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RUBENS 133

30. April 2009


Transport per Wassermolekül


Joanna Stachnik erforscht die Funktion von Proteinen bei der bakteriellen Photosynthese



Seit 2005 widmet sich die Diplom-Biochemikerin Joanna Stachnik der Photosynthese. Sie untersucht den Elektronen- und Protonentransfer im photosynthetischen Reaktionszentrum und möchte herausfinden, in welcher Weise Wassermoleküle am Transfer beteiligt sind. Ende 2008 erhielt sie für ihre Promotion am Lehrstuhl für Biophysik ein abschlussbezogenes Stipendium der Günter-und-Wilhelm-Esser-Stiftung.

Wenn Pflanzen Photosynthese betreiben, erzeugen sie mit Hilfe von Licht Energie und Sauerstoff. Eine bisher unbeantwortete Frage der Photosynthese-Forschung ist, wie Pflanzen Lichtenergie in chemische Energie umwandeln. Hier setzt Joanna Stachniks Forschung an: Sie möchte herausfinden, wie der Elektronentransfer mit der Protonenaufnahme während der Photosynthese gekoppelt ist. Zudem will sie den genauen Weg der Protonen und die Rolle Proteingebundener Wassermoleküle bestimmen. Einfacher formuliert: Wie gelangen Elektronen und Protonen bei der Photosynthese von A nach B und welche Funktion erfüllen dabei Wassermoleküle? Die bakterielle Photosynthese dient als Modell. Sie verläuft einfacher als die Photosynthese der Pflanzen, die gewonnenen Erkenntnisse können aber später auf die Photosynthese in Pflanzen übertragen werden.

Protein-Modell

Das „Dach“ von Stachniks Promotion bildet der Sonderforschungsbereich 480 der RUB „Molekulare Biologie komplexer Leistungen von botanischen Systemen“, der seit 1998 durch die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) gefördert wird und noch bis 2010 läuft. Bereits während ihrer Diplomarbeit am Lehrstuhl für Biophysik (Prof. Dr. Klaus Gerwert) hat sich Stachnik mit Membranproteinen beschäftigt. Da lag es nahe, am selben Lehrstuhl ebenfalls über Proteine zu promovieren: „Die Biophysik ist methodisch interdisziplinär ausgerichtet. Man nutzt Arbeitsweisen aus der Biologie, der Physik und Chemie“, erklärt sie. Entsprechend abwechslungsreich ist ihr Arbeitsalltag. Um mit Proteinen arbeiten zu können, muss sie diese im Labor zunächst herstellen. Dafür kultiviert sie Bakterien, aus denen die Proteine gewonnen werden. Um einen Einblick in die Struktur der Proteine zu erhalten, nutzt Joanna Stachnik die Methode der Proteinkristallisation und Röntgenstrukturanalyse. Zum anderen untersucht sie die Funktionsweise der Proteine mittels zeitaufgelöster spektroskopischer Methoden.
Bei der Proteinkristallisation werden die Proteinkristalle gezüchtet und anschließend mit Röntgenstrahlung untersucht. Mit Hilfe aufwendiger Computermethoden wird aus den Messdaten ein dreidimensionales Modell des Proteins erstellt, das Einblick in strukturelle Details des Proteins ermöglicht. Anhand der Kristallstruktur der Protein-Mutante L210DN konnte Stachnik belegen, dass Wassermoleküle an dem Transport von Protonen im photosynthetischen Reaktionszentrum beteiligt sind.
Um die Funktion der Proteine detailliert zu verstehen, nutzt Stachnik eine besondere Form der Spektroskopie, die trFTIR-Spektroskopie (time resolved Fourier tranform infrared; zeitaufgelöste Fourier-Transformierte Infrarot). Das photosynthetische Reaktionszentrum wird hierbei mit einem Laserblitz angeregt, führt eine zyklische Reaktion durch und kehrt wieder in seinen Grundzustand zurück. Dabei werden unter möglichst physiologischen Bedingungen die Reaktionen des Proteins mit höchstmöglicher Auflösung detektiert. Damit ist es möglich, Protonierungszustände von Aminosäuren oder Wassermolekülen zu beobachten. Die so gewonnenen Informationen erlauben Rückschlüsse auf den molekularen Reaktionsmechanismus des Proteins.

Wichtige Mutanten

Besonders wichtig ist die Arbeit mit Protein-Mutanten, um Aussagen über die Funktionsweise des Proteins zu treffen. Dabei werden einzelne Aminosäuren eines Proteins verändert und das so modifizierte Protein untersucht. Durch Vergleich der Ergebnisse von Protein-Mutanten mit dem Wildtyp-Protein kann man Rückschlüsse auf die Funktionen der veränderten Elemente ziehen. Stachnik konnte beispielsweise zeigen, dass bei der Mutante L210DN, die im Unterschied zum Wildtyp andere kinetische Eigenschaften aufweist, einige Wassermoleküle fehlen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Wassermoleküle beim Protonentransfer beteiligt sind.
Insgesamt handelt es sich um Grundlagenforschung und um die generelle Frage, wie ein Protein überhaupt funktioniert. Ist die Funktionsweise von Membranproteinen bei der Photosynthese erst einmal gelöst, können die Ergebnisse auch auf menschliche Proteine übertragen werden. In diesem Sommer wird Stachnik ihre Promotion abschließen. Gerne würde sie danach als Post-Doc für einige Zeit ins Ausland gehen und an einer anderen Universität forschen.

Infos: Internet: http://www.bph.rub.de

Julia Brosig
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Letzte Änderung: 29.4.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik