Vom Keller
in die Welt
RUB-Ausgründung
TerraTransfer scheut sich nicht vor dem globalen Markt
Früher wurden von hier aus Kleidungsstücke
in die ganze Welt geschickt. Heute sitzen in den weißen
Büro- und Fabrikgebäuden in einem Wattenscheider
Gewerbegebiet zahlreiche kleine Firmen. Auf einer der
Eingangstüren klebt ein provisorisches Papierschild:
TerraTransfer. Weitere Schilder führen die Besucher
bis in den Keller des Gebäudes. Hinter dem Namen
TerraTransfer verbirgt sich ein noch kleines Unternehmen,
das Systeme für Umweltmessungen verkauft; 2007 mit
Unterstützung von rubitec aus der RUB ausgegründet.
Doch die Ziele der beiden Firmengründer Marcel Delker
und Sven Schulz sind groß, an Optimismus und Ehrgeiz
mangelt es nicht. Nur an der Einrichtung, da könnte
man noch feilen.
Die Büroräume im Keller sind recht großzügig
– auch deshalb, weil nicht viele Möbel drin
stehen. Ein Konferenzraum mit Tisch und Stühlen,
nebenan ein Büro mit Schreibtischen und weiter
hinten noch eine kleine Werkstatt. Hier wird viel gearbeitet,
das merkt man gleich. Für die Inneneinrichtung
bleibt da vorläufig keine Zeit. In der Werkstatt
greifen die beiden Geschäftsführer Marcel
Delker und Sven Schulz, beide Diplom-Geographen, auch
selber zum Werkzeug. Für die kleinen Stückzahlen,
die sie im Moment produzieren, reicht der kleine Raum.
Noch. Doch wenn der Business-Plan der beiden aufgeht,
dann wird der Platz schon sehr bald eng.
Computer ersetzt Handarbeit
Die Geschichte von TerraTransfer beginnt mit der Diplomarbeit
von Delker und Schulz, die sie im Frühjahr 2007
an der RUB abgeschlossen haben. Vollautomatisierte Umweltmessnetze
entwickeln, das war der Plan, der vielen potenziellen
Kunden das Arbeitsleben erleichtern soll. Die TerraTransfer-Systeme
gewährleisten eine automatische und kontinuierliche
Überwachung von Gewässerständen und anderen
Umweltparametern. Ein großer Fortschritt, sagt
Marcel Delker: „Bisher müssen Messwerte,
zum Beispiel für Grundwasserstände, in der
Regel manuell abgelesen werden. Man fährt also
zur Messstelle hin, fährt wieder zurück, gibt
die Daten in eine Tabelle ein und wiederholt das im
nächsten Monat. Das ist mehr als aufwändig.
Und eine zeitnahe Reaktion auf akute Änderungen
im Grundwasserspiegel zum Beispiel ist da gar nicht
möglich.”
Viele der rund 30.000 Gewässer-Messstellen allein
in Nordrhein-Westfalen werden zurzeit gar nicht erst
abgelesen, weil den Ämtern und Wasserverbänden
die Kapazitäten fehlen. Die vollautomatisierte
Variante von TerraTransfer schafft da Abhilfe. Die Messgeräte
senden eigenständig – in einem vom Kunden
bestimmten Zeitabstand – ihre Messdaten an einen
Server, der entweder beim Kunden oder zentral bei TerraTransfer
steht. So können die Kunden ihre Daten gleich abrufen
und dementsprechend schnell auf Probleme reagieren.
Kosten verursacht das System kaum, denn die Messgeräte
arbeiten mit einem kleinen integrierten Modem, wie es
in Handys zu finden ist. Jede Datenübertragung
vom Messgerät zum Server über das Handynetz
wird so von einem Prepaid-Handy-Konto abgebucht und
kostet nur etwa einen Cent. Da können 15 Euro Guthaben
auf der Handy-Karte durchaus einige Jahre reichen –
und wer es verbraucht hat, lädt es einfach online
wieder auf.
Viele potenzielle Kunden
„Mit unserem System sind wir der Konkurrenz im
Bereich Umweltmesssysteme einige Jahre voraus. Die arbeiten
mit älterer und langsamerer Technik, haben höchstens
teilautomatisierte Systeme entwickelt”, erzählt
Marcel Delker. „Uns war darum von vornherein klar,
dass für unser Produkt ein Markt da ist.”
Dieser Markt ist sogar ziemlich groß. Mittlerweile
hat TerraTransfer auch Messgeräte für Boden-
oder Klimadaten entwickelt. Ingenieurbüros, die
für ihre Planungen Informationen über die
Bodenfeuchte brauchen, sind damit genauso potenzielle
Kunden wie Wetterdienste, geologische Dienste, Stadtwerke,
Schifffahrtsämter oder Wasserverbände. „Dieses
breite Geschäftsfeld ist für uns ein weiterer
Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die sich eben
stark auf Gewässerdaten konzentriert”, meint
Delker.
Trotz der Gründung im Jahr 2007: So richtig los
ging es bei TerraTransfer erst vor einigen Monaten;
da begann der Vertrieb der Messgeräte. Monatelang
haben die beiden Diplom-Geographen und ihre wenigen
Mitarbeiter dafür die Werbetrommel geschlagen,
sich bei Wasserverbänden und Ämtern vorgestellt.
Zugleich lief das Gründer-Stipendium EXIST aus,
das TerraTransfer im ersten Firmenjahr unterstützt
hat. Jetzt stehen Marcel Delker und Sven Schulz also
ganz auf eigenen Füßen: „Dieses Jahr
mit dem Gründer-Stipendium war gut für uns.
Nicht nur um an unserem Produkt zu feilen, sondern auch
um was über das Geschäft zu lernen. Uns ist
klar, dass die Lernphase noch nicht vorbei ist, aber
wir haben jetzt eine gute Basis.”
Bis China haben sie es schon geschafft
Diese Basis soll schnell ausgebaut werden; die Ziele
sind groß. Schon in diesem Jahr wünschen
sich die beiden Diplom-Geographen und Firmenchefs im
Bereich Gewässermessnetze einen bundesweiten Marktanteil
von 5 bis 10 Prozent. Doch wenn schon, dann richtig,
scheint das Motto der beiden Neugründer zu sein.
Allein mit dem deutschen Markt wollen sie sich nicht
zufrieden geben. Ebenfalls in diesem Jahr ist ein Einstieg
ins europäische Geschäft geplant, gemeinsam
mit Vertriebspartnern, die sich auf dem Gebiet auskennen.
Dass ihr Produkt auch international mithalten kann,
davon sind beide überzeugt. Denn generell gilt
Deutschland auf dem Gebiet der Umweltmesssysteme als
Marktführer und hat somit einen guten Ruf in der
Branche.
Einen kleinen Beweis für die Internationalität
ihrer Firma haben Marcel Delker und Sven Schulz außerdem
schon. Ihre Messgeräte haben es bereits ins Ausland
geschafft; einige von ihnen stehen am Jangtse-Staudamm
in China. Da ist der Optimismus des TerraTransfer-Teams
also bei Weitem nicht unbegründet. „Außerdem”,
ergänzt Marcel Delker, „wer nicht optimistisch
ist, der sollte überhaupt nicht gründen.”
Wenn das mit dem Erfolg erst einmal geklappt hat, dann
sollen übrigens bald weitere Mitarbeiter eingestellt
werden, um das Team zu verstärken. Und vielleicht
bleibt dann ja noch etwas Zeit und Geld übrig –
für die Einrichtung.
Info: Die Firma im Netz: http://www.terratransfer.de;
Infos für angehende Unternehmensgründer bei
der Gesellschaft für Innovation und Technologie
der RUB rubitec: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubitec.
Sarah
Ziegler
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