Fausto auf Faust
Kultur im Juli
Studiobühne
Drei Wochen vollstes Programm: Die Sommersemester-Theatersaison
biegt sozusagen auf die Zielgrade, und vier ganz unterschiedliche
Produktionen sprinten auf der Bühne im Musischen
Zentrum nacheinander ins Ziel.
Los geht’s am ersten Juli-Wochenende (3.-5.7.,
je 19.30 h): „Wir wollen das Böse, das unendlich
Böse“, verkünden stolz die acht Todsünden,
Untertanen ihres vorlauten und etwas tollpatschigen
Meisters Mephisto, während sie aus dem Fernseher
dem ausgebrannten Workaholic Fausto entgegentreten.
Auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz in der Gesellschaft
lässt sich dieser auf einen Pakt mit dem Teufel
ein und verliebt sich in das forsche Gretchen. Das kommt
uns allen natürlich bekannt vor. Doch aus „Faust“
wird „Fausto”, die erste Produktion der
Gruppe „Rubicals“. Das Projekt vereint Schauspiel,
Gesang und Film. Geschrieben von Alexander Czechowicz
und unterlegt mit Liedern von Falco feiert die moderne
Inszenierung Premiere (Eintritt frei; Infos, Karten:
http://www.fausto.de.gg/).
Sechs Aufführungen benötigt das Ensemble der
Studiobühne mittlerweile, um den Publikumszuspruch
zu befriedigen. Am 11., 12., 16., 17., 18. und 19.7.
(je 19.30 h) wird die aktuelle Produktion gezeigt. Das
geschieht im und um das MZ herum, das Motto lautet:
„STORIES to go – 1 Abend. 3 Ensembles. 3
Stücke. 6 Orte.” Aufgeführt werden ein
irisches Märchen, Szenen aus Ken Campbells „Mr.Pilks
Irrenhaus” und die Geschichte eines Mannes, dem
im Fahrstuhl (un)bekannte Frauen aus der Literatur erscheinen.
Der Zuschauer reist durch diese Collage, trifft auf
Widerspruch, Traum, Liebe, Hass, Wahnsinn, Humor und
blickt in die Abgründe des Menschen (Eintritt frei;
Karten, Infos: http://www.rub.de/mz-theater).
Weiter geht’s am 21.7. um 12 h mittags. Zu sehen
ist die Präsentation des Optionalbereich-Seminars
„Hörspiel”. Studierende stellen selbstgeschriebene
Hörspiele vor (Eintritt frei; Karten, Infos: http://www.rub.de/mz-theater).
Am 24.7. (19.30 h) schließlich gastieren Studierende
des Romanischen Seminars im MZ. Sie wollen die spanische
Sprache jenseits des Hörsaals erforschen und präsentieren,
unter Leitung von Rita Maíz Jiménez und
María Canelas, zwei Stücke auf Spanisch:
„Quién anda ahí?!” und „El
celular” (Eintritt frei).
PS: Das sei an dieser Stelle auch
mal erwähnt: Beim Gespräch mit RUBENS zeigte
sich Alexander Czechowicz, Student, freier Künstler
und Macher von „Fausto“, sehr angetan von
der Unterstützung durch das Musische Zentrum (Universitätsmusikdirektor
Hans Jaskulsky ist Schirmherr der Produktion) und die
Uni-Verwaltung. Sein Mammut-Projekt mit 20 Schauspielern,
vierköpfiger Band plus Videotechniker sei ohne
die Finanzspritze der Uni nicht denkbar gewesen. „Ich
habe überall offene Türen eingerannt, alle
wollten mir helfen“, erklärt Czechowicz.
Alles, was er vom zur Verfügung gestellten Geld
gekauft hat (technische Ausstattung, Kostüme),
bleibt im MZ. Natürlich nutzte Czechowicz die Gelegenheit,
um Reklame für sein Stück zu machen: „Es
wird live gespielt und gesungen. Die Band ist einfach
klasse und der Bandleader Mathias von Hövel ist
ein Genie!“
Bildende Kunst und Fotografie
Eigentlich ist das Musische Zentrum eine kreative Institution,
in der bewertungsfrei Kunst erprobt und praktiziert
wird. Ausnahmen sind die Veranstaltungen, die für
Studierende des Optionalbereichs angeboten werden. In
den Arbeitsfeldern Theater, Fotografie, Bildender Kunst
und Musik werden bis zu neun Seminare pro Semester angeboten,
die sich Studierende als Credit-Points in den B.A.-Studiengängen
anrechnen lassen können. Dass der Umgang mit Kunst
und Kreativität Freude machen und inspirieren soll,
ist zwar oberstes Motto, aber auch das Absolvieren eines
anspruchsvollen Leistungskanons in Theorie und Praxis
ist hier für die Vergabe der Benotungen erforderlich.
In der Ausstellung „Arbeitsproben aus dem Optionalbereich”
der Bereiche Bildende Kunst und Fotografie präsentieren
Studierende Malerei, Fotografie und Grafik. Unter den
rund 70 Arbeitsproben sind Werke von Anfängern
ebenso zu sehen wie weit fortgeschrittene Arbeiten.
Gezeigt werden Radierungen und zeichnerische Studien,
die den Weg zur abschließenden Grafik illustrieren.
Zu sehen ist auch farbintensive gegenständliche
oder gegenstandsfreie Malerei, die sich an vorgegebenen
Themen orientiert. Aus der Fotografie werden konzeptionelle
Bilderserien zu einem freien Thema vorgestellt. Für
das anspruchsvolle Angebot an Modulen sorgen seit einigen
Semestern pädagogisch erfahrene Lehrende wie Ortrud
Kabus, Andre Schuster, Felix Freier, Nol Hennissen und
Norbert Sarrazin, die alle in der jeweiligen Kunstszene
einen anerkannten Namen haben.
Kunstgeschichtliches Institut
Sammeln, Bewahren und Ausstellen moderner Kunst einerseits
und das Schreiben darüber andererseits bestimmen
das Berufsfeld zahlreicher Kunstwissenschaftler. Darauf
zugeschnitten ist das an den Master anschließende
weiterbildende Studium „Kunstkritik und Kuratorisches
Wissen”, das das Kunstgeschichtliche Institut
der RUB zum WS 09/10 einrichtet. Der Studiengang wurde
mit der Kunsthalle Düsseldorf entwickelt und wird
zusammen mit Museen und Ausstellungshäusern in
NRW sowie Medienvertretern durchgeführt. Er bereitet
vor auf eine Tätigkeit im Museum, in den Medien
wie auch auf den freien Markt. Bewerbungen sind bis
zum 31. Juli möglich.
Das zweisemestrige Studium unter Leitung von Dr. Ulrike
Groos (Kunsthalle Düsseldorf) und Prof. Dr. Beate
Söntgen (RUB) richtet sich an Hochschulabsolventen,
deren Arbeitsschwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer
Kunst liegt, und die eine Tätigkeit in Kunstkritik
oder Ausstellungswesen anstreben. Das erste Semester
vermittelt Grundlagen der Konzeption und Realisierung
von Ausstellungen sowie Kriterien und Kategorien der
Kunstkritik. Das zweite Semester dient der Entwicklung
eines eigenen Ausstellungskonzepts. Die erworbenen Qualifikationen
werden in Workshops mit namhaften Kurator/innen, aber
auch auf Exkursionen, bei Atelierbesuchen und Arbeitsgesprächen
mit international renommierten Künstler/innen vertieft
und angewandt. Die hohe Zahl an Gastdozierenden gewährleistet
die internationale Ausrichtung und Vernetzung.
Das Studium ist gebührenpflichtig. Die Hälfte
der Kosten trägt die RUB. Die Gebühren für
den ersten Jahrgang werden, dank einer einmaligen Zuwendung
der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, von
4.000 auf 3.200 Euro gesenkt. Die neue Gebühr gilt
auch für bereits eingegangene Bewerbungen. Die
Beiträge werden in vollem Umfang an die Studierenden
rückgeführt: Aus ihnen werden Workshops, Seminare
sowie das Mentoring der Schreibwerkstätten finanziert.
So ist eine intensive und individuelle Betreuung der
Studierenden gewährleistet.
Infos: http://www.kunstgeschichte.rub.de
Rezensionen
Kurz vor den Sommer- bzw. Semesterferien haben wir ein
paar Lesetipps zu RUB und Wissenschaft herausgesucht.
Ein spannender Wissenschafts-Thriller rund um Mikrobiologie
und Epigenetik ist Jürgen Kehrer (Erfinder des
Münsteraner Privatdetektivs Georg Wilsberg) gelungen.
In „Fürchte Dich nicht” (Grafit-Verlag)
häufen sich auf Norderney geheimnisvolle Krankheits-
und Todesfälle – ausgerechnet wenige Monate
vor dem hier geplanten EU-Gipfel. Die Biologin Viola
de Monti findet heraus, dass die Ursache hierfür
eine neue Form von FSME ist. Doch wie kommen die damit
infizierten Zecken auf die Nordseeinsel? Hauptkommissar
Martin Geis hilft der Wissenschaftlerin bei der Suche.
Besonders erfreulich: Das Hauptpersonal entspricht nicht
den gängigen anglo-amerikanischen Klischeefiguren.
So ist de Monti keine attraktive, sonnengebräunte
und sportliche Endzwanzigerin, sondern ein vielschichtiger
Charakter.
Etwas betulicher geht’s in „Schwester Helga”
(Eichborn-Verlag) zu. Helga Waldorf lebt in einer hessischen
Kleinstadt; trotz Abi begnügt sie sich mit einer
Stelle als Krankenschwester in der örtlichen Seeberg-Klinik.
Und verliebt sich prompt in den neuen Chefarzt, was
auch kein Wunder ist, wenn man liest, wie dieser in
die Geschichte eingeführt wird: „Ganz in
Weiß saß Dr. Robert Sanden in seinem holzvertäfelten
Arbeitszimmer.” Dort beschäftigt sich der
schöne Arzt intensiv mit seiner Geliebten. Dabei
handelt es sich allerdings nicht um eine Frau, sondern
um eine wissenschaftliche Theorie. Deshalb haben wir
es hier auch mit einem „Arzt-Roman zur Mikroökonomie”
zu tun bzw. mit einer netten Persiflage eines beliebten
Genres.
Mit zahlreichen Beiträgen über die RUB (sowie
von Wissenschaftlern der Ruhr-Uni) bestückt ist
das Buch „Bochum entdecken” (Klartext-Verlag).
20 Stadt(teil)-Rundgänge durch Geschichte und Gegenwart
Bochums werden um thematische Aufsätze zu Wissenschaft,
Kunst, Freizeit etc. ergänzt. So entsteht auf satten
330 Seiten (mit vielen Fotos) ein umfassendes und differenziertes
Bild der Stadt.
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