Bereit, fähig und motiviert
Die Ruhr-Uni führt Kopfnoten ein
Arbeitgeber entscheiden sich zumeist für jene Bewerber,
die zuverlässig sind und über soziale Kompetenzen
verfügen. Vor diesem Hintergrund führt die RUB
als erste deutsche Uni ab dem 1.4.2009 neue Zeugnisformulare
ein. Sie enthalten fünf zusätzliche Felder für
Kopfnoten. Die Lehrenden sind ab sofort verpflichtet,
sog. soft skills ihrer Studierenden zu bewerten. Mit diesem
Pilotprojekt, das aus Studienbeiträgen (und mit ausdrücklichem
Votum der Studierenden) finanziert wird, erweist sich
die RUB einmal mehr als Vorreiterin der Hochschulreform.
Im Wettbewerb um die besten nationalen und internationalen
Stellenangebote sollen die Studierenden der RUB die Nase
vorn haben. Aus gesicherten Analysen von Stellenanzeigen
für Hochschulabsolventen ist bekannt, dass Arbeitgeber
ihren Nachwuchs insbesondere nach folgenden Aspekten auswählen:
„Durchsetzungsfähigkeit”, „Teamfähigkeit”,
„Einsatzbereitschaft”, „Leistungsmotivation”
und „Lernbereitschaft”. Diese Kriterien hat
die RUB nun in ihre Bachelor- und Master-Zeugnisformulare
aufgenommen. Zugleich hat sie die Lehrenden geschult,
damit sie die Studierenden darin mit Noten von 1 bis 5
bewerten können.
Die RUB will nicht nur die Chancen ihrer Absolvent/innen
verbessern; die Arbeitgeber sollen sicher gehen, dass
die Noten nach zuverlässigen Erkenntnissen zustande
gekommen sind. Um eine Inflation guter Kopfnoten, wie
in manchen Gymnasien üblich, zu vermeiden, hat die
Uni beschlossen, in jeder Fakultät Kopfnoten-Kommissionen
zu bilden, in denen Lehrende und Studierenden vertreten
sind. Sie wachen u.a. darüber, dass Kopfnoten von
mindesten fünf Lehrenden einvernehmlich vergeben
wurden. Zugleich führt die RUB ein Controlling ein
und macht die Leistungsabhängige Mittelzuweisung
an die Fakultäten auch davon abhängig, wie transparent
die Kopfnoten zustande gekommen sind.
Folgeprojekt „Blaue Briefe”
Die Uni hat bereits ein Folgeprojekt im Visier, das
noch vor dem Doppelabiturjahrgang 2011/12 erprobt
wird: Nach dem Erfolg der Elternabende zur Studienfachwahl
im vergangenen Semester sollen demnächst „Blaue
Briefe” die Eltern von Bachelor-Studierenden über
mangelnde Leistungen ihres Nachwuchses informieren.
Hintergrund dieser Überlegungen ist die Tatsache,
dass mit der Verkürzung der Schulzeit in Zukunft
wesentlich jüngere Studierende an die Unis
kommen und den Hochschulen nicht nur ein Ausbildungs-,
sondern vermehrt auch ein Erziehungsauftrag zukommen
wird.
jk
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