Was macht eigentlich … Hanspeter Zoller?
… manchmal einen Webspaziergang
Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an
der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in
Forschung, Lehre, Kultur. Irgendwann sind sie aus dem
Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche
nach diesen Menschen gemacht. Diesmal hat Meike Drießen
Hanspeter Zoller gefunden. 37 Jahre lang stand er in
Diensten der RUB, von 1997 bis zu seiner Pensionierung
2004 war er Technischer Direktor des Rechenzentrums.
So ganz weg ist er aber bis heute nicht …
Herr Zoller, redet da jemand in Ihrer Jacke?
Ach ja, das ist meine Verabredung mit Ihnen! (zieht
ein Handy aus der Gürteltasche und schaltet den
Alarm aus)
Sie sind also immer noch ein Technikfan?
Och ja, doch schon …
Der Vorgänger als Vorbild
Kurz vor Ihrer Pensionierung haben ja manche
gemutmaßt, dass Sie sich schlecht vom Rechenzentrum
würden trennen können – ist Ihnen der
Abschied schwer gefallen?
Nicht eigentlich. Ich habe mir meinen Vorgänger,
Prof. Ehlich, zum Vorbild genommen. Der hatte zwar immer
noch sein Arbeitszimmer neben meinem und war oft im
RZ, aber er hat sich nie eingemischt. Schwer gefallen
ist es mir aber, zu Hause bei Problemen mit dem Laptop
zurechtzukommen – da war ich plötzlich alleine,
und keiner war da, der mir hätte helfen können,
wie das meine Mitarbeiter früher getan haben. Aber
Direktoriumssitzungen, Terminvereinbarungen, Budgetverhandlungen
– das alles ist eher mit einem Aufatmen von mir
abgefallen. Ich bin ja damals sogar ungefähr ein
Jahr eher gegangen, über die Altersteilzeitregelung.
Wenn Sie die IT-Landschaft heute mit dem
Abstand von fünf Jahren betrachten: Hat sich viel
verändert?
Ja natürlich, wir reden ja von der „rasanten
Informationstechnologie“! Was die da im Rechenzentrum
heute alles machen – einiges davon haben sie unter
meiner Leitung damals noch nicht gemacht! Die betreuen
Hunderte von über den Campus verstreuten Rechnern
zum Beispiel auf den vielen neuen CIP-Inseln …
Und bei so vielen Rechnern im RZ-Maschinensaal hat man
inzwischen wieder ein Klimaproblem, genau wie früher,
als wir für einige Zeit den schnellsten Hochleistungsrechner
der Welt hier hatten.
Und die Leute haben sehr viel Ahnung, es ist schon eine
andere Art Service, die da heute geleistet wird, das
ist schon beeindruckend. Ich habe mich zwar immer gebraucht
gefühlt, solange ich da war, aber zu sehen, dass
es nach meinem Weggang genauso gut bis besser weitergeht,
das freut mich!
Und wenn wir nochmal fünf Jahre weitergehen
– wie wird es dann wohl aussehen? Ob wir dann
noch ein Rechenzentrum haben?
Die Integration der Datenverarbeitungsprozesse wird
sicherlich weitergehen. Und es ist ja heute fast gleichgültig,
wo eine Rechenleistung erbracht wird. Aber dass es dazu
kommt, dass eine Uni gar kein Rechenzentrum mehr hat,
weil sie etwa an ein Regionalrechenzentrum angeschlossen
ist, das glaube ich nicht. Wenn Sie 24-Stunden-Betrieb
an sieben Wochentagen leisten sollen, dann brauchen
Sie auch ein leistungsfähiges Serviceteam vor Ort.
Früher gab es Rechenzentren, weil die Rechner so
teuer waren, heute, weil Klimatisierung, System- und
Netzadministration am besten zentral zu leisten sind.
Heute heißt es: „Du kannst Deinen Server
besser bei uns im RZ betreiben lassen, wo er professionell
gepflegt wird und störungsfrei läuft“.
Zu Fuß nur 20 Minuten
Mal abgesehen von der Informationstechnik:
Verfolgen Sie das Geschehen an der RUB noch regelmäßig
oder kommen manchmal vorbei? Sie haben es ja nicht weit
…
Ja, das sind zu Fuß nur 20 Minuten! Das Geschehen
an der RUB verfolge ich noch. Ich bekomme immer die
Rubens, und die vom RZ herausgegebene RUBbits, die gibt
es ja auch noch! Außerdem bin ich regelmäßig
vor Ort, ich organisiere Kurse in der CIP-Insel des
Rechenzentrums, da schule ich gelegentlich am Wochenende
Webmaster des evangelischen Forums Westfalen oder von
Kirchengemeinden im Content Management System Typo3.
Immer so fünf oder sechs Personen, die können
sich dann das Front- und das Backend je auf einem separaten
Rechner anschauen – es sind ja 20 Rechner da –,
das ist komfortabel. Und wenn die dann wieder zurück
zu Hause sind, und kommen mit etwas nicht weiter, dann
mache ich mit denen einen „Webspaziergang“:
Mit der Software Acrobat Connect Pro, zu der man über
das RZ eine Zugangsberechtigung im Rahmen der eLearning-Initiative
der RUB bekommt, können die von zu Hause aus meinen
Desktop sehen. Da sind immer alle fasziniert! Dann lege
ich mir mein schnurloses Telefon daneben und schalte
auf Lautsprecher, dann können wir fast jedes Problem
gemeinsam lösen. Das habe ich praktisch neu „im
Angebot“!
Das CMS Typo3 bin ich übrigens unter anderem deshalb
gerne „am Benutzen“, weil sein Entwickler,
Kasper Skaarhoj, ein „persönlicher Christ“
ist. Der hat sich gesagt: Wenn Gott mir das Talent gibt,
so ein System zu schreiben, dann muss ich es auch anderen
zu gute kommen lassen. Und deswegen ist Typo3 jetzt
open source. Der könnte Millionär sein, ist
er aber nicht. Das macht ihn mir sympathisch!
Ach, und dann komme ich auch öfter mal im Rechenzentrum
vorbei, um die Plakate für die Universitätsgottesdienste
zu drucken, die Frau Prof. Karle als Universitätspredigerin
in der Apostelkirche im Kirchenforum im Unicenter veranstaltet.
Diese Plakate gestalte ich nämlich immer, und mache
dann auch Handzettel daraus.
Kontakt mit der RUB gibt es aber auch an anderen Stellen:
Letztes Jahr war zum Beispiel eine Tagung der Stabstelle
Interne Fortbildung und Beratung im Kirchenforum, da
habe ich mitgeholfen, die Präsentationstische und
Seminarräume dort alle mit Internetanschlüssen,
so genannten HIRN-Ports, auszustatten.
Offene Apostelkirche
Ich sehe schon, über Langeweile können
Sie nicht klagen … als ich Sie zu Hause angerufen
habe, waren Sie ja auch gerade in der Kirche.
Ja, da war ich zur Aufsicht in unserer Apostelkirche
eingeteilt: Wir haben nämlich kürzlich die
„Offene Apostelkirche” ins Leben gerufen,
die ist jetzt jeden Werktag von 12 bis 14 Uhr für
jeden geöffnet. Das haben wir uns bei den Katholiken
abgeguckt, die hatten jahrelang ihre Augustinuskirche
im Kirchenforum geöffnet, als Anlaufpunkt für
Leute, die Ruhe suchen oder beten möchten. Das
geht aber heutzutage nicht mehr ohne Aufsicht, und dazu
trage ich mich öfter in den Einsatzplan ein, wie
übrigens auch Altrektor Prof. Petzina.
Seit kurzem haben wir dort auch einen Kerzenleuchter
in Form einer Weltkugel, so richtig groß, da können
die Besucher für 50 Cent eine Kerze anzünden,
das hatten sich viele gewünscht. Und dienstags
um 13.15 Uhr ist immer eine Viertelstunde Andacht, auch
die habe ich schon ein paar Mal gestaltet.
Das klingt ganz so, als hätten Sie
immer noch eine 40-Stunden-Woche!
Ach was, das stimmt nicht! Demnächst fahren wir
auch erst mal wieder weg, in unsere Ferienwohnung in
La Grande Motte in Südfrankreich. So dreimal im
Jahr fahren wir hin. Die Stadt ist genauso jung wie
die RUB und steht heute größtenteils unter
nationalem Denkmalschutz, müssen Sie sich mal im
Internet angucken. Mein früherer französischer
Austauschschüler hat da übrigens auch eine
Wohnung, da treffen wir uns heute noch. Ich lerne da
immer noch viel dazu und perfektioniere mein Französisch.
Was Sie zum Beispiel mit Sicherheit noch nicht wussten:
Tafelspitz heißt auf Französisch gar nicht
auch „le tafelspitz”, wie es im Wörterbuch
steht – das versteht dort keiner. Wie ich neulich
in der französischen Metzgerei gelernt habe, heiß
es „le paleron”!
Und ich freue mich auf unser drittes Enkelkind, das
nächstes Jahr zur Welt kommt. – Na, jetzt
war unser Gespräch ja doch ganz ersprießlich
– dabei hatte ich mich schon gefragt, was ich
Ihnen eigentlich erzählen soll – ich mach
doch eigentlich gar nichts Besonderes!
md
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