Alles auf
Anfang
Gebäudeserie:
IB
Jeder von uns kann sich sicher noch an sein erstes
Semester an der Ruhr-Uni erinnern. Wer hat sich anfangs
nicht in den Kellerräumen verirrt und verzweifelt
einen Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 02 und
mal auf 01? Und warum gibt es nicht überall eine
Cafeteria? RUBENS liefert die Antworten – diesmal
zum Gebäude IB.
Kleine Zeitreise gefällig? Es ist der 2. Januar 1964.
Auf dem Campusgelände brummen die Bagger und Betonmischer
wahrscheinlich schon in freudiger Erwartung auf dem Campusgelände
vor sich hin. An diesem Tag beginnt offiziell der Bau
der Ruhr-Universität. Und damit auch die Geschichte
des IB-Gebäudes. Denn am Anfang, da sind es nur IB
und das Nachbarhaus IA, die auf dem Campus entstehen.
Alle anderen Gebäude – von den Geistes- bis
zu den Naturwissenschaften – gibt es erst mal nur
auf dem Papier. Als ein Jahr später, im Herbst 1965,
die ersten rund 2.000 Studenten ihr Studium aufnehmen,
werden IA und IB zu einer Übergangsheimat für
die Geisteswissenschaftler. Aus den Fenstern der Gebäude
können sie das Wachstum der Uni verfolgen.
Zurück ins Jahr 2009. Die Erstlings-Gebäude
sind schon lange nicht mehr allein und die Geisteswissenschaftler
haben sich in ihren Teil des Campus zurückgezogen.
Heute ist im IB-Gebäude die Fakultät für
Maschinenbau zuhause; außen sind Versuchshallen
und Werkstätten dazugekommen. In IB tummeln sich
in erster Linie die rund 1.800 Studierenden der drei Studiengänge,
die die Fakultät anbietet: Maschinenbau, Umwelttechnik
und Ressourcenmanagement sowie Sales Engineering and Product
Management.
Flugzeuge und Kettenkarussells
Wer von Maschinenbau und Co. keine Ahnung hat, der
wird gleich im Haupteingang auf der Westseite von Ebene
03 ein wenig aufgeklärt. Hier hängen Kunstwerke,
die Arbeitsbereiche zeigen, in denen Konstruktionen
aus dem Forschungsfeld der Fakultät eine Rolle
spielen können: vom Flugzeug über Windkrafträder
bis hin zu Fußballstadien und Kettenkarussells.
Nach diesem kleinen Aha-Effekt (Wer denkt bei Maschinenbau
schon an die Kirmes?) am Eingang lohnt es sich, die
Reise durch das IB-Gebäude in die höheren
Ebenen fortzusetzen – denn wirklich viel los ist
hier unten nicht. Das ändert sich nach rund 60
Treppenstufen bzw. einer kurzen Fahrt mit einem der
Aufzüge. Auf Ebene 01 angekommen – übrigens
der einzigen weiteren Etage mit einem Ein- und Ausgang
– wird das Stimmengewirr lauter.
Das liegt eindeutig daran, dass es hier etwas zu Essen
gibt. Das IB beherbergt die einzige Cafeteria der Ingenieurswissenschaften;
darum kommen auch die Nachbarn aus der Elektro- und
Informationstechnik im IC und die Bauingenieure aus
dem IA gerne mal rüber. Die Cafeteria ist proppenvoll.
Neben leeren Tellern ist auf jedem Tisch mindestens
ein Laptop aufgeklappt – hier wird nicht nur gespeist,
sondern auch gearbeitet.
Wer beim Essen und Lernen vergessen haben sollte, wo
er sich befindet, wird gleich vor der Cafeteria wieder
daran erinnert. Denn dort – gleich neben dem Ein-
und Ausgang begrüßt die Karosserie eines
Mercedes die Besucher. Auch ein Motorblock und kleine
Konstruktionen wie Nockenwelle oder Radialverdichter
lassen sich hier aus der Nähe betrachten.
In den Etagen darüber – weg vom Cafetentrubel
– wird es wieder ruhiger. Hier sitzen die meisten
Lehrstühle der Fakultät – von A wie
Allgemeine Mechanik bis immerhin V wie Verbrennungsmotoren.
Nur die Institute für Mechanik und die Werkstoffwissenschaften
sind nirgends zu finden; sie liegen im Gebäude
IA.
Fliegende Eier
Einmal im Jahr, da ist im und am IB-Gebäude nichts
mehr so, wie es war. An diesem Tag übernehmen die
Eier die Macht. Beim Wettbewerb Flying Ei der Fachschaft
Maschinenbau wird aus der Ruhe Krach. Man hört
Jubel und Applaus und sieht vielleicht den einen oder
anderen Nachwuchsingenieur, der gerade ein Stoßgebet
zum Himmel schickt. Der Grund: Ein rohes Ei muss mit
Hilfe einer eigens erbauten Konstruktion sicher und
unbeschadet allerlei Hürden nehmen, zum Beispiel
einen Hügel hinauf rollen, über ein 2,50 Meter
hohes Hindernis fliegen oder sich todesmutig vom Dach
des IB-Gebäudes stürzen. Auch wenn dieser
Wettbewerb den Eiern sicher wenig Spaß macht:
Für die Fachschaft ist er nicht nur längst
Tradition, sondern auch ein voller Erfolg, der sich
mittlerweile in ganz Deutschland herumgesprochen hat
– bei Maschinenbauern genauso wie bei den Medien.
Bis auf den Schriftzug Maschinenbau am Eingang lässt
sich von außen nicht allzu gut erkennen, was sich
hinter den Türen verbirgt. Aber wer sich auf eine
kleine Erkundungstour durch das IB einlässt, wird
sich beim nächsten Kirmesbesuch – hoch oben
auf dem Kettenkarussell - vielleicht erinnern, dass
zwischen den Lichtern auch irgendwo ein bisschen Maschinenbau
das Ganze zusammenhält.
Sarah
Ziegler
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