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RUBENS 135

1. Juli 2009

Bochum-Campus

Rektor Prof. Elmar Weiler über den „Masterplan Universität – Stadt”


Wenn sich kreative Köpfe über einen längeren Zeitraum zusammensetzen, kann am Ende ein großer, visionärer Plan entstehen. In diesem Fall entwickelten Vertreter der RUB, der Hochschule Bochum, der Stadt Bochum, der Industrie- und Handelskammer, des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB) sowie eines Büros für Architektur und Stadtplanung den „Masterplan Universität – Stadt”. Wenn er dereinst umgesetzt ist (inkl. der Campussanierung und zusammen mit dem Gesundheitscampus NRW), werden der Bochumer Süden und die Ruhr-Uni wahrscheinlich kaum wiederzukennen sein. Über die Bedeutung des Masterplans für das seit langem gewünschte Zusammenwachsen von Uni und Stadt sprach Arne Dessaul mit Rektor Prof. Elmar Weiler.


RUBENS: Herr Prof. Weiler, wie muss man sich das Zustandekommen des „Masterplans” vorstellen? Von wem ging die Initiative aus? Die Idee, Hochschulen und Stadt enger zu verknüpfen, existiert ja schon länger.
Prof. Weiler: Es gibt ja den Arbeitskreis der vier Bochumer Hochschulen und der Stadt Bochum, BO-hoch-vier, der sich regelmäßig trifft und sich über Zukunftsthemen austauscht. Da ging es zuletzt natürlich häufig um die Generalsanierung des Campus. Daraus entwickelte sich die Idee der Stadt, auch das Umfeld des Campus und die Infrastruktur mit Verkehrswegen und Wirtschaftsansiedlungen etc. zu verbessern.

Regiebuch für 27 Projekte

RUBENS: Wie lange dauerte es, bis der Masterplan jetzt in gedruckter Form als Projektatlas vorliegen konnte?
Prof. Weiler: Das dauerte gut ein Jahr. Wir saßen auch zum Teil mit 30 bis 40 Leuten an einem Tisch.

RUBENS: Wer war das alles?
Prof. Weiler: Vertreter der Stadt, der Hochschulen, des BLB sowie kommunaler Einrichtungen, aber auch aus der Privatwirtschaft wie der Geschäftsführung des Uni-Centers. Das Ganze wurde sehr professionell von einem Projektplanungsbüro moderiert. Jetzt haben wir eine Art Regiebuch vorliegen, in dem steht, wohin es in den nächsten Jahren gehen kann. Insgesamt 27 Projekte werden dort beschrieben.

RUBENS: Von welchen versprechen Sie sich die größte Wirkung für die RUB, abgesehen von der Generalsanierung, die auch aufgeführt ist?

Prof. Weiler: Wichtig sind alle, weil es grundsätzlich darum geht, die Umgebung des Campus attraktiver zu machen, die Zufahrtswege systematisch zu verbessern und den Campus der RUB, den der Hochschule und demnächst auch den Gesundheitscampus enger an die Stadt zu binden. Wie das funktionieren kann, ist – zum Teil noch als Handlungsempfehlung – in den Einzelprojekten festgehalten. Da geht es beispielsweise um die Ansiedlung von wissenschaftsnahen Instituten und Firmen an verschiedenen Stellen der Universitätsstraße. Stadt und Uni bewegen sich hier also sichtbar aufeinander zu, auch baulich.
Wir sind ohnehin voneinander abhängig: Wir brauchen die Stadt und die Stadt braucht uns. Die Ruhr-Uni ist zunehmend ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Vielleicht gibt es eines Tages einen großen Bochumer Stadtteil, der ganz einfach „Campus” heißt und der sich von der Innenstadt bis hin zum jetzigen Zentralcampus erstreckt. Auch wenn das womöglich noch 50 Jahre dauern kann.

Institute in der Innenstadt

RUBENS: Viele träumen schon länger davon, dass man am Bahnhof oder an den Ortseingängen mit einem Schild „Willkommen in der Universitätsstadt Bochum” empfangen wird. Sie selbst haben die Vision eines „Campus in the City”. Wie realistisch ist diese Vision?
Prof. Weiler: Das mit den Schildern könnte sogar schon in weniger als fünf Jahren Wirklichkeit sein, darüber denkt die Stadt sehr konkret nach. Andererseits geht es mir darum, dass die Ruhr-Uni in der Innenstadt sichtbarer wird. Wir haben in der Clemensstraße das Haus der Geschichte des Ruhrgebiets mit der Bibliothek des Ruhrgebiets und mit dem Institut für soziale Bewegungen. Warum soll nicht ein großes Schild zeigen, dass es sich um eine Einrichtung der RUB handelt!? Und warum sollen wir nicht weitere Institute in der Innenstadt ansiedeln?! Wenn Sie bedenken, dass man mit der U 35 schneller am Hauptbahnhof ist, als zu Fuß von GC zu NC zu laufen. Und der räumliche Bedarf ist da, wenn man beispielsweise sieht, wie provisorisch wir bislang das geisteswissenschaftliche Kolleg unterbringen müssen. Wenn es ein geeignetes Gebäude in der Nähe eines U35-Bahnhofs geben würde, warum nicht?

RUBENS: Andererseits ist der Masterplan nur ein Teil der Zukunft der RUB. Vor einigen Wochen fiel die Entscheidung, dass Bochum den sog. Gesundheitscampus bekommt. Inwiefern wird die RUB auch davon profitieren?
Prof. Weiler: Zunächst indirekt von der dann noch vielfältigeren und lebendigeren Hochschullandschaft in Bochum. Es wird naturgemäß Kooperationen zwischen den einzelnen Instituten und Behörden des Gesundheitscampus und der RUB geben, man wird Forschungseinrichtungen gemeinsam nutzen. Ich verspreche mir auch einen gehörigen Schub für die Ansiedlung von Medizintechnik-Firmen im Biomedizinpark. Medizintechnik ist ohnehin ein Thema an der Ruhr-Universität. Das Europäische Proteinforschungszentrum PURE, das zum Gesundheitscampus gehört, ist sogar in der Aufbauphase als eine Einrichtung der RUB geplant. Durch seine anwendungsorientierte Ausrichtung im Bereich der biomedizinischen Diagnostik kann es mittelfristig jedoch zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt werden und somit wieder eine Brücke von der RUB in den Gesundheitscampus schlagen. Insgesamt bietet uns der Gesundheitscampus eine sehr gute Perspektive. Das Ganze ist außerdem ein gutes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit der Bochumer Hochschulen und der Stadt, die sich mit einem integrierten Konzept in diesem Wettbewerb durchgesetzt haben. Ich denke, das wird nicht das letzte gemeinsame Großprojekt sein.

RUBENS: Eventuell wird sich die Uni im Zuge der Campusgründung vom Universitätshochhaus West UHW trennen, weil dort die Fachhochschule für Gesundheitsberufe einziehen könnte. Liegen da schon konkrete Pläne vor?
Prof. Weiler: Da läuft die Planung noch, und daran sind neben der gerade erst ernannten Gründungsrektorin und dem Gründungskanzler verschiedene Landesministerien beteiligt. Das UHW ist nur eine der Alternativen, ein Neubau wäre ebenfalls denkbar, das hat die Stadt Bochum von vornherein angeboten.

Fließende Übergänge

RUBENS: Damit berühren wir zugleich die Campussanierung, ein weiteres Stück Zukunft der RUB. Wahrscheinlich wird man den Campus und den gesamten Bochumer Süden in 15 Jahren nicht mehr wiedererkennen. Können wir uns uneingeschränkt darauf freuen?
Prof. Weiler: Ich glaube schon. Wenn wir aufpassen und jeden einzelnen Baustein richtig setzen und uns keine Optionen verbauen. Es muss selbstverständlich ökologisch gebaut werden, statt einfach nur Grünflächen zuzubetonieren. Es darf auch nicht darum gehen, den Stil des jetzigen Campus großflächig auszudehnen. Vielmehr geht es wie schon angesprochen um eine urbane Lösung. Dadurch entsteht ein Campus ganz anderer Art in der Umgebung der Hochschulen. Wenn man zukünftig beispielsweise die Universitätsstraße entlangfährt, soll man nicht mehr unterscheiden können, was ein universitäres und was ein städtisches oder privates Gebäude ist, das muss fließend ineinander übergehen. Ich denke, für all das ist der Masterplan ein sehr, sehr guter Startpunkt. Man muss das Ganze immer vor dem Hintergrund der großen Vision sehen. Man darf keine Einzelprojekte daraus machen, die unverbunden sind und sich hinterher auch nicht mehr vernünftig verbinden lassen. Ich denke, eine klare Fehlentwicklung in der Konzeption des Umfeldes der Ruhr-Universität war, rückblickend betrachtet, das Uni-Center. Das hat den Campus eigentlich noch weiter weggerückt von der Stadt, das würde man heute nie und nimmer wieder so machen, auch von der Art des Bauens her. Solche Fehlentwicklungen soll der Masterplan von Anfang an vermeiden helfen.

Masterplan
Insgesamt umfasst der Projektatlas zum „Masterplan Universität – Stadt” 27 Einzelprojekte. Dazu zählen u.a. die auf mindestens 13 Jahre angelegte Campussanierung der RUB, der Ausbau der Hochschule Bochum, des Technologie-Quartiers, des Technologiezentrums, des Biomedizinischen Zentrums und des Biomedizinparks, eine bessere Anbindung des Landesspracheninstituts an RUB und Hochschule durch zusätzliche Wege und Beschilderungen, eine Belebung des Uni-Centers, die Umwandlung der Lennershof-Siedlung in ein sog. Campus Quartier mit modernen Wohn- und Arbeitskonzepten für (internationale) Studenten und Wissenschaftler, die Revitalisierung der inneren Hustadt, die Trassen-Verlängerung der U 35 bis zur Hochschule inkl. der neuen Haltestellen „Biomedizinpark”, „Gesundheitscampus” und „Technologie-Quartier”, eine bessere Verbindung zwischen Kemnader See, Lottental und Ruhr-Uni mittels einer sog. Landschaftstreppe, die Weiterentwicklung der Bibliothek des Ruhrgebiets sowie die Etablierung von innovativen, zukunftsorientierten (und damit wissenschaftsnahen) Firmen entlang der Universitätsstraße. Einige Projekte (wie der Bau des Unigebäudes ID) sind bereits angelaufen, insgesamt wird sich die Umsetzung des Masterplans bis in die 2020er-Jahre erstrecken. Neben der besseren Verzahnung von Hochschulen und Stadt zielt der Plan natürlich auch auf infrastrukturelle Verbesserungen des Bochumer Südens: Wirtschaft (Arbeitsplätze), Verkehrswege und Freizeiteinrichtungen.

Gesundheitscampus
Um den Standort des Gesundheitscampus NRW hatten bis zuletzt vor allem Bochum und Essen konkurriert. Mitte Mai erklärte die Landesregierung schließlich Bochum zum Sieger. Der Campus soll im Bochumer Süden im Umfeld der Ruhr-Uni entstehen. Dort sollen bereits vorhandene und noch zu gründende Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft in einem Zentrum gebündelt, vernetzt und weiterentwickelt werden. Innovationen in der Gesundheitsforschung sollen so gezielt gefördert werden. Kernstück ist die bundesweit erste öffentlich-rechtliche, bis zu 1.000 Studienplätze fassende Fachhochschule für Gesundheitsberufe (Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Hebammen, Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten). Weiterhin gehören zum Gesundheitscampus NRW z.B. das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen, das Europäische Protein Forschungszentrum (PURE), die MedEconRuhr und das Clustermanagement „Gesundheitswirtschaft”.

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Letzte Änderung: 30.6.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik