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RUBENS 131

1. Februar 2009

Gespräche vor dem Leinwandfeuer

Bei „Meet the Female Faculty” gehört der Rektor zur Minderheit



Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und jede Menge Fragen stellen. Das konnten die Teilnehmerinnen der abendlichen Veranstaltung „Meet the Female Faculty” Mitte Januar tun, die von der Internen Fortbildung und Beratung (ifb) und dem Gleichstellungsbüro organisiert wurde. Doktorandinnen, Postdoktorandinnen, Habilitandinnen und Professorinnen – kurz alle Wissenschaftlerinnen der RUB waren eingeladen, einige Stunden lang über Karriereplanung und Co. zu sprechen. Doch der erste, der im Veranstaltungszentrum der RUB zu Wort kam, war ein Mann. Rückblick auf einen aufschlussreichen Abend.

Rektor Prof. Elmar Weiler hat sich den ganzen Abend freigeschaufelt, um die Veranstaltung zu eröffnen und an den Gesprächsrunden teilzunehmen. „Gleichstellung ist eines unserer Schwerpunktthemen. Die Uni muss alles dafür tun, dass Barrieren für Wissenschaftlerinnen abgeschafft werden”, sagt er. Zustimmendes Nicken im Publikum.
Viele der Wissenschaftlerinnen sind heute nicht nur zum Erfahrungsaustausch gekommen. Gerade die Jüngeren haben konkrete Fragen. Jasmin Kemper, Doktorandin an der Fakultät für Maschinenbau möchte ins Ausland: „Ich würde gerne erfahren, welche Wege es da für mich gibt und was im Ausland möglich ist.” Auch die Medizin-Doktorandin Caroline May weiß, was sie von diesem Abend erwartet. „Welche Förderungsmöglichkeiten gibt es in der Forschung und wie kommt man mit seinem Forschungsvorhaben überhaupt durch, das interessiert mich”, sagt sie.

Karriere, Kinder und Körpersprache

Für solche Themen stehen Expertinnen in verschiedenen Gesprächsrunden Rede und Antwort. Viel Andrang erleben Junior-Professorin Danja Schünemann und Kolleginnen in der Runde zum Thema „Wissenschaft und Privatleben”. Die Wissenschaftlerinnen diskutieren intensiv darüber, wie eine Karriere in der Wissenschaft sich mit einer Familie vereinbaren lässt, aber auch darüber, wie viel Platz die Karriere noch für Freizeitspaß und Privates übrig lassen sollte. Ein paar Meter weiter beantwortet Elmar Weiler Fragen zur Gleichstellung an der Uni, kommentiert die Situation und hört sich Vorschläge der Wissenschaftlerinnen an. In der dritten Gruppe geht es ins Ausland: Wie lange sollte man im Ausland forschen, wer finanziert das und wie fühlt sich das Zurückkommen nach mehreren Jahren im Ausland an sind hier häufige Fragen.
Nicht nur Gespräche, sondern auch Bewegung fordert der Workshop, zu dem Körpersprache-Trainerin Heike Hofmann geladen hat. Im Selbstversuch testen die Wissenschaftlerinnen die richtige Körperhaltung und lernen, wie man sich bei einem wichtigen Vortrag besser nicht vor sein Publikum stellt.

Alle Fragen beantwortet

Eine Stunde später: Gruppentausch. Gar nicht so einfach, denn die Teilnehmerinnen wollen sich gar nicht so recht aus ihren Gesprächen losreißen. Aber es wird Zeit. Auf den Leinwänden lodert schon das Feuer und es knistert aus den Lautsprechern. „Kamingespräche” stehen auf dem Plan. Professorinnen aus den Geistes-, Natur-, Ingenieurwissenschaften und der Medizin sind gekommen, um den interessierten Frauen einen Einblick in ihre eigenen Karrierewege zu geben und auch sehr persönlich über Schwierigkeiten, Kämpfe und Erfolge zu sprechen. Zugleich aber geben sie ihren Zuhörerinnen auch Ratschläge und motivieren sie, ihre Ziele zu verfolgen. Prof. Martina Havenith-Newen (Physikalische Chemie II) berichtet in ihrer Gruppe zum Beispiel von unhöflichen Reaktionen männlicher Kollegen, die sie erlebt hat und rät: „Egal, was man Ihnen sagt – gehen sie einfach weiter!”
Im Anschluss merkt man: Die Veranstaltung hat ihr Ziel nicht verfehlt. Ganz im Gegenteil: Gerade die jüngeren Wissenschaftlerinnen wirken gelöst, reden mit Kolleginnen munter über neue Karrierestrategien. Auch Doktorandin Jasmin Kemper ist zufrieden: „ Ich war überrascht, dass ich in so kurzer Zeit so viele nützliche Informationen und Antworten bekommen habe. Meine Fragen sind erst mal alle geklärt.”
Am Ausgang können die Teilnehmerinnen Lob und Kritik auf Schautafeln loswerden. Ihr Anblick wird die Organisatoren des ifb und des Gleichstellungsbüros sicher freuen, denn das Lob überwiegt sehr deutlich. „Bitte mehr davon”, „angenehme Atmosphäre” und „schön, dass Kind und Karriere hier als so selbstverständlich angesehen werden” kann man dort lesen. Das lässt hoffen, dass es bis zu „Meet the Female Faculty 2” nicht allzu lange dauern wird.

Sarah Ziegler
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