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RUBENS 132

1. April 2009

Der Kern der Kunst


Serie Campus & Kunst


Mit der Kunst am Bau ist das so eine Sache. Manchmal verursacht sie einen Skandal, manchmal nur Desinteresse. Das gilt zum Teil auch für die Kunst an der RUB. Diese Serie will zeigen, dass die Werke auf dem Campus einen fantastischen Querschnitt durch die Kunst der 60er- und 70er-Jahre bieten. Diesmal widmen wir uns der Kunst an den Kernbereichen in der N-Reihe.


Dass die Kunst am Bau an der RUB als integraler Bestandteil der vorhandenen Architektur verstanden werden soll, wird an den Versorgungskernen der N-Gebäude besonders deutlich. Dabei handelt es sich um die beiden Schächte, die auf der Dachebene herausragen. In ihnen verlaufen alle notwendigen Versorgungsleitungen (Strom, Wasser, Heizung...). Als konstruktives Element sind sie nicht nur auf den Dächern erkennbar, sondern treten auch in den Eingangsbereichen der vier naturwissenschaftlichen Gebäude außen sichtbar hervor. Genau dort finden wir heute Kunst „am Bau” im wörtlichen Sinne.

Erste Entwürfe

Im Oktober 1970 hatte die Gutachterkommission für die künstlerische Gestaltung der Ruhr-Universität gemeinsam mit dem Staatshochbauamt beschlossen, für die Gestaltung der Kernbereiche an den N-Gebäuden einen beschränkten Wettbewerb auszuschreiben. Für die Teilnahme wurden nach eingehender Beratung acht Künstler aufgefordert, Entwürfe einzureichen: Josef Manders, Karl Gerstner, Friedrich Gräsel, Hermann Göpfert, Franz R. Knubel, Günter Ücker, Herbert Hajek und Günter Fruhtrunk. Jeder Künstler sollte für seine Teilnahme eine Pauschalvergütung von 3.000 DM erhalten.
Nachdem Hajek abgelehnt hatte, erläuterten die anderen Künstler der Gutachterkommission anhand von Skizzen und Modellen ihre Entwürfe. Mit Ausnahme von Günter Ücker; dessen Entwurf wurde von der Kommission abgelehnt, mit der Begründung, er zeige „einen gewollten Maßstabverstoß” und passe „nicht in den Rahmen der Architektur”. Desweiteren wurden die Entwürfe Gerstners und Knubels wegen einer möglichen Fehldeutung ihrer ideologischen Aussage nicht zur Ausführung empfohlen. Lediglich Manders hätte „mit wenig Mitteln […] ein überraschendes, verblüffendes Ereignis hervorgerufen.”
Der realisierte Entwurf befindet sich heute am Eingang NA-Nord. An der Ostseite des Objektes ist ein 40 cm breiter Spalt, in dem ursprünglich ein Tonbandgerät mit Dauerlauffunktion ein rhythmisch-organisches Geräusch produzieren sollte. Für Manders war es nach eigener Aussage primär von Belang, dass der Betrachter eine direkte Erklärung für die Form des Objektes sucht. Er solle erst seine audiovisuellen Eindrücke frei auf sich wirken lassen und dann eigene Assoziationen suchen. Leider muss sich der Betrachter nun mit dem rein visuellen Eindruck begnügen.

Zwei Nachzügler

Im Januar 1971 haben die Architekten gemeinsam mit dem Staatshochbauamt beschlossen, neue Entwürfe einzuholen. Dazu wurde eine Vorschlagsliste mit zehn Künstlern aufgestellt, aus der die Gutachterkommission im März 1972 Erwin Heerich und Adrian Dekkers mit der Anfertigung von Entwürfen beauftragte, die in der Sitzung vom 29. August 1972 endgültig angenommen wurden.
Heerich entwarf für die Versorgungskerne drei Varianten einer „metallischen Haut”, deren ebene Flächen durch eingeformte Viertelzylinder unterbrochen werden. Die Ausführung sollte in Edelstahlblechen erfolgen, da deren sichtbare Fugenteilung die Gesamtflächen gliedert und rhythmisiert. Die Verkleidung sollte als selbstständige, vom Betonkern unabhängige Hülle verstanden werden, die sich verstärkt durch ihre Fugen und den Abstand zu Boden und Decke lösen soll.
Dekkers schlug dagegen eine Verkleidung aus Betonschalen mit einer glatten, weißen Oberfläche vor. Die Entwürfe sind als Flachreliefs aus gegeneinander versetzten ebenen Flächen zu verstehen. Diese Flächenversätze aus senkrechten, waagerechten und diagonalen Teilungsmotiven sind so gewählt, dass unter den gegebenen Lichtverhältnissen möglichst starke Schattenwirkungen entstehen. Am 14. November 1973 wurden alle ausgewählten Entwürfe zur Ausführung bestimmt.
Die gestalteten Flächen wurden von den Fassaden und Decken abgerückt und mit einem Betonvorsatz versehen. Der Betonkern blieb so von außen ablesbar und die gestalterischen Umkleidungen erhielten den Charakter selbstständiger Vorhangelemente, da sie sich in ihren Abmessungen und ihrem Material weitgehend von der Gebäudekonstruktion absetzten. Dabei sollten die nebeneinanderliegenden Kerne jeweils unterschiedliche Signaturen haben, d. h. auf der Nord- und Südseite abwechselnd von anderen Künstlern gestaltet sein. Die verwandte Grundhaltung aller realisierten Entwürfe wurde von der Kommission als vorteilhaft angesehen, da so dem zusammenhängenden Baubereich der Naturwissenschaften ein gemeinsames Motiv zugeordnet werden konnte, das sich an jedem Gebäudekern in einer anderen Gestaltung ausdrückte.

Alexandra Apfelbaum
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