Unfassbares fassen
FR Philosophie veranstaltet Tagung zu Philosophie und
Popkultur
„Popkultur ist wie die Bibel: Kaum einer
hat sie gelesen, aber alle kennen die Zitate“,
sagt der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan. Intensiver
befassen sich die Studierenden des Fachschaftrats (FR)
Philosophie damit: Sie laden im Juni zu einer Tagung,
die Popkultur und Philosophie verknüpft. Bis zum
5. April können Studierende Essays einreichen und
sich aktiv daran beteiligen.
Madonna, Andy Warhol, Quentin Tarantino – drei
von tausenden Namen, die einem zur Popkultur einfallen
könnten. Der Begriff ist seit langer Zeit in aller
Munde, ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem
man verschiedenste Dinge assoziieren kann. Popkultur
begegnet uns allerdings nicht nur im alltäglichen
Sprachgebrauch, sondern auch im wissenschaftlichen Kontext.
Was aber bedeutet Popkultur? So oft dieses Wort auch
benutzt wird, so wenig definiert ist seine Bedeutung.
Etymologisch kann man herleiten, dass es vom lateinischen
populus (=Volk) kommt. Kultur des Volkes also, genauer
gesagt:kulturelle Erzeugnisse oder Praktiken, die bei
der breiten Masse Anwendung finden und zum Kulturgut
werden. Ein Massenphänomen, das nicht nur Musik
und Kunst, sondern auch Sport, Literatur und Medien
umfassen kann. Popkultur – ein Begriff also, der
sich nicht leicht fassen und schon gar nicht leicht
definieren lässt.
Genau mit dieser Frage beschäftigt sich der Fachschaftrat
Philosophie der RUB auf einer selbst organisierten Tagung
im Juni. Bis zum 5. April können interessierte
Studierende einen Essay zum Thema „Philosophie
und PopKultur?! – Eine Spurensuche” einreichen,
um sich daran zu beteiligen. Eine Jury aus Studierenden
und Dozent/innen bewertet die Essays. Die überzeugendsten
Autor/innen werden eingeladen, ihren Aufsatz auf der
Tagung zu präsentieren und im Tagungsband zu publizieren.
Spurensuche
Philosophiestudent Marcel Wrzesinski, Mentor der Veranstaltung,
betont, dass es bisher viel zu wenige Tagungen „von
Studenten für Studenten” gibt und wenn doch,
dann meist in den Naturwissenschaften. „Die Geisteswissenschaften
sind bisher leider unterrepräsentiert.” Der
Fachschaftrat versteht sich deshalb als Schnittstelle
für viele geisteswissenschaftliche Fächer
und richtet die Tagung interdisziplinär aus. Viele
verschiedene Blickwinkel auf das Thema sind möglich
und gewünscht. „Philosophisches Hinterfragen
von Dingen findet man ja in allen Bereichen der Geisteswissenschaft”,
betont Wrzesinski. Die Tagung soll Studierende zudem
motivieren, Eigenengagement zu zeigen: Sie sollen selbst
etwas schreiben und wissenschaftlich tätig werden.
Da die Hemmschwelle für Studierende auf Fachkongressen
oft sehr groß ist (nur wenige trauen sich, mit
renommierten Wissenschaftlern zu diskutieren), soll
die studentische Tagung Gelegenheit bieten, den ersten
Schritt in Richtung wissenschaftliche Praxis zu tun.
Dies soll gerade Studierende fördern, die sich
eine Zukunft in der Wissenschaft vorstellen können.
Zudem ist es den Organisatoren wichtig, die Teilnehmer
untereinander zu vernetzen. Sie sollen Gleichgesinnte
treffen und miteinander diskutieren.
Bei den Essays kommt es den Organisatoren in erster
Linie auf Kreativität an. Die Palette der möglichen
Themen ist ebenso groß wie die Definitionsmöglichkeiten
des Begriffes „Popkultur” selbst. „Das
Thema ist genaugenommen unser tägliches Leben,
denn Popkultur umgibt uns ständig. Nun geht es
darum, ihre Spuren zu entdecken”, erklärt
Wrzesinski. Allgemeine Themen wie die Schnelllebigkeit
gesellschaftlicher Phänomene sind ebenso denkbar
wie spezielle und ausgefallene Themen, z. B. das Frauenbild
in der Rap-Musik.
Bei erfolgreichem Verlauf möchte die Fachschaft
das Projekt weiterführen. „Vielleicht entwickeln
sich daraus ja bei anderen Fakultäten und Instituten
Ideen, ebenfalls eine studentische Tagung zu organisieren”,
hofft Wrzesinski. Er empfiehlt, dass man bei einem solchen
Vorhaben möglichst früh mit der Planung beginnen
solle: „Gerade wenn man Experten gewinnen will,
die auf der Tagung referieren sollen, muss man sich
weit im Voraus um sie bemühen, da der Terminplan
solcher Fachleute meist sehr voll ist”. Auch die
Finanzierung solle man frühzeitig klären,
so Wrzesinski, da die Genehmigung der Gelder von vielen
Gremien abhängig sei. „Der Rest läuft
aber vergleichsweise einfach”, beruhigt der Philosophiestudent.
Infos zu Tagung und Essays: http://www.fr-philo.rub.de/popkultur/index.html.
Katja
Bischof
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