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RUBENS 133

30. April 2009


Patente Netzwerkerin


Stefanie Peschel berät Erfinder in Bochum und Duisburg-Essen



Vom Forschungsergebnis bis zum Markt, zum Produkt oder gar zum eigenen Unternehmen ist es ein langer und weiter Weg, doch der lohnt sich: für die Wissenschaftler, die damit wieder Geld für die Forschung einwerben können, und für das Land NRW, das den Rückstand bei den Patentierungen gegenüber den südlichen Bundesländern aufholen will. Damit Ideen nicht verloren gehen, arbeitet Dr. Stefanie Peschel (40) seit Anfang 2009 als Patentscout an den Universitäten Bochum und Duisburg-Essen. Jens Wylkop sprach mit ihr über ihre Aufgaben, Ziele und ersten Erfahrungen.


Frau Peschel, wie teilen Sie sich die Arbeitszeit an den beiden Standorten auf?
Wochenweise. Ich bin eine ganze Woche lang in Bochum, dann in Essen. Dadurch lassen sich Termine für Beratungsgespräche besser bündeln. Per Telefon und E-Mail bin ich ohnehin permanent erreichbar, da spielt es keine Rolle, an welcher Uni ich mich gerade befinde.

Welche Ausbildung haben Sie?
Ich bin promovierte Chemikerin und habe an verschiedenen Hochschulen mehrere Jahre lang in der Forschung gearbeitet, zuletzt aber auch zwei Jahre an der FH Gelsenkirchen im Bereich Patentwesen. Anschließend habe ich eine halbjährige Qualifizierung in Wirtschaft und Personalmanagement absolviert.

Beratung vor Ort

Finanziert vom NRW-Innovationsministerium läuft Ihre Stelle zunächst bis Ende 2010. Was sind Ihre zentralen Aufgaben?
Ich informiere und berate rund um das Thema „Erfindungen, Patente und Verwertung an Hochschulen“. Dazu gehört, dass ich Veranstaltungen anbiete, zum Beispiel Seminare und Schulungen von variabler Dauer. Ich unterstütze Wissenschaftler bei Erfindungsmeldungen, schätze Erfindungen ein und bewerte sie. Am Anfang aber steht das „Marketing“ in den Hochschulen, um dieses Angebot überhaupt bekannt zu machen, und das Knüpfen von Kontakten und Netzwerken.

Wie muss man sich dieses „Netzwerken“ vorstellen?
Ich gehe auf die Schlüsselpersonen in den Hochschulen zu und kontaktiere sie direkt. Das sind vor allem die Sprecher der großen Forschungsverbünde, etwa der Sonderforschungsbereiche, der Graduiertenschulen – in Bochum speziell der Research School und der Research Departments. Damit erhalte ich Zugang zu den universitären Forschungsstrukturen. Mein Ziel ist zum einen, diese Schlüsselpersonen als Kommunikatoren zu nutzen, und zum anderen, auf diesem Wege Infoveranstaltungen in die Forschungsprogramme zu integrieren. Das können dann je nach Absprache und Wunsch Kurzvorträge sein oder auch ganztägige Seminare.

Haben Sie auch feste Sprechzeiten?
Sprechstunden vereinbare ich auf Nachfrage, das handhabe ich flexibel. Mir ist wichtiger anzubieten, dass ich zu den Wissenschaftlern vor Ort komme. Darüber hinaus werde ich an beiden Standorten zum Beispiel auch Erfinderberatungstage organisieren und Infoveranstaltungen mit externen Experten, etwa Patentanwälten. Die Koordination von solch gemeinsamen Aktivitäten ist eine weitere zentrale Aufgabe. So liegt der Fokus meiner Stelle unter anderem auf der Vernetzung beider Hochschulen in Patentierungsfragen.

Wirtschaftlicher Wert

Gibt es bei der Patentierung einen großen Nachholbedarf?
Zunächst einmal müssen wir für das Thema überhaupt sensibilisieren. Nordrhein-Westfalen liegt gegenüber Baden-Württemberg oder Bayern deutlich zurück, was den Anteil an inländischen Patentanmeldungen angeht. Um die Anzahl an Erfindungen aus den Hochschulen zu steigern, gehört die Information und Beratung zur Patentierung aus meiner Sicht eigentlich schon zur Ausbildung während des Studiums – und dort möchte ich unter anderem mit meinen Angeboten ansetzen.

Was habe ich als Wissenschaftler davon, Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen?
Die Wissenschaftler müssen erkennen, dass ihre Erfindung auch einen Wert hat – einen wirtschaftlichen Wert – für die Hochschule und sie selbst. Sie profitieren zum Beispiel durch Lizenz- und Kaufverträge mit Unternehmen – hieraus erhalten Erfinder 30 Prozent der Bruttoeinnahmen! Was nur die wenigsten überhaupt wissen. Es können sich aber auch Kooperationen mit Firmen ergeben, um eine Erfindung mit Drittmitteln weiterzuentwickeln, und schließlich ist die Patentierung eines Forschungsergebnisses auch ein Imagegewinn für den Forscher bzw. den Lehrstuhl.

Können Sie bereits ein konkretes Beispiel für eine Patentierung nennen?
Nein. Dafür ist es noch zu früh, zumal eine Erfindungsmeldung bis zur Patenterteilung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt – zwei bis drei Jahre. Davon abgesehen ist es rechtlich immer gefährlich, über eine Erfindung zu sprechen oder zu schreiben, solange sie noch nicht zum Patent angemeldet wurde. Was für die Wissenschaftler aber wichtig zu wissen ist: Eine Publikation über ein Forschungsergebnis und eine Patentierung schließen sich nicht aus, im Gegenteil. Wenn eine wissenschaftliche Publikation vorliegt, können wir das Entscheidungsverfahren der Hochschule zur Inanspruchnahme oder Freigabe der Erfindung im Vergleich zu den gesetzlich vorgeschriebenen zwei bis vier Monaten in der Regel verkürzen.



Kontakt: Dr. Stefanie Peschel, Tel: 0234/32-11953, E-Mail: patentscout@rub.de

Patentscout Ruhr
Bis Ende 2010 finanziert das Land die Patentscouts an Hochschulen im Programm „Science-to-Business NRW“, in dem sich die RUB und die Uni Duisburg-Essen – in Kooperation mit der rubitec GmbH – mit ihrem Konzept erfolgreich um die Förderung beworben hatten. Der Patentscout Ruhr ist ein Verbund von insgesamt fünf Hochschulen an Rhein und Ruhr, in dem die RUB und die Uni Duisburg-Essen ein Teilprojekt zusammen mit der rubitec realisieren. Insgesamt gibt es vier solcher Verbundprojekte an NRW-Hochschulen, die insgesamt 1,3 Mio. Euro erhalten.

jw
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Letzte Änderung: 29.4.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik