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RUBENS 130

5. Januar 2009

Vom Keller in die Welt

RUB-Ausgründung TerraTransfer scheut sich nicht vor dem globalen Markt

Früher wurden von hier aus Kleidungsstücke in die ganze Welt geschickt. Heute sitzen in den weißen Büro- und Fabrikgebäuden in einem Wattenscheider Gewerbegebiet zahlreiche kleine Firmen. Auf einer der Eingangstüren klebt ein provisorisches Papierschild: TerraTransfer. Weitere Schilder führen die Besucher bis in den Keller des Gebäudes. Hinter dem Namen TerraTransfer verbirgt sich ein noch kleines Unternehmen, das Systeme für Umweltmessungen verkauft; 2007 mit Unterstützung von rubitec aus der RUB ausgegründet. Doch die Ziele der beiden Firmengründer Marcel Delker und Sven Schulz sind groß, an Optimismus und Ehrgeiz mangelt es nicht. Nur an der Einrichtung, da könnte man noch feilen.

Die Büroräume im Keller sind recht großzügig – auch deshalb, weil nicht viele Möbel drin stehen. Ein Konferenzraum mit Tisch und Stühlen, nebenan ein Büro mit Schreibtischen und weiter hinten noch eine kleine Werkstatt. Hier wird viel gearbeitet, das merkt man gleich. Für die Inneneinrichtung bleibt da vorläufig keine Zeit. In der Werkstatt greifen die beiden Geschäftsführer Marcel Delker und Sven Schulz, beide Diplom-Geographen, auch selber zum Werkzeug. Für die kleinen Stückzahlen, die sie im Moment produzieren, reicht der kleine Raum. Noch. Doch wenn der Business-Plan der beiden aufgeht, dann wird der Platz schon sehr bald eng.

Computer ersetzt Handarbeit

Die Geschichte von TerraTransfer beginnt mit der Diplomarbeit von Delker und Schulz, die sie im Frühjahr 2007 an der RUB abgeschlossen haben. Vollautomatisierte Umweltmessnetze entwickeln, das war der Plan, der vielen potenziellen Kunden das Arbeitsleben erleichtern soll. Die TerraTransfer-Systeme gewährleisten eine automatische und kontinuierliche Überwachung von Gewässerständen und anderen Umweltparametern. Ein großer Fortschritt, sagt Marcel Delker: „Bisher müssen Messwerte, zum Beispiel für Grundwasserstände, in der Regel manuell abgelesen werden. Man fährt also zur Messstelle hin, fährt wieder zurück, gibt die Daten in eine Tabelle ein und wiederholt das im nächsten Monat. Das ist mehr als aufwändig. Und eine zeitnahe Reaktion auf akute Änderungen im Grundwasserspiegel zum Beispiel ist da gar nicht möglich.”
Viele der rund 30.000 Gewässer-Messstellen allein in Nordrhein-Westfalen werden zurzeit gar nicht erst abgelesen, weil den Ämtern und Wasserverbänden die Kapazitäten fehlen. Die vollautomatisierte Variante von TerraTransfer schafft da Abhilfe. Die Messgeräte senden eigenständig – in einem vom Kunden bestimmten Zeitabstand – ihre Messdaten an einen Server, der entweder beim Kunden oder zentral bei TerraTransfer steht. So können die Kunden ihre Daten gleich abrufen und dementsprechend schnell auf Probleme reagieren. Kosten verursacht das System kaum, denn die Messgeräte arbeiten mit einem kleinen integrierten Modem, wie es in Handys zu finden ist. Jede Datenübertragung vom Messgerät zum Server über das Handynetz wird so von einem Prepaid-Handy-Konto abgebucht und kostet nur etwa einen Cent. Da können 15 Euro Guthaben auf der Handy-Karte durchaus einige Jahre reichen – und wer es verbraucht hat, lädt es einfach online wieder auf.

Viele potenzielle Kunden

„Mit unserem System sind wir der Konkurrenz im Bereich Umweltmesssysteme einige Jahre voraus. Die arbeiten mit älterer und langsamerer Technik, haben höchstens teilautomatisierte Systeme entwickelt”, erzählt Marcel Delker. „Uns war darum von vornherein klar, dass für unser Produkt ein Markt da ist.” Dieser Markt ist sogar ziemlich groß. Mittlerweile hat TerraTransfer auch Messgeräte für Boden- oder Klimadaten entwickelt. Ingenieurbüros, die für ihre Planungen Informationen über die Bodenfeuchte brauchen, sind damit genauso potenzielle Kunden wie Wetterdienste, geologische Dienste, Stadtwerke, Schifffahrtsämter oder Wasserverbände. „Dieses breite Geschäftsfeld ist für uns ein weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die sich eben stark auf Gewässerdaten konzentriert”, meint Delker.
Trotz der Gründung im Jahr 2007: So richtig los ging es bei TerraTransfer erst vor einigen Monaten; da begann der Vertrieb der Messgeräte. Monatelang haben die beiden Diplom-Geographen und ihre wenigen Mitarbeiter dafür die Werbetrommel geschlagen, sich bei Wasserverbänden und Ämtern vorgestellt. Zugleich lief das Gründer-Stipendium EXIST aus, das TerraTransfer im ersten Firmenjahr unterstützt hat. Jetzt stehen Marcel Delker und Sven Schulz also ganz auf eigenen Füßen: „Dieses Jahr mit dem Gründer-Stipendium war gut für uns. Nicht nur um an unserem Produkt zu feilen, sondern auch um was über das Geschäft zu lernen. Uns ist klar, dass die Lernphase noch nicht vorbei ist, aber wir haben jetzt eine gute Basis.”

Bis China haben sie es schon geschafft

Diese Basis soll schnell ausgebaut werden; die Ziele sind groß. Schon in diesem Jahr wünschen sich die beiden Diplom-Geographen und Firmenchefs im Bereich Gewässermessnetze einen bundesweiten Marktanteil von 5 bis 10 Prozent. Doch wenn schon, dann richtig, scheint das Motto der beiden Neugründer zu sein. Allein mit dem deutschen Markt wollen sie sich nicht zufrieden geben. Ebenfalls in diesem Jahr ist ein Einstieg ins europäische Geschäft geplant, gemeinsam mit Vertriebspartnern, die sich auf dem Gebiet auskennen. Dass ihr Produkt auch international mithalten kann, davon sind beide überzeugt. Denn generell gilt Deutschland auf dem Gebiet der Umweltmesssysteme als Marktführer und hat somit einen guten Ruf in der Branche.
Einen kleinen Beweis für die Internationalität ihrer Firma haben Marcel Delker und Sven Schulz außerdem schon. Ihre Messgeräte haben es bereits ins Ausland geschafft; einige von ihnen stehen am Jangtse-Staudamm in China. Da ist der Optimismus des TerraTransfer-Teams also bei Weitem nicht unbegründet. „Außerdem”, ergänzt Marcel Delker, „wer nicht optimistisch ist, der sollte überhaupt nicht gründen.”
Wenn das mit dem Erfolg erst einmal geklappt hat, dann sollen übrigens bald weitere Mitarbeiter eingestellt werden, um das Team zu verstärken. Und vielleicht bleibt dann ja noch etwas Zeit und Geld übrig – für die Einrichtung.

Info: Die Firma im Netz: http://www.terratransfer.de; Infos für angehende Unternehmensgründer bei der Gesellschaft für Innovation und Technologie der RUB rubitec: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubitec.

Sarah Ziegler
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Letzte Änderung: 5.1.2009| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik