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RUBENS 135

1. Juli 2009

Mit Kanüle und Faden


„Das Labor“: RUB-Studenten machen aus Technik ein Freizeitvergnügen



Bochum, Innenstadt: Im Vorderhaus residiert die Sparkasse, im Hinterhaus werkeln die Laboranten. Gleich neben dem Parkplatz hat im Souterrain der Verein „Das Labor“ Quartier bezogen. Doch wer weiße Kittel, Reagenzgläser oder explosive Gase erwartet, irrt. Zum Equipment zählen Platinen, Steuerungen und kryptographische Protokolle – der Verein widmet sich IT-Projekten und der Elektrotechnik.


Ein Laborant, der sich seine freie Zeit mit Technik und American Football vertreibt, hat behutsam mit Kanüle und Faden dutzende Leuchtdioden an seiner Jacke befestigt. Gesteuert wird das System über einen im Kleidungsstück integrierten Prozessor. Wenn die Fans im Stadion also nicht länger auf das Spielfeld blicken, sondern auf die Schulterblätter ihres Vordermanns, hat das einen Grund: In Laufschrift flimmert dort der aktuelle Spielstand.
„Wir wollen die Studieninhalte praktisch anwenden und ausprobieren. Da darf das Resultat auch mal völlig zweckfrei sein“, erklärt Tilman Frosch, Mitbegründer des „Labors“ und Student der IT-Sicherheit an der RUB. Anfang 2005 gründeten 19 Studierende den Verein, viele kamen aus der Elektrotechnik und Informationstechnik, aber auch Physiker und ein Jurist gehörten dazu. Mitmachen kann damals wie heute jeder, es gibt keine Aufnahmekriterien.
Die im Labor entstandene Jacke erregte nicht nur in Fan-, sondern auch in Fachkreisen Aufsehen: Sie fand ihren Weg ins Technik-Magazin „Wired“, zum Chaos Communication Congress nach Berlin und über diesen Umweg sogar ins ZDF. Manche Ideen scheinen Zielgruppen-übergreifend zu zünden. „Vor allem Dinge, die blinken und hübsch sind, erregen Aufmerksamkeit“, meint Tilman Frosch. „Aber unser Repertoire reicht weit darüber hinaus.“

Keine Nachwuchssorgen

Dank der Mundpropaganda in Hörsälen und Fachschaften gibt es keine Nachwuchssorgen im Verein. Studienanfänger werden in Einführungsveranstaltungen der Elektrotechnik und Informationstechnik auf das Engagement im Labor aufmerksam gemacht. Der Verein hat ein klares Ziel: „Wir wollen die oft diskutierte Hemmschwelle vor technischen Inhalten überwinden und auch Jugendliche mit unserer Lust an Technik anstecken“, sagt Markus Kasper, der am Lehrstuhl für Embedded Security promoviert. Er ist Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender. In Zukunft sollen vermehrt Schüler zum Mitmachen bewegt werden. Denn auch Unerfahrene lernen hier Technik als Freizeitbeschäftigung schätzen.
Neben der experimentellen Arbeit spielt der fachliche Austausch eine wichtige Rolle. „Bei Vorträgen und in Workshops treffen Referenten und Zuhörer auf gleicher Augenhöhe zusammen“, so Kasper. Sie kommen überwiegend aus den eigenen Reihen, mitunter sind es auch Experten aus der Industrie. Die inhaltliche Bandbreite reicht von „IT-Forensik“ über „Roboterworkshops“ bis zu „UNIX Networking“. Themen aus der IT-Sicherheit sind ein besonderer Publikumsmagnet; bis zu 50 Zuhörer passen ins Labor.

Ungewöhnliche Wissensgemeinschaft

„Am Anfang haben wir gehofft, einige Monate durchzuhalten, inzwischen existiert das Labor vier Jahre“, wundert sich Tilman Frosch. „Mittlerweile sind wir ein gemeinnütziger Verein.“ Der Bildungsauftrag ist in der Satzung festgehalten. Diese ungewöhnliche Form der Wissensgemeinschaft hat auch das NRW-Innovationsministerium (MIWFT) überzeugt. Vor zwei Jahren gab es bei der Landesinitiative „Zukunft durch Innovation“ einen Sonderpreis. Gesucht wurden seinerzeit Konzepte, die den Nachwuchs für Naturwissenschaft und Technik begeistern.
„Wir finanzieren uns überwiegend durch Mitgliedsbeiträge“, sagt Stefan Hunnius. Der Student (Angewandte Informatik) ist Kassenwart und behält Einnahmen und Ausgaben im Blick. Wie hoch der Monatsbeitrag ist, entscheidet jeder selbst. Es sollten mindestens fünf Euro sein, die meisten geben aber mehr. Auch Sachspenden und Sponsoren sind willkommen, Abhängigkeiten will man aber nicht schaffen.
„Das Labor ist das, was die Besucher daraus machen“, beschreibt Frosch die flexible Organisationsstruktur. Die 52 Mitglieder sowie zahlreiche Gäste bringen neue Impulse ein und lassen sich von anderen inspirieren. „Jeder hat seine Spezialgebiete, und immer wieder schaut einem jemand über die Schulter. Wenn mein Thema auch andere interessiert, biete ich einen Vortrag an“, erzählt Kasper. „Wir entwickeln uns ständig weiter.“

Info: Unter http://www.das-labor.org finden sich weitere Infos und Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen, die grundsätzlich allen Interessierten offen stehen. Ob das „Labor“ geöffnet hat, lässt sich ebenfalls durch einen Blick auf die Webseite erkennen. Die moderne Technik macht es möglich: Leuchtet der Ampelbutton grün, ist mindestens ein Mitglied anwesend.

Meike Klinck
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Letzte Änderung: 30.6.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik