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RUBENS 135

1. Juli 2009

Fausto auf Faust


Kultur im Juli


Studiobühne

Drei Wochen vollstes Programm: Die Sommersemester-Theatersaison biegt sozusagen auf die Zielgrade, und vier ganz unterschiedliche Produktionen sprinten auf der Bühne im Musischen Zentrum nacheinander ins Ziel.
Los geht’s am ersten Juli-Wochenende (3.-5.7., je 19.30 h): „Wir wollen das Böse, das unendlich Böse“, verkünden stolz die acht Todsünden, Untertanen ihres vorlauten und etwas tollpatschigen Meisters Mephisto, während sie aus dem Fernseher dem ausgebrannten Workaholic Fausto entgegentreten. Auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz in der Gesellschaft lässt sich dieser auf einen Pakt mit dem Teufel ein und verliebt sich in das forsche Gretchen. Das kommt uns allen natürlich bekannt vor. Doch aus „Faust“ wird „Fausto”, die erste Produktion der Gruppe „Rubicals“. Das Projekt vereint Schauspiel, Gesang und Film. Geschrieben von Alexander Czechowicz und unterlegt mit Liedern von Falco feiert die moderne Inszenierung Premiere (Eintritt frei; Infos, Karten: http://www.fausto.de.gg/).
Sechs Aufführungen benötigt das Ensemble der Studiobühne mittlerweile, um den Publikumszuspruch zu befriedigen. Am 11., 12., 16., 17., 18. und 19.7. (je 19.30 h) wird die aktuelle Produktion gezeigt. Das geschieht im und um das MZ herum, das Motto lautet: „STORIES to go – 1 Abend. 3 Ensembles. 3 Stücke. 6 Orte.” Aufgeführt werden ein irisches Märchen, Szenen aus Ken Campbells „Mr.Pilks Irrenhaus” und die Geschichte eines Mannes, dem im Fahrstuhl (un)bekannte Frauen aus der Literatur erscheinen. Der Zuschauer reist durch diese Collage, trifft auf Widerspruch, Traum, Liebe, Hass, Wahnsinn, Humor und blickt in die Abgründe des Menschen (Eintritt frei; Karten, Infos: http://www.rub.de/mz-theater).
Weiter geht’s am 21.7. um 12 h mittags. Zu sehen ist die Präsentation des Optionalbereich-Seminars „Hörspiel”. Studierende stellen selbstgeschriebene Hörspiele vor (Eintritt frei; Karten, Infos: http://www.rub.de/mz-theater). Am 24.7. (19.30 h) schließlich gastieren Studierende des Romanischen Seminars im MZ. Sie wollen die spanische Sprache jenseits des Hörsaals erforschen und präsentieren, unter Leitung von Rita Maíz Jiménez und María Canelas, zwei Stücke auf Spanisch: „Quién anda ahí?!” und „El celular” (Eintritt frei).
PS: Das sei an dieser Stelle auch mal erwähnt: Beim Gespräch mit RUBENS zeigte sich Alexander Czechowicz, Student, freier Künstler und Macher von „Fausto“, sehr angetan von der Unterstützung durch das Musische Zentrum (Universitätsmusikdirektor Hans Jaskulsky ist Schirmherr der Produktion) und die Uni-Verwaltung. Sein Mammut-Projekt mit 20 Schauspielern, vierköpfiger Band plus Videotechniker sei ohne die Finanzspritze der Uni nicht denkbar gewesen. „Ich habe überall offene Türen eingerannt, alle wollten mir helfen“, erklärt Czechowicz. Alles, was er vom zur Verfügung gestellten Geld gekauft hat (technische Ausstattung, Kostüme), bleibt im MZ. Natürlich nutzte Czechowicz die Gelegenheit, um Reklame für sein Stück zu machen: „Es wird live gespielt und gesungen. Die Band ist einfach klasse und der Bandleader Mathias von Hövel ist ein Genie!“



Bildende Kunst und Fotografie

Eigentlich ist das Musische Zentrum eine kreative Institution, in der bewertungsfrei Kunst erprobt und praktiziert wird. Ausnahmen sind die Veranstaltungen, die für Studierende des Optionalbereichs angeboten werden. In den Arbeitsfeldern Theater, Fotografie, Bildender Kunst und Musik werden bis zu neun Seminare pro Semester angeboten, die sich Studierende als Credit-Points in den B.A.-Studiengängen anrechnen lassen können. Dass der Umgang mit Kunst und Kreativität Freude machen und inspirieren soll, ist zwar oberstes Motto, aber auch das Absolvieren eines anspruchsvollen Leistungskanons in Theorie und Praxis ist hier für die Vergabe der Benotungen erforderlich.
In der Ausstellung „Arbeitsproben aus dem Optionalbereich” der Bereiche Bildende Kunst und Fotografie präsentieren Studierende Malerei, Fotografie und Grafik. Unter den rund 70 Arbeitsproben sind Werke von Anfängern ebenso zu sehen wie weit fortgeschrittene Arbeiten. Gezeigt werden Radierungen und zeichnerische Studien, die den Weg zur abschließenden Grafik illustrieren. Zu sehen ist auch farbintensive gegenständliche oder gegenstandsfreie Malerei, die sich an vorgegebenen Themen orientiert. Aus der Fotografie werden konzeptionelle Bilderserien zu einem freien Thema vorgestellt. Für das anspruchsvolle Angebot an Modulen sorgen seit einigen Semestern pädagogisch erfahrene Lehrende wie Ortrud Kabus, Andre Schuster, Felix Freier, Nol Hennissen und Norbert Sarrazin, die alle in der jeweiligen Kunstszene einen anerkannten Namen haben.


Kunstgeschichtliches Institut
Sammeln, Bewahren und Ausstellen moderner Kunst einerseits und das Schreiben darüber andererseits bestimmen das Berufsfeld zahlreicher Kunstwissenschaftler. Darauf zugeschnitten ist das an den Master anschließende weiterbildende Studium „Kunstkritik und Kuratorisches Wissen”, das das Kunstgeschichtliche Institut der RUB zum WS 09/10 einrichtet. Der Studiengang wurde mit der Kunsthalle Düsseldorf entwickelt und wird zusammen mit Museen und Ausstellungshäusern in NRW sowie Medienvertretern durchgeführt. Er bereitet vor auf eine Tätigkeit im Museum, in den Medien wie auch auf den freien Markt. Bewerbungen sind bis zum 31. Juli möglich.
Das zweisemestrige Studium unter Leitung von Dr. Ulrike Groos (Kunsthalle Düsseldorf) und Prof. Dr. Beate Söntgen (RUB) richtet sich an Hochschulabsolventen, deren Arbeitsschwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Kunst liegt, und die eine Tätigkeit in Kunstkritik oder Ausstellungswesen anstreben. Das erste Semester vermittelt Grundlagen der Konzeption und Realisierung von Ausstellungen sowie Kriterien und Kategorien der Kunstkritik. Das zweite Semester dient der Entwicklung eines eigenen Ausstellungskonzepts. Die erworbenen Qualifikationen werden in Workshops mit namhaften Kurator/innen, aber auch auf Exkursionen, bei Atelierbesuchen und Arbeitsgesprächen mit international renommierten Künstler/innen vertieft und angewandt. Die hohe Zahl an Gastdozierenden gewährleistet die internationale Ausrichtung und Vernetzung.
Das Studium ist gebührenpflichtig. Die Hälfte der Kosten trägt die RUB. Die Gebühren für den ersten Jahrgang werden, dank einer einmaligen Zuwendung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, von 4.000 auf 3.200 Euro gesenkt. Die neue Gebühr gilt auch für bereits eingegangene Bewerbungen. Die Beiträge werden in vollem Umfang an die Studierenden rückgeführt: Aus ihnen werden Workshops, Seminare sowie das Mentoring der Schreibwerkstätten finanziert. So ist eine intensive und individuelle Betreuung der Studierenden gewährleistet.
Infos: http://www.kunstgeschichte.rub.de


Rezensionen
Kurz vor den Sommer- bzw. Semesterferien haben wir ein paar Lesetipps zu RUB und Wissenschaft herausgesucht. Ein spannender Wissenschafts-Thriller rund um Mikrobiologie und Epigenetik ist Jürgen Kehrer (Erfinder des Münsteraner Privatdetektivs Georg Wilsberg) gelungen. In „Fürchte Dich nicht” (Grafit-Verlag) häufen sich auf Norderney geheimnisvolle Krankheits- und Todesfälle – ausgerechnet wenige Monate vor dem hier geplanten EU-Gipfel. Die Biologin Viola de Monti findet heraus, dass die Ursache hierfür eine neue Form von FSME ist. Doch wie kommen die damit infizierten Zecken auf die Nordseeinsel? Hauptkommissar Martin Geis hilft der Wissenschaftlerin bei der Suche. Besonders erfreulich: Das Hauptpersonal entspricht nicht den gängigen anglo-amerikanischen Klischeefiguren. So ist de Monti keine attraktive, sonnengebräunte und sportliche Endzwanzigerin, sondern ein vielschichtiger Charakter.
Etwas betulicher geht’s in „Schwester Helga” (Eichborn-Verlag) zu. Helga Waldorf lebt in einer hessischen Kleinstadt; trotz Abi begnügt sie sich mit einer Stelle als Krankenschwester in der örtlichen Seeberg-Klinik. Und verliebt sich prompt in den neuen Chefarzt, was auch kein Wunder ist, wenn man liest, wie dieser in die Geschichte eingeführt wird: „Ganz in Weiß saß Dr. Robert Sanden in seinem holzvertäfelten Arbeitszimmer.” Dort beschäftigt sich der schöne Arzt intensiv mit seiner Geliebten. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Frau, sondern um eine wissenschaftliche Theorie. Deshalb haben wir es hier auch mit einem „Arzt-Roman zur Mikroökonomie” zu tun bzw. mit einer netten Persiflage eines beliebten Genres.
Mit zahlreichen Beiträgen über die RUB (sowie von Wissenschaftlern der Ruhr-Uni) bestückt ist das Buch „Bochum entdecken” (Klartext-Verlag). 20 Stadt(teil)-Rundgänge durch Geschichte und Gegenwart Bochums werden um thematische Aufsätze zu Wissenschaft, Kunst, Freizeit etc. ergänzt. So entsteht auf satten 330 Seiten (mit vielen Fotos) ein umfassendes und differenziertes Bild der Stadt.

 

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Letzte Änderung: 30.6.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik