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RUBENS 129

1. Dezember 2008

Es ist Kunst – und es wurde endlich gesehen

Der Tag der „Kunst am Bau” erfreut sich großer Beliebtheit


„Gut fünf Jahre laufe ich nun schon an der RUB rum. Nie habe ich auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass hier auf dem Campus Kunstwerke zu bewundern sind” erklärt Nina. Die Studentin nimmt an der Führung „Kunst am Bau” teil, die an diesem Sonntag im Herbst stündlich zwischen 11 bis 17 h stattfindet. So oder ähnlich hört man es aus dem Munde vieler weiterer Studierender, auch ehemaliger. Viele wissen nicht, dass es an der Ruhr-Uni über 20 Werke von Künstlern wie Victor Vasarely, Rupprecht Geiger oder Günter Fruhtrunk zu sehen gibt.

Am Treffpunkt vor den Kunstsammlungen herrscht reges Treiben. Etwa 25 Kunstinteressierte warten auf den Start der Führung. Die erste Station liegt direkt vor ihnen. Ein Wasserrelief von Erich Reusch, 1969 erbaut (RUBENS 122). „Sieht aus wie eine Treppe” oder „wie ein Schachbrett” raunt es durch die Reihen. Im Sommer wird der Platz auf dem Forum oft als Treffpunkt von Studierenden genutzt. Man kann sich sonnen und sich die Zeit zwischen den Veranstaltungen vertreiben.
„Aber es ist ein Kunstwerk” erklärt Anita Hosseini, eine der fünf Studierenden der Initiative „Kunst am Bau”. „Genau hier liegt auch der Ursprung unserer Arbeit”, fährt sie fort. „Das ist der Brunnen, der vor einem Jahr mit Sand zugeschüttet werden sollte, um ein Volleyballfeld zu errichten.” Dadurch angeregt, setzte sich die Fachschaft Kunstgeschichte zusammen und es kristallisierten sich Anita Hosseini, Dennis Hübner, Anja Lapac, Celina Knierim und Dirk Hansmeier als diejenigen heraus, die die Initiative gründeten – auch, um erfolgreich das Volleyballfeld zu verhindern. Ihr Wissen haben sie größtenteils bei Dr. Friederike Wappler (Kunsthistorisches Institut) erworben, die die gesamte Moderne Kunst an der RUB koordiniert: neben der Kunst am Bau auch die Sammlung Moderne und Situation Kunst.

Zu gut eingefügt

Die Führung geht weiter. Im HZO gilt es, ein Kunstwerk des Grafikers Victor Vasarely zu bestaunen. „Grand Vitrail Cinetic” (1971) zeigt seine ganze Schönheit nur demjenigen, der es sich aus dem Inneren des HZO ansieht. Durch das Licht von außen bekommen die mondartigen Kreise eine dreidimensionale Wirkung. Ähnlich wie bei Kirchenfenstern, bei denen die Schönheit sich nur dem Gläubigen in der Kirche offenbart, kann hier dem Wissenden das Schöne nur innerhalb der Universität zuteil werden. Vasarely legte zwei Glasplatten übereinander, um diesen Effekt zu erzielen. Er bediente sich ausschließlich geometrischer Formen aus der Natur, wie etwa der Horizontlinie oder dem Mond.
Vom selben Künstler stammt auch die leicht verwitterte Mosaikwand, die sich zwischen dem HZO und den N-Gebäuden befindet. Hier sieht man die Kunst in ihrem Dornröschenschlaf. „Ein Beispiel dafür, dass die Kunst einfach nicht als Kunst und somit auch nicht als restaurierungswürdig wahrgenommen wird” sagt Dirk Hansmeier.
Gleich darauf geht es weiter, die Treppe hinunter und vorbei an einem Areal von Teichen, das sich in das architektonische Gesamtkonzept der 60er- und 70er-Jahre einfügt. In den N-Gebäuden angekommen, bestaunen die Teilnehmer der Führung das Wandrelief Günter Fruhtrunks. In kräftigen Neonfarben und Fruhtrunks charakteristischer Formensprache strahlt es den Betrachter vom Treppenhaus aus an.
An den Werken von Erich Heerich, Adriaan Dekkers und Josef Manders, die sich allesamt an den Außengängen der N-Gebäude verstecken, verweilt die Gruppe noch ein wenig. Zu oft läuft man gerade an diesen Kunstwerken einfach so vorbei, weil sie sich in das gesamte Erscheinungsbild der Uni so perfekt einfügen, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. „Es wird Zeit, das zu ändern”, appellieren die fünf aktiven Kunsthistoriker und leiten die Gruppe zurück zum Ausgangspunkt vor den Kunstsammlungen.

Großer Erfolg

Rund 200 Personen lockten die Studierenden mit ihrer Aktion auf den Campus. Zu jeder Stunde nahmen bis zu 30 an den Führungen einmal links, einmal rechts über das Unigelände teil. Die meisten waren verblüfft über das, was sie als ehemalige Studenten nie gesehen hatten. Andere waren über den teilweise desolaten Zustand der Kunstwerke erschrocken. Gerade das war das Anliegen der Studenten. Überhaupt erst darauf aufmerksam zu machen, dass es hier überall Kunst gibt und dass man sie auch pflegen sollte. „Aufgrund des großen Erfolges werden wir uns bald hinsetzen und den nächsten Tag der Kunst am Bau planen.” verspricht Dirk Hansmeier, Sprecher der Gruppe. Interessierte dürfen sich also freuen, falls sie die erste Führung verpasst haben.
PS: Voraussichtlich am 28. Juni 2009 findet der nächste Tag der Kunst am Bau an der RUB statt; Infos: http://www.rub.de/kuba.

Anne Pöppinghaus
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Letzte Änderung: 1.12.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik