Offenes Ohr für alle Sorgen
Die Mentorin
Véronique Sina hilft Studierenden der Medienwissenschaft
Wenn die Abschlussprüfung ihren drohenden Schatten
vorauswirft und im Kopf noch alles durcheinander geht,
können sich Studierende der Medienwissenschaft auf
Véronique Sina verlassen. Die Mentorin, beschäftigt
als wissenschaftliche Hilfskraft, hat selbst das Fach
studiert, hört sich alle Sorgen an, lichtet den Fragen-Dschungel
und gibt Tipps. Das Mentorenprogramm wurde im Jahre 2007
mit Hilfe von Studienbeiträgen eingerichtet. Mentorenprogramme
in unterschiedlicher Form bieten viele Fakultäten
an. Dennoch nimmt Véronique Sina als Einzelperson
eine Sonderstellung ein. Mit ihr sprach Meike Drießen.
Frau Sina, zweimal pro Woche bieten Sie in
Ihrem Büro Beratung an. Wer kommt zu Ihnen in die
Sprechstunde?
Viele, die kommen, stehen als B.A.-Studierende das erste
Mal vor einer wichtigen Prüfung. Weil die Studiengänge
recht kurz sind, sammelt man nur wenig Erfahrung im wissenschaftlichen
Schreiben, und gerade wenn die erste Hausarbeit nicht
so gut gelungen ist, ist das Lampenfieber vor der B.A.-Arbeit
groß. Die einzige mündliche Prüfung war
oft die im Abi, und das ist lange her. Da beantworte ich
oft elementare Fragen, zum Beispiel wie eine mündliche
Prüfung eigentlich abläuft, wie ein Thesenpapier
aussieht. Oder ich gebe Leitfäden heraus, in denen
man nachlesen kann, wie eine Abschlussarbeit formatiert
sein sollte, wie man richtig zitiert, eine geschlechtsneutrale
Ausdrucksweise wählt und so weiter.
Es kommen aber auch viele Studierende im Masterstudium,
die den Bachelor woanders gemacht haben und die Gepflogenheiten
und Lehrenden hier noch nicht so gut kennen. Eine Weile
kamen im letzten Jahr wegen des Auslaufens des Magisterstudiengangs
auch viele zu mir, die noch ganz schnell nach der alten
Studienordnung fertig werden wollten, aber seit Jahren
nicht mehr in den Unibetrieb integriert waren. Das war
schon eine turbulente Zeit.
Einfach nur reden
Wie viele Studierende betreuen Sie zurzeit?
Normalerweise habe ich immer zehn bis 20 Studierende,
die ich berate. Viele lassen sich durch die komplette
Prüfungsphase von Anmeldung über mündliche
Prüfung bis zur Abschlussarbeit betreuen. Allerdings
nutzen nicht alle das komplette Angebot. Manche kommen
nur ein Mal oder fragen bloß mal per E-Mail an,
wo sie ein bestimmtes Formular bekommen. Manche möchten
auch einfach nur mit jemandem reden, der Zeit hat. Die
meisten Gespräche dauern mindestens eine halbe
Stunde.
Wie sieht dieses von Ihnen angesprochene Komplettangebot
denn aus?
In meine Sprechstunde kann jeder kommen, der ein persönliches
Gespräch möchte. Außerdem bin ich immer
per E-Mail erreichbar. Das wird gerne angenommen, weil
viele sich gerade in der Prüfungsphase gern jeden
zeitraubenden Weg ersparen. E-Mails beantworte ich spätestens
am nächsten Tag. Zusammen mit dem Prüfungsamt
beantworte ich Fragen zu den Formalitäten, helfe
bei der Themen- und Prüferauswahl und lese zum
Beispiel auch Thesenpapiere gegen oder Teile einer Arbeit
– natürlich nicht ganze Arbeiten, das wäre
nicht zu schaffen. Für inhaltliche Fragen bin ich
nicht die Richtige. Es wäre nicht sinnvoll, wenn
ich die Studierenden berate und jemand anders sie dann
benotet. Das mache ich auch immer sehr deutlich. Meine
Beratung ersetzt nicht den Besuch der Sprechstunden
der Lehrenden. Aber auch wenn ich nicht die finale Ansprechpartnerin
für inhaltliche Fragen bin, berate ich dennoch
beispielsweise bei Fragen zur Struktur einer Arbeit.
Ich biete auch Prüfungssimulationen an und gebe
verschiedene Leitfäden heraus. Bei zwei Infoveranstaltungen
pro Semester fasse ich alles Wissenswerte rund um die
Abschlussprüfungen zusammen.
Nur positive Rückmeldungen
Mit welchen Fragen kommen Studierende zu
Ihnen?
Die Themen reichen von „Wann soll ich mich prüfen
lassen?” über „Wie und wo muss ich
mich wann anmelden?” und „Wie werde ich
rechtzeitig fertig, damit ich nicht noch ein Semester
länger eingeschrieben bleiben und Beiträge
zahlen muss?” bis hin zu „Bei wem soll ich
mich prüfen lassen und über welches Thema?”
Fragen wie die letztgenannte sind doch sicher
schwierig zu beantworten?
Die Entscheidung kann ich den Studierenden natürlich
nicht abnehmen, aber ich kann sie durch gezielte Fragen
hinführen. Ich frage, was für Seminare hast
Du besucht? Was gefällt Dir? Manchmal ist die Prüfungspanik
so groß, dass solche vermeintlich einfachen Überlegungen
aus dem Blick geraten. Wenn sich dann Themen herausschälen,
schaue ich, wer sich unter den Dozenten damit befasst
und schicke die Studierenden da hin. Bei B.A.-Prüfungen
ergeben sich auch schon mal Schnittstellen mit dem zweiten
Fach, die man bei der Themenauswahl berücksichtigen
kann. Manchmal ist auch jemand von einem bestimmten
Dozenten so begeistert, dass er sich unbedingt von ihm
prüfen lassen will. Dann gucken wir, welche Themen
dieser Dozent bearbeitet.
Wenn man Ihnen so zuhört, hat man den Eindruck,
dass Ihnen die Arbeit als Mentorin richtig Spaß
macht …
Von dem Job bin ich wirklich begeistert, weil ich nur
positive Rückmeldungen bekomme! Viele sind unheimlich
dankbar für die Beratung, und ich weiß von
keiner Prüfung von jemandem, den ich vorher beraten
habe, die schlechter als mit zwei benotet wurde. Ich
erleichtere den Lehrenden die Arbeit, weil ich Grundsatzfragen
beantworte, die sie dann nicht mehr beantworten müssen.
Und auch die Mitarbeiter des Prüfungsamts sind
froh, wenn sie nicht immer dieselbe Frage gestellt bekommen.
Wie sind Sie an den Job gekommen?
Die Stelle habe ich bekommen, nachdem ich mich auf eine
Ausschreibung beworben habe – dabei war sicher
von Vorteil, dass ich vorher bei der Organisation des
Joint Degree Masterstudiengang Gender Studies mit der
Uni Graz (s. RUBENS
131, Anm. d. Red.) mitgearbeitet hatte und daher
mit Prüfungsordnungen sehr vertraut war. Die Stelle
wird immer für ein Semester befristet. Nebenbei
schreibe ich meine Doktorarbeit, das lässt sich
gut vereinbaren. Die Beratung macht zwar streckenweise
viel Arbeit, vor allem, wenn ich selbst noch recherchieren
muss, um eine Frage beantworten zu können, aber
ich lerne dabei auch viel. Ich sehe den Studierendenkontakt
und die Beratungstätigkeit auch als schöne
Vorbereitung zum Einstieg in die Lehre, den ich später
anpeile.
Info: Die Sprechstunde von Véronique
Sina findet im Sommersemester 2009 dienstags 10-12 h
und donnerstags 14-16 h (sowie nach Vereinbarung) in
GA 1/36 statt. Die Infoveranstaltung zur mündlichen
Prüfung gibt es am 5. Mai (12-14 h, GB 02/160);
Internet: http://www.rub.de/ifm/studium/mentoring.html
md
|