Wenn Chiles Sterne an der Ruhr-Universität leuchten
RUBIN-Schwerpunkt zum internationalen Jahr der Astronomie
2009
Beobachtungszeit ist kostbar an den großen internationalen
Sternwarten. Auch wenn sie meist nur stundenweise vergeben
wird, müssen die Forscher lange darauf warten. Für
die Bochumer Astronomen ist das kein Problem, selbst bei
Langzeitprojekten – wie zur Helligkeitsvariabilität
von Sternen – können sie sich Zeit nehmen im
eigenen Observatorium in der Atacama-Wüste.
Den chilenischen Himmel beobachten die Bochumer Astronomen
um Prof. Dr. Rolf Chini zwar überwiegend via Internet
aus der Atacama auf ihren Monitoren im Astronomischen
Institut. Hin und wieder machen sie sich dennoch selbst
auf den Weg in die chilenische Wüste: Rund zwölftausend
Kilometer legen sie zurück und die letzten 150 ab
Antofagasta, der nördlichen Hafenstadt am Pazifik,
mit schwerem Allradantrieb. Am Ende dieser Abenteuertour
gibt’s dann wirklich nur noch Wind, Sand und Sterne
– und ein einsames Observatorium in der Wüste.
Doch wenn demnächst das fünfte Teleskop für
spezielle Infrarotaufnahmen dort eingetroffen ist, hat
es quasi für jeden Forschungszweck etwas zu bieten.
Derzeit klären die Astronomen etwa, warum die schwersten
Sterne, die 20 bis 50 Mal mehr Masse haben als unsere
Sonne, offensichtlich immer Zwillinge oder Drillinge sind.
Sie vermessen die geheimnisvollen Schwarzen Löcher
in den Kernen von Galaxien oder untersuchen, warum manche
Sterne, wenn sie entstehen, kurzzeitig ihre Helligkeit
um den Faktor 100 erhöhen. Groß ist ihr Interesse
auch an den Neutronensternen, den sog. Pulsaren. Wiegt
doch ein Stück Pulsar von der Größe eines
Würfelzuckers – bei einer Dichte von 1014g/cm
– so viel wie die gesamte Menschheit. Viele der
Projekte lassen in den nächsten Monaten interessante
Ergebnisse erwarten – RUBIN wird darüber berichten.
Energiespar-Observatorium
Schon heute mehr als erwähnenswert ist, dass die
Bochumer Energiespar-Uni mit ihrer Sternwarte in der
Wüste zugleich ein Energiespar-Observatorium hat:
als erstes und einziges weltweit ausschließlich
mit regenerativen Energien betrieben. Photovoltaik-Module
sorgen 365 Tage im Jahr für elektrische Energie,
gespeichert in speziellen Solar-Batterien, zwei Windräder
drehen sich Tag und Nacht bei fast nie abflauendem Wind,
und Brauch- und Heizungswasser werden durch zwei Solarthermen
erhitzt. Selbst die Abwärme des Rechnerraumes heizt
mittels Wärmetauscher und Lüftungsanlage das
Wohn- und Kontrollgebäude. „Wollten wir die
gleiche Energiemenge mithilfe unseres Dieselgenerators
erzeugen”, so Rolf Chini, „müssten
wir täglich etwa 200 Liter Treibstoff verbrennen”.
So spart die Ruhr-Uni rund 70.000 Euro pro Jahr –
ein gutes Gefühl, auch weil der Nachbar –
die zugegeben sehr viel größere Europäische
Südsternwarte (ESO) – bei konventioneller
Energieversorgung täglich 20.000 Liter Diesel verbraucht.
Info: Weitere Themen in RUBIN: Editorial
zum internationalen Jahr der Astronomie; Beiträge:
Tiefer blicken ins Weltall – Neue Techniken für
immer bessere Teleskope; Die Sonne im Container –
Plasmaphysiker holen den Weltraum ins Labor; Geschützte
Welt – Heliosphäre kontrolliert die Beziehungen
zwischen Erde und fernem Weltraum; Sturmwinter in der
Antarktis – Bochumer Untersuchungen für die
Sicherheit der neuen Forschungsstation Neumayer III;
Facetten mit Wissenschaftsgeschichten quer durch die
Forschungslandschaft der RUB; RUBIN komplett im Internet:
http://www.rub.de/rubin/rubin-sommer09/.
Barbara
Kruse
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