Lernen im virtuellen Seminarraum
RuhrCampusOnline – Ein Selbstversuch im Kurs „Literaturverfilmungen"
Gemeinsam studieren mit Kommilitonen der Unis Duisburg-Essen,
Dortmund und natürlich der RUB, und das alles ganz
bequem von zu Hause aus: Via Internet bietet die Universitätsallianz
Metropole Ruhr auf dem RuhrCampusOnline universitätsübergreifende
Seminare an. Eine neue Form der Lehre, die man ausprobieren
sollte.
Ein Klick und schon ist es soweit: meine Anmeldung zum
E-Learning-Kurs „Literaturverfilmungen" ist
erfolgreich. Mein erstes Seminar, das uniübergreifend
angeboten wird. Zu der ersten Vorbesprechung an der RUB
finden sich ca. 80 Studierende der Unis Duisburg-Essen
und Bochum ein. Obwohl es sich bei der Veranstaltung um
ein Seminar handelt, bleibt es bei dieser einmaligen Begegnung
zwischen Dozenten und Studierenden. Das Besondere an diesem
Kurs ist, dass er komplett via Internet abläuft.
Die Bedingungen erklärt Jan Boelmann, einer der Kursleiter:
„Während des Semesters müssen zwei Bücher
gelesen und die dazugehörigen Verfilmungen angeschaut
werden. Wo Ihre Interessen liegen und für was Sie
sich entscheiden, ist natürlich Ihnen überlassen."
„Crazy"
Zur Auswahl stehen u.a. die Bücher/Filme „Crazy",
„Effie Briest" und „Der Tod in Venedig".
Natürlich geht es nicht nur darum, die Filme zu
sehen und die Bücher zu lesen. Es müssen verschiedene
Aufgaben zu den einzelnen Bereichen erledigt werden.
Die Texte, die dabei anzufertigen sind, bilden gemeinsam
mit der am Ende des Kurses zu erstellenden Power Point
Präsentation die Basis für die Note der Teilnehmer/innen.
Die Bearbeitung der einzelnen Bücher und Filme
wird jeweils von einer Hilfskraft des Germanistischen
Instituts begleitet. Genauso wie in einem herkömmlichen
Seminar hat man also auch hier einen festen Ansprechpartner.
Zuletzt appelliert Boelmann an die Studierenden, die
Aufgaben trotz mangelnder Kontrolle während des
Semesters ernst zu nehmen. „Wir applaudieren hier
nicht für Mist, das sollte Ihnen klar sein."
Da nun die Fronten und Bedingungen für die erfolgreiche
Teilnahme geklärt sind, werden die Studierenden
ins Semester entlassen.
Wieder zu Hause, wird der Gedanke an den Kurs erst mal
weit weg geschoben. Zwei Wochen später, und so
langsam im Trott des Semesters angekommen, will ich
nun doch einen ersten Schritt in den virtuellen Seminarraum
wagen. Zuvor habe ich das Buch „Crazy" von
Benjamin Lebert gelesen und den Film angeschaut. Mein
erster Schritt im Onlinekurs wird ein Test sein, der
Kenntnisse von Buch und Film abfragt.
Auf den Seiten des Kurses fällt mir auf, dass es
in diesem Online-Kurs sog. Presenter gibt, in denen
der Dozent via Webcam die einzelnen Aufgaben erklärt.
Man hat also immer, wenn auch auf eine eigentümliche
Weise, das Gefühl, betreut zu werden. So gibt es
beispielsweise auch Filme, u.a. zu Theoriebegriffen
der Filmanalyse, die wie kleine Vorlesungen gestaltet
sind. Jede Aufgabe, jeder Schritt wird erklärt.
Auch die Sekundärtexte, die man zum Erledigen der
schriftlichen Aufgaben braucht, werden im Blackboard
bereitgestellt – umfassender Service also.
Kontakt fehlt
Nach ungefähr zwei Wochen Erfahrung mit dieser
Art der Lehre stelle ich fest, dass es nützlich
ist, sich einen eigenen Zeitplan aufzustellen. Denn
so praktisch freie Zeiteinteilung und Flexibilität
auch sein mögen, so sind sie auch eine Einladung
zum Trödeln und Aufschieben.
Was mir fehlt, ist der Kontakt zu den anderen Studierenden.
Denn ein Seminar dient ja eigentlich auch dem Austausch
der Teilnehmer untereinander. Diskussionen sind im Online-Kurs
unmöglich. Als positiv empfinde ich, dass man in
diesem Kurs ein völlig neues Feld betritt. Es fühlt
sich ein bisschen an wie ein Fernstudium. Man lernt
dabei etwas über sich und die eigene Art zu arbeiten.
RuhrCampusOnline
RuhrCampusOnline (RCO) ist ein strategisches
Projekt der Universitätsallianz Metropole Ruhr
(UAMR) zur Förderung hochschulübergreifender
Lehre. Ziel ist es, die Vielfalt des Studienangebots
der Allianz-Unis Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen
per E-Learning allen Studierenden der UAMR besser zugänglich
zu machen. Studierende einer UAMR-Uni können per
Internet an bestimmten Veranstaltungen der Partnerhochschulen
teilnehmen und Credit-Points anrechnen lassen. Gemeinsam
mit der Stiftung Mercator, die das Vorhaben über
drei Jahre finanziell unterstützt, hat die UAMR
ein Förderprogramm zum Aufbau der organisatorischen
und technischen Infrastruktur und für die Entwicklung
von Lehrveranstaltungen aufgesetzt. Eine Übersicht
der hochschulübergreifenden Kurse und weitere Infos
finden sich unter http://www.ruhrcampusonline.de;
Ansprechpartner für die Entwicklung hochschulübergreifender
Lehrveranstaltungen an der RUB ist Leif Pullich, Stabsstelle
eLearning, leif.pullich@rub.de,
-28817.
Katja
Bischof
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