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RUBENS 136

1. Oktober 2009

Das Schülerlabor wächst


Einzigartig: Geisteswissenschaftliches Experimentieren auf dem Campus



Als erste deutsche Hochschule gründet die Ruhr-Uni ein Schülerlabor für Geisteswissenschaften. Die Essener Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt die Einrichtung mit 100.000 Euro; das Rektorat verdoppelt die Summe nach dem „Matching Fund“-Prinzip. Alle zehn geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten der RUB tragen das neue Schülerlabor: Evangelische bzw. Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Philologie, Jura sowie Wirtschafts-, Sozial-, Ostasien- und Sportwissenschaften. Sie bieten ab diesem Wintersemester Projekte für Schulklassen an, die das gesamte Spektrum geisteswissenschaftlicher Fächer und Forschung in Bochum abdecken.


Musils „Törleß“ hat ein Problem mit imaginären Zahlen, und so gehen Schülerinnen und Schüler eines Philosophie-Grundkurses aus Witten in verschiedenen Bibliotheken der RUB dem Phänomen dieser Zahlen auf den Grund. Im Alfried Krupp-Schülerlabor – sonst ein Ort für naturwissenschaftlich-technische Experimente – rauchen derweil die Köpfe über dem „verflixten Möbius-Band“: Lässt sich das in sich verdrehte Band auch zweidimensional darstellen? Gar nicht so leicht. Und nach einer Einführung in den goldenen Schnitt in der Kunst suchen die Schüler in der Fakultät für Psychologie nach Antworten auf die Frage, ob unser ästhetisches Empfinden angeboren oder anerzogen ist.

Bioethik, Utopie, Islam

Experimentieren, Entdecken, Erleben in den Geisteswissenschaften: Was mit 27 Zwölftklässlern im Frühjahr erfolgreich als Pilotprojekt der Philosophie begann, verstetigt sich nun an der RUB mit dem „Alfried Krupp-Schülerlabors für Geisteswissenschaften“, geleitet von Philosophie-Professor Helmut Pulte. Seine Idee der „Mathematischen Spurensuche“ in Philosophie, Kunst und Literatur mit den Wittener Schülern war ein Vorläufer und ist zugleich eines der ersten Projekte im neuen Schülerlabor. Derzeit laufen die Planungen für ein großes Projekt im Februar 2010 mit 100 Schülern aus Hattingen, die sich einen Tag lang mit der „Bioethik im Diskurs“ beschäftigen. Von embryonaler Stammzelle und Würde des Embryos bis hin zu Hirntod-Debatte und Sterbehilfe geht es um naturwissenschaftlich-medizinische, ethische, rechtliche und seelsorgerische Aspekte des menschlichen Lebens. Philosophen, Juristen und Biologen konzipieren das Projekt. Weitere geplante Themen sind „Utopisches Russland“ (Große Erwartungen und gescheiterte Visionen), die kulturübergreifenden Ursprünge des Islam sowie „Uns tut Deutschland gut“ – ein Projekt, in dem Schüler sich mit Theorien und Statistik in der sozialwissenschaftlichen Forschung befassen, forschungsorientierte Interviews mit Migranten konzipieren, erproben und die Ergebnisse auswerten. Auch dieses Projekt hat im vergangenen Semester erstmals stattgefunden.

In Zukunft eigene Räume

In der Startphase wird das Schülerlabor für Geisteswissenschaften die Infrastruktur des Alfried Krupp-Schülerlabors für Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der beteiligten Fakultäten nutzen. Mittelfristig ist geplant, eigene Räume zu beziehen, in denen mehrere Gruppen gleichzeitig arbeiten können. Bis zu 2.500 Schüler pro Jahr können dann die Möglichkeiten an der Uni nutzen und geisteswissenschaftliche Themen und Untersuchungsgegenstände kennenlernen, Entdeckungen und neue Lernerfahrungen machen. „Im Vergleich zum Schulunterricht geht es um eine andere, wissenschaftsnahe Form und ein anderes Erleben der Wissensgewinnung“, sagt Helmut Pulte. „Wir setzen darauf, dass die Beteiligung an der Forschung ansteckt, dass die Teilnahme an einem Projekt über den Tag hinaus wirkt. Ist die Neugier geweckt, spornt das zum Weitermachen an.“ So sollen die Angebote den Schulunterricht bereichern und zugleich dazu beitragen, noch mehr kluge Köpfe für ein entsprechendes Studium an der Ruhr-Uni zu gewinnen.
Die zahlreichen Bibliotheken, Archivbestände und Kunstsammlungen bieten beste Voraussetzungen, den Schülern den Umgang mit interessanten Originalen zu ermöglichen: mit Büchern, Urkunden, Handschriften, Bildern und Skulpturen. Aktuelle geisteswissenschaftliche Forschung nutzt zudem das Internet oder computergestützte Planspiele. Auch hierzu wird es Projekte geben. Darüber hinaus sind Kooperationen mit umliegenden Museen und Archiven geplant sowie mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die seit 2006 das bundesweit erste geisteswissenschaftliche Schülerlabor unterhält.
Das rund fünf Jahre alte naturwissenschaftlich-technische Schülerlabor der RUB besuchen jährlich mehr als 7.000 Schüler aus ganz NRW. Zusammen mit den avisierten Zahlen des geisteswissenschaftlichen Labors können in Zukunft etwa 10.000 Schüler pro Jahr auf dem Bochumer Campus die Faszination der Wissenschaft entdecken und erleben.

Info: http://www.rub.de/schuelerlabor

jw
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Letzte Änderung: 30.9.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik