Patente Netzwerkerin
Stefanie Peschel berät Erfinder in Bochum und Duisburg-Essen
Vom Forschungsergebnis bis zum Markt, zum Produkt oder
gar zum eigenen Unternehmen ist es ein langer und weiter
Weg, doch der lohnt sich: für die Wissenschaftler,
die damit wieder Geld für die Forschung einwerben
können, und für das Land NRW, das den Rückstand
bei den Patentierungen gegenüber den südlichen
Bundesländern aufholen will. Damit Ideen nicht verloren
gehen, arbeitet Dr. Stefanie Peschel (40) seit Anfang
2009 als Patentscout an den Universitäten Bochum
und Duisburg-Essen. Jens Wylkop sprach mit ihr über
ihre Aufgaben, Ziele und ersten Erfahrungen.
Frau Peschel, wie teilen Sie sich die Arbeitszeit
an den beiden Standorten auf?
Wochenweise. Ich bin eine ganze Woche lang in Bochum,
dann in Essen. Dadurch lassen sich Termine für Beratungsgespräche
besser bündeln. Per Telefon und E-Mail bin ich ohnehin
permanent erreichbar, da spielt es keine Rolle, an welcher
Uni ich mich gerade befinde.
Welche Ausbildung haben Sie?
Ich bin promovierte Chemikerin und habe an verschiedenen
Hochschulen mehrere Jahre lang in der Forschung gearbeitet,
zuletzt aber auch zwei Jahre an der FH Gelsenkirchen im
Bereich Patentwesen. Anschließend habe ich eine
halbjährige Qualifizierung in Wirtschaft und Personalmanagement
absolviert.
Beratung vor Ort
Finanziert vom NRW-Innovationsministerium
läuft Ihre Stelle zunächst bis Ende 2010.
Was sind Ihre zentralen Aufgaben?
Ich informiere und berate rund um das Thema „Erfindungen,
Patente und Verwertung an Hochschulen“. Dazu gehört,
dass ich Veranstaltungen anbiete, zum Beispiel Seminare
und Schulungen von variabler Dauer. Ich unterstütze
Wissenschaftler bei Erfindungsmeldungen, schätze
Erfindungen ein und bewerte sie. Am Anfang aber steht
das „Marketing“ in den Hochschulen, um dieses
Angebot überhaupt bekannt zu machen, und das Knüpfen
von Kontakten und Netzwerken.
Wie muss man sich dieses „Netzwerken“
vorstellen?
Ich gehe auf die Schlüsselpersonen in den Hochschulen
zu und kontaktiere sie direkt. Das sind vor allem die
Sprecher der großen Forschungsverbünde, etwa
der Sonderforschungsbereiche, der Graduiertenschulen
– in Bochum speziell der Research School und der
Research Departments. Damit erhalte ich Zugang zu den
universitären Forschungsstrukturen. Mein Ziel ist
zum einen, diese Schlüsselpersonen als Kommunikatoren
zu nutzen, und zum anderen, auf diesem Wege Infoveranstaltungen
in die Forschungsprogramme zu integrieren. Das können
dann je nach Absprache und Wunsch Kurzvorträge
sein oder auch ganztägige Seminare.
Haben Sie auch feste Sprechzeiten?
Sprechstunden vereinbare ich auf Nachfrage, das handhabe
ich flexibel. Mir ist wichtiger anzubieten, dass ich
zu den Wissenschaftlern vor Ort komme. Darüber
hinaus werde ich an beiden Standorten zum Beispiel auch
Erfinderberatungstage organisieren und Infoveranstaltungen
mit externen Experten, etwa Patentanwälten. Die
Koordination von solch gemeinsamen Aktivitäten
ist eine weitere zentrale Aufgabe. So liegt der Fokus
meiner Stelle unter anderem auf der Vernetzung beider
Hochschulen in Patentierungsfragen.
Wirtschaftlicher Wert
Gibt es bei der Patentierung einen großen
Nachholbedarf?
Zunächst einmal müssen wir für das Thema
überhaupt sensibilisieren. Nordrhein-Westfalen
liegt gegenüber Baden-Württemberg oder Bayern
deutlich zurück, was den Anteil an inländischen
Patentanmeldungen angeht. Um die Anzahl an Erfindungen
aus den Hochschulen zu steigern, gehört die Information
und Beratung zur Patentierung aus meiner Sicht eigentlich
schon zur Ausbildung während des Studiums –
und dort möchte ich unter anderem mit meinen Angeboten
ansetzen.
Was habe ich als Wissenschaftler davon, Ihre
Dienste in Anspruch zu nehmen?
Die Wissenschaftler müssen erkennen, dass ihre
Erfindung auch einen Wert hat – einen wirtschaftlichen
Wert – für die Hochschule und sie selbst.
Sie profitieren zum Beispiel durch Lizenz- und Kaufverträge
mit Unternehmen – hieraus erhalten Erfinder 30
Prozent der Bruttoeinnahmen! Was nur die wenigsten überhaupt
wissen. Es können sich aber auch Kooperationen
mit Firmen ergeben, um eine Erfindung mit Drittmitteln
weiterzuentwickeln, und schließlich ist die Patentierung
eines Forschungsergebnisses auch ein Imagegewinn für
den Forscher bzw. den Lehrstuhl.
Können Sie bereits ein konkretes Beispiel
für eine Patentierung nennen?
Nein. Dafür ist es noch zu früh, zumal eine
Erfindungsmeldung bis zur Patenterteilung sehr viel
Zeit in Anspruch nimmt – zwei bis drei Jahre.
Davon abgesehen ist es rechtlich immer gefährlich,
über eine Erfindung zu sprechen oder zu schreiben,
solange sie noch nicht zum Patent angemeldet wurde.
Was für die Wissenschaftler aber wichtig zu wissen
ist: Eine Publikation über ein Forschungsergebnis
und eine Patentierung schließen sich nicht aus,
im Gegenteil. Wenn eine wissenschaftliche Publikation
vorliegt, können wir das Entscheidungsverfahren
der Hochschule zur Inanspruchnahme oder Freigabe der
Erfindung im Vergleich zu den gesetzlich vorgeschriebenen
zwei bis vier Monaten in der Regel verkürzen.
Kontakt: Dr. Stefanie Peschel, Tel:
0234/32-11953, E-Mail: patentscout@rub.de
Patentscout Ruhr
Bis Ende 2010 finanziert das Land die Patentscouts an
Hochschulen im Programm „Science-to-Business NRW“,
in dem sich die RUB und die Uni Duisburg-Essen –
in Kooperation mit der rubitec GmbH – mit ihrem
Konzept erfolgreich um die Förderung beworben hatten.
Der Patentscout Ruhr ist ein Verbund von insgesamt fünf
Hochschulen an Rhein und Ruhr, in dem die RUB und die
Uni Duisburg-Essen ein Teilprojekt zusammen mit der
rubitec realisieren. Insgesamt gibt es vier solcher
Verbundprojekte an NRW-Hochschulen, die insgesamt 1,3
Mio. Euro erhalten.
jw
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