Erste Evaluation
Studium & Lehre
Während in Bochum Fakultäten noch über ihren Lehrberichten
brüten, ist die Begutachtung der Germanistik und Biologie in
den Universitäten des norddeutschen Hochschulverbundes
abgeschlossen. Gutachter für die Germanistik im ersten
Evaluationsverfahren war Professor Dr. Harro Müller-Michaels vom
Germanistischen Institut, der dem Rektorat im Oktober 1995 einen
kurzen Bericht gegeben hat. RUBENS bat Prof. Müller-Michaels
jetzt um eine Zusammenfassung:
Die im Verbund norddeutscher Hochschulen zusammengeschlossenen
Universitäten Bremen, Hamburg, Rostock und Oldenburg haben als
erste die Initiative für die Evaluation von Studium und Lehre
ergriffen. Im SS 1994 wurden die ausgewählten Fächer Biologie und
Germanistik aufgefordert, Lehrberichte zu erstellen. Gleichzeitig
waren sie gebeten, vier Gutachter zu benennen und darüber
untereinander Einverständnis herzustellen. Die Gutachter wurden
vom Präsidenten der Universität Hamburg bestellt. Da die
Evaluation nach dem in den Niederlanden erprobten Modell geplant
war, wurde ein weiterer Gutachter von der Universität Groningen
berufen.
Fünf Gutachter bestimmt
Nach Vorlage der Lehrberichte konnten die Gutachter Rückfragen
stellen, die rechtzeitig zum Termin des Besuchs, zunächst in
Bremen und Oldenburg, zu beantworten waren.
Das Programm der Begehung enthielt Gespräche mit allen
Statusgruppen, mit Vertreterinnen und Vertretern der
verschiedenen Fachgebiete und mit Dekanat und Rektorat über den
Stellenwert der Germanistik im Hochschulentwicklungsplan.
Die Gespräche verliefen sehr freimütig und konstruktiv, nachdem
die Gutachter ihre Absicht bekräftigt hatten, die Situation in
Studium und Lehre zu beraten und zu diskutieren, ohne dabei einen
Leistungsvergleich mit anderen Einrichtungen anzustreben oder
individuelles Lehrverhalten zu beurteilen.
Lehrberichte und Besuche vor Ort
Erste Ergebnisse wurden der Versammlung aller Beteiligten nach
Abschluß der Beratungen präsentiert. Der erste Entwurf der
Gutachten wurde auf einer Konferenz des Verbundes norddeutscher
Hochschulen im Februar 1995 in Hamburg den betroffenen
Hochschulen präsentiert und mit ihnen diskutiert. Die endgültige
Fassung wurde im April 1995 fertiggestellt und Ende des SS 1995
den Hochschulen zugeleitet.
Die Gutachten sind in sieben Abschnitte gegliedert: im ersten
wird nach den Schwerpunkten, der Geschichte und dem Profil des
Faches am Ort gefragt. Alle Empfehlungen orientieren sich an
diesem Selbstverständnis der Hochschulen.
Sieben-Punkte-Gutachten
Im zweiten Abschnitt werden die Personalstruktur und
Forschungsschwerpunkte erörtert, im dritten die Struktur der
Studiengänge, im vierten die Einführungsveranstaltungen, im
fünften der Studienverlauf und im sechsten die Ausstattungen.
Jeder Abschnitt enthält eine Beschreibung der Situation, wie die
Kommission sie wahrgenommen hat, und Empfehlungen, welche
Schlußfolgerungen gezogen werden sollten. Im siebenten Abschnitt
werden die Empfehlungen noch einmal für die verschiedenen
Adressaten in Universität und Landesregierung zusammengefaßt.
Vorteile der Selbstevaluation
Das Verfahren der Selbstevaluation hat einige Vorzüge gegenüber
den staatlich angeregten und kontrollierten Überprüfungen:
- Mit dem Verbundsystem von Hochschulen aus verschiedenen
Bundesländern werden die Gutachten nicht so leicht für Maßnahmen
der Konzentration und Streichungen durch die Landesregierungen
verwertbar.
- Die Begutachtung folgt dem Verfahren der "peer-review", in dem
die betroffenen Hochschulen an der Wahl der Gutachter beteiligt
werden.
- Mit der ständigen Rückkopplung von Fachvertretern der
Hochschulen und den Gutachtern entstand eine diskursive
Evaluation, die Mitsprache in allen Phasen zum Prinzip machte.
Ohne Frage ist das ein aufwendiges Begutachtungsverfahren. Es ist
kaum vorstellbar, daß eine Gutachterkommission von einem Verbund
in den nächsten reisen kann und zum Spezialteam für Evaluationen
wird. Wohl aber ist denkbar, daß nach einem Schneeballsystem
evaluierte Fächer den Fundus von wählbaren Kolleginnen und
Kollegen ständig erweitern und die Begutachteten von heute die
Gutachter von morgen sind. Sie können vielfältige Erfahrungen
weitergeben und Vorschläge für Studium und Lehre unterbreiten.
Nebenbei aber lernen die Gutachter auch für sich selbst und die
Lehre im eigenen Fach.
Prof. Dr. Harro Müller-Michaels