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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 131 |
1. Februar 2009
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Abgesetzt
Campusroman
aus Tübingen
Seine Vorlesung gilt als eine der langweiligsten und sinnlosten
an der Uni Tübingen. Die Studentenzeitung schreibt
darüber, die Hörer bleiben weitgehend aus, letztlich
deckt es auch die Uni-weite Evaluation auf. Folglich wird
die Vorlesung zum Drama von Dr. habil. Konrad Monteiro
abgesetzt. Es ist seine einzige Vorlesung, die er im Übrigen
seit über zehn Jahren in unveränderter Form
hält. Also wird Monteiro an der Philologischen Fakultät
eigentlich überflüssig, schließlich ist
auch sein Vertrag nur befristet. Vorübergehend kann
noch er am Lehrstuhl des Dekans unterschlüpfen –
und darf dessen regelmäßige Diaabende besuchen;
inkl. Kaffee, Kuchen, großen Vorträgen und
hinterlistigen Quizfragen des Dekans zur deutschen Literatur.
Weitere Aufgaben hat Monteiro am Lehrstuhl nicht zu bewältigen.
Schon diese wenigen Zeilen verdeutlichen: Autor Joachim
Zelter (einst selbst Dozent in Tübingen) nähert
sich der akademischen Welt auf bissige und ironische Weise,
gleiches gilt für die museale Universitätsstadt
Tübingen. Andererseits könnte der Anti-Held
Konrad Monteiro gewiss auch andere Jobs haben, um mit
sich und dem Leben nicht klar zu kommen: Immerhin unternimmt
schon zu Beginn des Romans einen (allerdings halbherzigen)
Selbstmordversuch. So aber soll Monteiro als kauziger
und ausgebrannter Verlierertyp stellvertretend für
die Hochschulwelt stehen, die gerade solchen Menschen
eine Nische gibt. Zu Lasten vieler anderer, in diesem
Fall der Studenten, die rein gar nichts von Monteiros
Arbeit haben.
Wie es aber so oft bei Anti-Helden der Fall ist: Auch
Konrad Monteiro wächst einem auf den rund 180 Seiten
ans Herz; man fiebert durchaus mit ihm, wenn er innerhalb
seiner Nische sozusagen nach Unternischen sucht, in die
er vielleicht noch besser passt – und wo er unter
Umständen tatsächlich etwas Sinnvolles leisten
könnte. Und dann ist da noch Faba, an die Konrad
sein Herz verliert, die nach einer sehr kurzen ersten
Begegnung plötzlich verschwindet, genauso unvermittelt
virtuell wieder auftaucht, kurz vor einer realen zweiten
Begegnung wieder verschwindet und schließlich erneut
sichtbar wird, zunächst aber nur auf Konrad Monteiros
Mattscheibe.
Info: Joachim Zelter: „How are
you, Mister Angst?”, Klöpfer & Meyer Verlag,
Tübingen 2008, 184 Seiten, 18,50 Euro
ad
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