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RUBENS 135

1. Juli 2009

Wenn Chiles Sterne an der Ruhr-Universität leuchten

RUBIN-Schwerpunkt zum internationalen Jahr der Astronomie 2009


Beobachtungszeit ist kostbar an den großen internationalen Sternwarten. Auch wenn sie meist nur stundenweise vergeben wird, müssen die Forscher lange darauf warten. Für die Bochumer Astronomen ist das kein Problem, selbst bei Langzeitprojekten – wie zur Helligkeitsvariabilität von Sternen – können sie sich Zeit nehmen im eigenen Observatorium in der Atacama-Wüste.


Den chilenischen Himmel beobachten die Bochumer Astronomen um Prof. Dr. Rolf Chini zwar überwiegend via Internet aus der Atacama auf ihren Monitoren im Astronomischen Institut. Hin und wieder machen sie sich dennoch selbst auf den Weg in die chilenische Wüste: Rund zwölftausend Kilometer legen sie zurück und die letzten 150 ab Antofagasta, der nördlichen Hafenstadt am Pazifik, mit schwerem Allradantrieb. Am Ende dieser Abenteuertour gibt’s dann wirklich nur noch Wind, Sand und Sterne – und ein einsames Observatorium in der Wüste. Doch wenn demnächst das fünfte Teleskop für spezielle Infrarotaufnahmen dort eingetroffen ist, hat es quasi für jeden Forschungszweck etwas zu bieten.
Derzeit klären die Astronomen etwa, warum die schwersten Sterne, die 20 bis 50 Mal mehr Masse haben als unsere Sonne, offensichtlich immer Zwillinge oder Drillinge sind. Sie vermessen die geheimnisvollen Schwarzen Löcher in den Kernen von Galaxien oder untersuchen, warum manche Sterne, wenn sie entstehen, kurzzeitig ihre Helligkeit um den Faktor 100 erhöhen. Groß ist ihr Interesse auch an den Neutronensternen, den sog. Pulsaren. Wiegt doch ein Stück Pulsar von der Größe eines Würfelzuckers – bei einer Dichte von 1014g/cm – so viel wie die gesamte Menschheit. Viele der Projekte lassen in den nächsten Monaten interessante Ergebnisse erwarten – RUBIN wird darüber berichten.

Energiespar-Observatorium

Schon heute mehr als erwähnenswert ist, dass die Bochumer Energiespar-Uni mit ihrer Sternwarte in der Wüste zugleich ein Energiespar-Observatorium hat: als erstes und einziges weltweit ausschließlich mit regenerativen Energien betrieben. Photovoltaik-Module sorgen 365 Tage im Jahr für elektrische Energie, gespeichert in speziellen Solar-Batterien, zwei Windräder drehen sich Tag und Nacht bei fast nie abflauendem Wind, und Brauch- und Heizungswasser werden durch zwei Solarthermen erhitzt. Selbst die Abwärme des Rechnerraumes heizt mittels Wärmetauscher und Lüftungsanlage das Wohn- und Kontrollgebäude. „Wollten wir die gleiche Energiemenge mithilfe unseres Dieselgenerators erzeugen”, so Rolf Chini, „müssten wir täglich etwa 200 Liter Treibstoff verbrennen”. So spart die Ruhr-Uni rund 70.000 Euro pro Jahr – ein gutes Gefühl, auch weil der Nachbar – die zugegeben sehr viel größere Europäische Südsternwarte (ESO) – bei konventioneller Energieversorgung täglich 20.000 Liter Diesel verbraucht.

Info: Weitere Themen in RUBIN: Editorial zum internationalen Jahr der Astronomie; Beiträge: Tiefer blicken ins Weltall – Neue Techniken für immer bessere Teleskope; Die Sonne im Container – Plasmaphysiker holen den Weltraum ins Labor; Geschützte Welt – Heliosphäre kontrolliert die Beziehungen zwischen Erde und fernem Weltraum; Sturmwinter in der Antarktis – Bochumer Untersuchungen für die Sicherheit der neuen Forschungsstation Neumayer III; Facetten mit Wissenschaftsgeschichten quer durch die Forschungslandschaft der RUB; RUBIN komplett im Internet: http://www.rub.de/rubin/rubin-sommer09/.

Barbara Kruse
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Letzte Änderung: 30.6.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik