Starthilfe
für Tutoren
Zentrale Tutoren-Ausbildung macht fit für den Einsatz
Sie sind die ersten an der Uni, die für frisch
von der Schule gekommene Erstsemester einen Namen haben.
Diejenigen, die wissen, wann man anfangen sollte, für
die erste Klausur zu lernen. Die, die einem sagen können,
wie VSPL funktioniert und wie die Datenbank in der Bibliothek
das Gesuchte ausspuckt: Tutoren, so unterschiedlich ihre
Aufgaben in den verschiedenen Fakultäten sind, machen
Erstis den Start erheblich leichter. Dass sie als Tutor
selbst auch einen Start hinlegen müssen, vergisst
man da leicht.
„Häufig ist es ja so, dass man als Tutor das
erste Mal als Leiter vor einer größeren Gruppe
steht und sich plötzlich in einer Rolle wiederfindet,
auf die man gar nicht vorbereitet ist”, sagt Annette
Wolff. Sie bietet an der Ruhr-Uni Lehrgänge für
Tutorinnen und Tutoren an, zugeschnitten auf die Bedürfnisse
der einzelnen Fächer. Um fachliche Inhalte des jeweiligen
Spezialgebiets geht es dabei weniger. Im Mittelpunkt stehen
Fragen wie: Wie bereite ich eine Tutorien-Stunde vor?
Wie strukturiere ich sie? Wie gehe ich mit der Gruppe
um? Wie motiviere ich die Teilnehmer und beziehe sie aktiv
ein?
Solche Vorbereitung zahlt sich aus, sowohl für den
Tutor als auch für seine Gruppe. „Mich hat
die Tutoren-Ausbildung viel sicherer gemacht – auch
wenn ich vorher dachte, dass das bestimmt eher überflüssig
ist”, sagt Alexander Dehmel, der im 8. Semester
Jura studiert und seit drei Semestern als Tutor arbeitet.
„Wir haben zum Beispiel geübt, wie man frei
vor einer Gruppe spricht und haben uns gegenseitig ein
Feedback gegeben. Dabei hat sich herausgestellt, dass
ich viel souveräner wirkte, als ich mich selbst fühlte.”
Am zweiten Tag gab es für die zehn angehenden Tutoren,
die sich auf eine Ausschreibung der Fakultät beworben
hatten, interne Informationen, etwa zur Studienordnung,
von Anne Bauer, die das Mentoren-Programm der Juristen
koordiniert. „Bei uns bekommt jeder angehende Tutor
diese zweitägige Ausbildung”, so Anne Bauer,
„das wird schon lange so gehandhabt.” Zum
Mentoren-Programm, das komplett aus Studienbeiträgen
finanziert wird, gehört neben dem Tutorium im ersten
Semester, das vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen
und der Orientierung auf dem Campus dient, in den folgenden
zwei Semestern eine Betreuung durch wissenschaftliche
Mitarbeiter und durch Professoren, die auch von Anfang
an als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und gelegentlich
am Tutorium teilnehmen.
32 Tutorien für 1 Modul
Die Aufgaben der Tutoren in den Wirtschaftswissenschaften
sehen ziemlich anders aus. Auch sie sind natürlich
Ansprechpartner für elementare Fragen des alltäglichen
Unilebens, vor allem aber ergänzen sie als Fachtutoren
Vorlesungen und Übungen. Zu jeder Vorlesung gibt
es ein Tutorium, dessen Besuch zwar freiwillig ist,
sich aber sehr empfiehlt. Denn im Hörsaal sitzen
jeweils Hunderte Studierende und das Lehrprogramm ist
dicht. Fragen wird man da besser in einer kleineren
Gruppe los: 25 Personen bilden jeweils ein Tutorium.
Eines zu finden, das in den eigenen Stundenplan passt,
fällt nicht schwer, denn die Termine sind zahlreich.
Allein zum Teilmodul „Produktionswirtschaft”
der Modulklausur „Einführung in die BWL”
von Prof. Marion Steven werden 32 Tutorien angeboten.
Je vier Gruppen davon werden von Philipp Heinrich und
Svenja Lehmann betreut, die im 11. bzw. 6. Semester
studieren und zu ihrer Anfangszeit noch nicht das Glück
hatten, Tutorien besuchen zu können. Erst mit Einführung
der Studienbeiträge wurde dieses Angebot an der
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften eingeführt.
„Das hat die Lehre auf jeden Fall erheblich verbessert”,
sagt Philipp. „Wenn ich dran denke, wie das damals
bei uns war – in der Übung konnte man vor
lauter eiligem Mitschreiben überhaupt keine Frage
stellen.” „Im Hörsaal mit über
hundert Leuten hätte man sich das auch kaum getraut”,
ergänzt Svenja. Entsprechend hoch waren die Durchfallquoten
der Klausuren, die inzwischen stark gesunken sind.
Tutorien werden bei den Wirtschaftswissenschaftlern
von jedem Lehrstuhl zu jeder Grundlagenveranstaltung
angeboten, so dass Erst- und Zweitsemester jeweils mehrere
Tutorien besuchen. Zusätzlicher Anreiz sind am
Lehrstuhl Steven die Credit Points, die sich durch regelmäßiges
Erscheinen und Erledigen der Hausaufgaben erwirtschaften
lassen und die Klausurnote deutlich aufbessern können.
Auch für Philipp und Svenja gehörte die eintägige
zentrale Tutoren-Ausbildung bei Annette Wolff automatisch
zum Job dazu; sie waren die ersten Wiwi-Fachtutoren,
die die Schulung besuchten. Philipp kam daher erst vor
seinem zweiten Semester als Tutor in ihren Genuss. „Seit
dem Lehrgang gestalte ich meine Stunden interaktiver”,
zieht er Bilanz. Auch für Svenja war es wichtig,
verschiedene Möglichkeiten gezeigt zu bekommen,
wie man Studierende motiviert und zum Mitmachen animiert
– aber auch Techniken, den Unterricht persönlicher
zu gestalten. „Der Lehrgang hat den Horizont für
neue Methoden erweitert. Wir haben dort das pädagogische
und psychologische Rüstzeug bekommen”, erzählt
sie. „Das macht einen schon sehr viel lockerer.”
Neue Selbstsicherheit
Diese Selbstsicherheit der Tutoren in ihrer Rolle ist
es, auf die Annette Wolff (Zentrale Tutoren-Ausbildung)
nicht nur mittels Lehrgängen hinarbeitet. Sie hat
auch mit der Kommission für Lehre Leitlinien zum
Einsatz von Tutorinnen und Tutoren an der RUB entwickelt.
„So unterschiedlich die Aufgaben und auch Bezeichnungen
von studentischen Tutorien auch sind – manche
Tutoren heißen auch studentische Übungsgruppenleiter
oder Mentoren – gewissen Qualitätskriterien
sollten sie alle genügen”, betont sie. In
den Leitlinien findet sich daher eine Definition des
Begriffs, die Verantwortlichkeiten werden festgeschrieben,
die Aufgaben eines Tutoriums umgrenzt, die Vergütung
und Betreuung der Tutoren angesprochen. Alles im Dienste
der Qualität der Lehre, zu der ein gutes Tutorium
maßgeblich beitragen kann.
Und nicht nur die Lehre profitiert. Wer sich als Tutor
engagiert, der hat auch selbst etwas davon: Routine
im freien Vortrag auch vor größeren Gruppen,
einen Pluspunkt im Lebenslauf. Vor allem aber auch das
gute Gefühl, etwas Sinnvolles geleistet zu haben.
Info: http://www.rub.de/tutprogramm/
md
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