Gespräche
vor dem Leinwandfeuer
Bei „Meet
the Female Faculty” gehört der Rektor zur
Minderheit
Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen
und jede Menge Fragen stellen. Das konnten die Teilnehmerinnen
der abendlichen Veranstaltung „Meet the Female Faculty”
Mitte Januar tun, die von der Internen Fortbildung und
Beratung (ifb) und dem Gleichstellungsbüro organisiert
wurde. Doktorandinnen, Postdoktorandinnen, Habilitandinnen
und Professorinnen – kurz alle Wissenschaftlerinnen
der RUB waren eingeladen, einige Stunden lang über
Karriereplanung und Co. zu sprechen. Doch der erste, der
im Veranstaltungszentrum der RUB zu Wort kam, war ein
Mann. Rückblick auf einen aufschlussreichen Abend.
Rektor Prof. Elmar Weiler hat sich den ganzen Abend freigeschaufelt,
um die Veranstaltung zu eröffnen und an den Gesprächsrunden
teilzunehmen. „Gleichstellung ist eines unserer
Schwerpunktthemen. Die Uni muss alles dafür tun,
dass Barrieren für Wissenschaftlerinnen abgeschafft
werden”, sagt er. Zustimmendes Nicken im Publikum.
Viele der Wissenschaftlerinnen sind heute nicht nur zum
Erfahrungsaustausch gekommen. Gerade die Jüngeren
haben konkrete Fragen. Jasmin Kemper, Doktorandin an der
Fakultät für Maschinenbau möchte ins Ausland:
„Ich würde gerne erfahren, welche Wege es da
für mich gibt und was im Ausland möglich ist.”
Auch die Medizin-Doktorandin Caroline May weiß,
was sie von diesem Abend erwartet. „Welche Förderungsmöglichkeiten
gibt es in der Forschung und wie kommt man mit seinem
Forschungsvorhaben überhaupt durch, das interessiert
mich”, sagt sie.
Karriere, Kinder und Körpersprache
Für solche Themen stehen Expertinnen in verschiedenen
Gesprächsrunden Rede und Antwort. Viel Andrang
erleben Junior-Professorin Danja Schünemann und
Kolleginnen in der Runde zum Thema „Wissenschaft
und Privatleben”. Die Wissenschaftlerinnen diskutieren
intensiv darüber, wie eine Karriere in der Wissenschaft
sich mit einer Familie vereinbaren lässt, aber
auch darüber, wie viel Platz die Karriere noch
für Freizeitspaß und Privates übrig
lassen sollte. Ein paar Meter weiter beantwortet Elmar
Weiler Fragen zur Gleichstellung an der Uni, kommentiert
die Situation und hört sich Vorschläge der
Wissenschaftlerinnen an. In der dritten Gruppe geht
es ins Ausland: Wie lange sollte man im Ausland forschen,
wer finanziert das und wie fühlt sich das Zurückkommen
nach mehreren Jahren im Ausland an sind hier häufige
Fragen.
Nicht nur Gespräche, sondern auch Bewegung fordert
der Workshop, zu dem Körpersprache-Trainerin Heike
Hofmann geladen hat. Im Selbstversuch testen die Wissenschaftlerinnen
die richtige Körperhaltung und lernen, wie man
sich bei einem wichtigen Vortrag besser nicht vor sein
Publikum stellt.
Alle Fragen beantwortet
Eine Stunde später: Gruppentausch. Gar nicht so
einfach, denn die Teilnehmerinnen wollen sich gar nicht
so recht aus ihren Gesprächen losreißen.
Aber es wird Zeit. Auf den Leinwänden lodert schon
das Feuer und es knistert aus den Lautsprechern. „Kamingespräche”
stehen auf dem Plan. Professorinnen aus den Geistes-,
Natur-, Ingenieurwissenschaften und der Medizin sind
gekommen, um den interessierten Frauen einen Einblick
in ihre eigenen Karrierewege zu geben und auch sehr
persönlich über Schwierigkeiten, Kämpfe
und Erfolge zu sprechen. Zugleich aber geben sie ihren
Zuhörerinnen auch Ratschläge und motivieren
sie, ihre Ziele zu verfolgen. Prof. Martina Havenith-Newen
(Physikalische Chemie II) berichtet in ihrer Gruppe
zum Beispiel von unhöflichen Reaktionen männlicher
Kollegen, die sie erlebt hat und rät: „Egal,
was man Ihnen sagt – gehen sie einfach weiter!”
Im Anschluss merkt man: Die Veranstaltung hat ihr Ziel
nicht verfehlt. Ganz im Gegenteil: Gerade die jüngeren
Wissenschaftlerinnen wirken gelöst, reden mit Kolleginnen
munter über neue Karrierestrategien. Auch Doktorandin
Jasmin Kemper ist zufrieden: „ Ich war überrascht,
dass ich in so kurzer Zeit so viele nützliche Informationen
und Antworten bekommen habe. Meine Fragen sind erst
mal alle geklärt.”
Am Ausgang können die Teilnehmerinnen Lob und Kritik
auf Schautafeln loswerden. Ihr Anblick wird die Organisatoren
des ifb und des Gleichstellungsbüros sicher freuen,
denn das Lob überwiegt sehr deutlich. „Bitte
mehr davon”, „angenehme Atmosphäre”
und „schön, dass Kind und Karriere hier als
so selbstverständlich angesehen werden” kann
man dort lesen. Das lässt hoffen, dass es bis zu
„Meet the Female Faculty 2” nicht allzu
lange dauern wird.
Sarah
Ziegler
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