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RUBENS 136

1. Oktober 2009

Was macht eigentlich … Hanspeter Zoller?


… manchmal einen Webspaziergang


Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre, Kultur. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal hat Meike Drießen Hanspeter Zoller gefunden. 37 Jahre lang stand er in Diensten der RUB, von 1997 bis zu seiner Pensionierung 2004 war er Technischer Direktor des Rechenzentrums. So ganz weg ist er aber bis heute nicht …

Herr Zoller, redet da jemand in Ihrer Jacke?
Ach ja, das ist meine Verabredung mit Ihnen! (zieht ein Handy aus der Gürteltasche und schaltet den Alarm aus)

Sie sind also immer noch ein Technikfan?
Och ja, doch schon …

Der Vorgänger als Vorbild

Kurz vor Ihrer Pensionierung haben ja manche gemutmaßt, dass Sie sich schlecht vom Rechenzentrum würden trennen können – ist Ihnen der Abschied schwer gefallen?
Nicht eigentlich. Ich habe mir meinen Vorgänger, Prof. Ehlich, zum Vorbild genommen. Der hatte zwar immer noch sein Arbeitszimmer neben meinem und war oft im RZ, aber er hat sich nie eingemischt. Schwer gefallen ist es mir aber, zu Hause bei Problemen mit dem Laptop zurechtzukommen – da war ich plötzlich alleine, und keiner war da, der mir hätte helfen können, wie das meine Mitarbeiter früher getan haben. Aber Direktoriumssitzungen, Terminvereinbarungen, Budgetverhandlungen – das alles ist eher mit einem Aufatmen von mir abgefallen. Ich bin ja damals sogar ungefähr ein Jahr eher gegangen, über die Altersteilzeitregelung.

Wenn Sie die IT-Landschaft heute mit dem Abstand von fünf Jahren betrachten: Hat sich viel verändert?
Ja natürlich, wir reden ja von der „rasanten Informationstechnologie“! Was die da im Rechenzentrum heute alles machen – einiges davon haben sie unter meiner Leitung damals noch nicht gemacht! Die betreuen Hunderte von über den Campus verstreuten Rechnern zum Beispiel auf den vielen neuen CIP-Inseln … Und bei so vielen Rechnern im RZ-Maschinensaal hat man inzwischen wieder ein Klimaproblem, genau wie früher, als wir für einige Zeit den schnellsten Hochleistungsrechner der Welt hier hatten.
Und die Leute haben sehr viel Ahnung, es ist schon eine andere Art Service, die da heute geleistet wird, das ist schon beeindruckend. Ich habe mich zwar immer gebraucht gefühlt, solange ich da war, aber zu sehen, dass es nach meinem Weggang genauso gut bis besser weitergeht, das freut mich!

Und wenn wir nochmal fünf Jahre weitergehen – wie wird es dann wohl aussehen? Ob wir dann noch ein Rechenzentrum haben?
Die Integration der Datenverarbeitungsprozesse wird sicherlich weitergehen. Und es ist ja heute fast gleichgültig, wo eine Rechenleistung erbracht wird. Aber dass es dazu kommt, dass eine Uni gar kein Rechenzentrum mehr hat, weil sie etwa an ein Regionalrechenzentrum angeschlossen ist, das glaube ich nicht. Wenn Sie 24-Stunden-Betrieb an sieben Wochentagen leisten sollen, dann brauchen Sie auch ein leistungsfähiges Serviceteam vor Ort. Früher gab es Rechenzentren, weil die Rechner so teuer waren, heute, weil Klimatisierung, System- und Netzadministration am besten zentral zu leisten sind. Heute heißt es: „Du kannst Deinen Server besser bei uns im RZ betreiben lassen, wo er professionell gepflegt wird und störungsfrei läuft“.

Zu Fuß nur 20 Minuten

Mal abgesehen von der Informationstechnik: Verfolgen Sie das Geschehen an der RUB noch regelmäßig oder kommen manchmal vorbei? Sie haben es ja nicht weit …
Ja, das sind zu Fuß nur 20 Minuten! Das Geschehen an der RUB verfolge ich noch. Ich bekomme immer die Rubens, und die vom RZ herausgegebene RUBbits, die gibt es ja auch noch! Außerdem bin ich regelmäßig vor Ort, ich organisiere Kurse in der CIP-Insel des Rechenzentrums, da schule ich gelegentlich am Wochenende Webmaster des evangelischen Forums Westfalen oder von Kirchengemeinden im Content Management System Typo3. Immer so fünf oder sechs Personen, die können sich dann das Front- und das Backend je auf einem separaten Rechner anschauen – es sind ja 20 Rechner da –, das ist komfortabel. Und wenn die dann wieder zurück zu Hause sind, und kommen mit etwas nicht weiter, dann mache ich mit denen einen „Webspaziergang“: Mit der Software Acrobat Connect Pro, zu der man über das RZ eine Zugangsberechtigung im Rahmen der eLearning-Initiative der RUB bekommt, können die von zu Hause aus meinen Desktop sehen. Da sind immer alle fasziniert! Dann lege ich mir mein schnurloses Telefon daneben und schalte auf Lautsprecher, dann können wir fast jedes Problem gemeinsam lösen. Das habe ich praktisch neu „im Angebot“!
Das CMS Typo3 bin ich übrigens unter anderem deshalb gerne „am Benutzen“, weil sein Entwickler, Kasper Skaarhoj, ein „persönlicher Christ“ ist. Der hat sich gesagt: Wenn Gott mir das Talent gibt, so ein System zu schreiben, dann muss ich es auch anderen zu gute kommen lassen. Und deswegen ist Typo3 jetzt open source. Der könnte Millionär sein, ist er aber nicht. Das macht ihn mir sympathisch!
Ach, und dann komme ich auch öfter mal im Rechenzentrum vorbei, um die Plakate für die Universitätsgottesdienste zu drucken, die Frau Prof. Karle als Universitätspredigerin in der Apostelkirche im Kirchenforum im Unicenter veranstaltet. Diese Plakate gestalte ich nämlich immer, und mache dann auch Handzettel daraus.
Kontakt mit der RUB gibt es aber auch an anderen Stellen: Letztes Jahr war zum Beispiel eine Tagung der Stabstelle Interne Fortbildung und Beratung im Kirchenforum, da habe ich mitgeholfen, die Präsentationstische und Seminarräume dort alle mit Internetanschlüssen, so genannten HIRN-Ports, auszustatten.

Offene Apostelkirche

Ich sehe schon, über Langeweile können Sie nicht klagen … als ich Sie zu Hause angerufen habe, waren Sie ja auch gerade in der Kirche.
Ja, da war ich zur Aufsicht in unserer Apostelkirche eingeteilt: Wir haben nämlich kürzlich die „Offene Apostelkirche” ins Leben gerufen, die ist jetzt jeden Werktag von 12 bis 14 Uhr für jeden geöffnet. Das haben wir uns bei den Katholiken abgeguckt, die hatten jahrelang ihre Augustinuskirche im Kirchenforum geöffnet, als Anlaufpunkt für Leute, die Ruhe suchen oder beten möchten. Das geht aber heutzutage nicht mehr ohne Aufsicht, und dazu trage ich mich öfter in den Einsatzplan ein, wie übrigens auch Altrektor Prof. Petzina.
Seit kurzem haben wir dort auch einen Kerzenleuchter in Form einer Weltkugel, so richtig groß, da können die Besucher für 50 Cent eine Kerze anzünden, das hatten sich viele gewünscht. Und dienstags um 13.15 Uhr ist immer eine Viertelstunde Andacht, auch die habe ich schon ein paar Mal gestaltet.

Das klingt ganz so, als hätten Sie immer noch eine 40-Stunden-Woche!
Ach was, das stimmt nicht! Demnächst fahren wir auch erst mal wieder weg, in unsere Ferienwohnung in La Grande Motte in Südfrankreich. So dreimal im Jahr fahren wir hin. Die Stadt ist genauso jung wie die RUB und steht heute größtenteils unter nationalem Denkmalschutz, müssen Sie sich mal im Internet angucken. Mein früherer französischer Austauschschüler hat da übrigens auch eine Wohnung, da treffen wir uns heute noch. Ich lerne da immer noch viel dazu und perfektioniere mein Französisch. Was Sie zum Beispiel mit Sicherheit noch nicht wussten: Tafelspitz heißt auf Französisch gar nicht auch „le tafelspitz”, wie es im Wörterbuch steht – das versteht dort keiner. Wie ich neulich in der französischen Metzgerei gelernt habe, heiß es „le paleron”!
Und ich freue mich auf unser drittes Enkelkind, das nächstes Jahr zur Welt kommt. – Na, jetzt war unser Gespräch ja doch ganz ersprießlich – dabei hatte ich mich schon gefragt, was ich Ihnen eigentlich erzählen soll – ich mach doch eigentlich gar nichts Besonderes!

md
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