Preiswerte
Daten
Prof. Notburga Otts Arbeit im Rat für Sozial- und
Wirtschaftsdaten
Die frühere Prorektorin für Lehre, Weiterbildung
und Medien Prof. Notburga Ott (Sozialwissenschaft) wurde
Ende 2008 in den Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten
berufen. Kürzlich nahm sie erstmals an einer Sitzung
teil. Im Gespräch mit Arne Dessaul erläutert
Prof. Ott, was es mit diesem Rat auf sich hat und wie
Wissenschaftler/innen der RUB von Forschungsdatenzentren
wie dem Statistischen Bundesamt profitieren können.
RUBENS: Frau Prof. Ott, was muss man sich unter dem Rat
für Sozial- und Wirtschaftsdaten vorstellen?
Prof. Ott: Das zwölfköpfige Gremium wurde 2004
von der Bundesregierung eingerichtet. Zu seinen Aufgaben
gehört es, Wissenschaftlern den Zugang zu Daten der
amtlichen Statistik und der Verwaltung wie z.B. der Rentenversicherung
und der Bundesagentur für Arbeit für Forschungszwecke
zu eröffnen. Hierzu wurden so genannte Forschungsdatenzentren
geschaffen, Früher war es sehr schwierig, an diese
Informationen zu kommen. Als Wissenschaftlerin vertrete
ich in dem Gremium die Nutzerseite und kann sagen, wie
die Daten für Forschungszwecke aufbereitet sein müssen.
Im Rat sitzen sechs empirische Forscher und sechs Vertreter
der Datenproduzenten.
RUBENS: Und was sind Forschungsdatenzentren?
Prof. Ott: Bislang gibt es sechs dieser Zentren, die jeweils
an öffentlichen Einrichtungen angesiedelt sind: am
Statistischen Bundesamt, bei den Statistischen Landesämtern,
bei der Deutschen Rentenversicherung, am Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, im Bundesinstitut für
Berufsbildung und am Institut für Qualitätsentwicklung
im Bildungswesen. Hinzu kommen zwei Datenservicezentren.
Kosten und Mühen sparen
RUBENS: Welche Daten werden dort erhoben?
Prof. Ott: Das reicht von amtlicher Statistik zu Geburten,
Todesfällen, Konjunkturdaten, Arbeitsmarktzahlen
oder Daten zu den Sozialversicherungen bis hin zu Verbraucherinformationen
aus der Marktforschung. Es handelt sich durchweg um
Daten, die für die Wissenschaft höchst interessant
sind. Vor allem sind es Zahlen, die bereits vorhanden
sind. Das heißt, ein Forscher kann sich die Kosten
und Mühen einer empirischen Untersuchung sparen,
und das im wahrsten Sinne.
RUBENS: Wie meinen Sie das?
Prof. Ott: Wenn er umfangreiche Daten für sein
Forschungsvorhaben selbst erheben müsste, könnte
ihn das durchaus einen fünfstelligen Betrag kosten.
So aber bekommt er die Daten für vielleicht 50
oder 100 Euro.
RUBENS: Und wie bekommt er sie?
Prof. Ott: Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Am einfachsten erhält ein Wissenschaftler oder
auch ein Student Daten als so genanntes public use file,
das ist eine beispielsweise auf CD ROM gebrannte Datei
mit komplett anonymisierten Datensätzen. Das sind
meist Daten, die auch gut in der Lehre eingesetzt werden
können. Für reine Forschungszwecke gibt es
die scientific use files mit faktisch anonymisierten
Datensätzen, die einen höheren Datenschutz
erfordern, aber ebenfalls auf CD ROM oder ähnlichen
Datenträgern herausgegeben werden. Es gibt aber
Ausnahmen bei besonders zu schützenden und ohne
Informationsverlust nicht hinreichend anonymisierbaren
Daten. Dann wird der Datenzugang durch die Einrichtung
von Gastwissenschaftlerarbeitsplätzen im Forschungsdatenzentrum
oder den Aufbau eines kontrollierten Ferndatenzugriffs
hergestellt.
Auch für Studierende
RUBENS: Und wie oft machen Forscher von
diesem Angebot Gebrauch?
Prof. Ott: In meinem Fachbereich sehr regelmäßig,
gefragt sind dort beispielsweise Arbeitsmarktdaten oder
Zeitbudgeterhebungen. Auch unsere Studierenden greifen
darauf zurück, vorrangig bei empirisch ausgerichteten
Diplom- oder Masterarbeiten. Viele der Daten lassen
sich wie gesagt auch hervorragend in der Lehre einsetzen.
Deshalb kann ich anderen Wissenschaftlern nur nachdrücklich
raten, dieses Angebot zu nutzen, auf unserer Homepage
wird es sehr übersichtlich dargestellt.
RUBENS: Der Rat hat sich ja erst vor ein paar Wochen
getroffen. Welche Themen wurden auf der Sitzung angesprochen?
Prof. Ott: Oh, das waren einige Punkte. Zum einen haben
wir über Möglichkeiten diskutiert, die Funktionen
der Forschungsdatenzentren und der Datenservicezentren
noch weiter zu stärken. Außerdem bemühen
wir uns, dass weitere Forschungsdatenzentren eingerichtet
werden, beispielsweise in den Bereichen Jugendforschung,
Gesundheitsforschung oder Kriminalstatistiken. Und dann
gilt es auch noch die anstehende Begutachtung unseres
Rates durch den Wissenschaftsrat vorzubereiten.
Infos zum Rat für Sozial- und
Wirtschaftsdaten: http://www.ratswd.de
md
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