews angereichert. Wer
hier mitmachen möchte, kann das im Online-Fragebogen
kenntlich machen”, ergänzt Lists Kollegin
Dr. Rosa Schneider. Die Daten werden anonym erhoben,
ein Rückschluss auf die Person ist nicht möglich.
Mit dem Projekt verfolgen die EU und die beteiligten
Wissenschaftler/innen verschiedene Ziele: Zunächst
geht es darum, anhand der Erhebung transnational vergleichbarer
Daten das Bewusstsein für das Thema sexuelle Gewalt
in seiner ganzen Bandbreite und zum Hilfebedarf zu schärfen.
Im Anschluss sollen europaweit präventive Programme
entwickelt werden, um die Viktimisierung von Studentinnen
zu reduzieren. Solche Maßnahmen werden auch direkt
an der RUB umgesetzt. Deshalb arbeitet das Projektteam
eng mit den relevanten Einrichtungen der RUB zusammen.
Dazu gehören die Studienberatung, die Gleichstellungsbeauftragte
sowie der 2008 gegründete Arbeitskreis „Faires
Verhalten am Arbeits- und Studienplatz”.
Präventionsprogramme
„Mit unseren Ergebnissen können wir dazu
beitragen, Richtlinien und Maßnahmen mit konkreten
und fundierten Empfehlungen zu unterstützen”,
erläutert Katrin List. So wird im Fragebogen nach
der Zufriedenheit mit den bisherigen Angeboten gefragt
bzw. wie diese ggf. noch verbessert oder erweitert werden
können. „Die Ergebnisse aus der Umfrage sollen
möglichst schnell in geeignete Hilfsangebote umgesetzt
werden”, hofft die Projektkoordinatorin. Denn
bereits für Ende 2010 plant das Projektteam eine
erneute Umfrage, um den Erfolg der bis dahin verwirklichten
Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu
überprüfen. 2011 werden die Ergebnisse der
fünf Hochschulen auf einer internationalen Konferenz
vorgestellt.
Online-Befragung
„Wie sicher fühlen Sie sich an folgenden
Orten an der RUB” lautet eine der Fragen im Online-Fragebogen.
Aufgezählt werden u.a. Hörsaal, Bibliothek,
Büro, Toilette oder Parkhaus. Erfragt wird auch
die Einschätzung von sich selbst und die Beziehungen
zu anderen im universitären Umfeld, z.B.: „Die
Party-Plakate mit (halb-)nackten Frauen stören
mich”; „Im Allgemeinen fühle ich mich
mit der sozialen Atmosphäre hier an der Universität
wohl” oder „Ich fühle mich von meinen
männlichen Kommilitonen mit Respekt behandelt”.
Etwa 20 Minuten dauert das Ausfüllen des Fragebogens,
zu dem alle Studentinnen der RUB per Brief und per E-Mail
aufgerufen werden. Um möglichst repräsentative
Daten zu bekommen, bitten Katrin List und Rosa Schneider
alle Studentinnen, sich diese 20 Minuten Zeit zu nehmen.
Infos: http://www.gendercrime.eu
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