Es ist Kunst – und es wurde endlich gesehen
Der Tag der „Kunst am Bau” erfreut sich
großer Beliebtheit
„Gut fünf Jahre laufe ich nun schon
an der RUB rum. Nie habe ich auch nur einen Gedanken daran
verschwendet, dass hier auf dem Campus Kunstwerke zu bewundern
sind” erklärt Nina. Die Studentin nimmt an
der Führung „Kunst am Bau” teil, die
an diesem Sonntag im Herbst stündlich zwischen 11
bis 17 h stattfindet. So oder ähnlich hört man
es aus dem Munde vieler weiterer Studierender, auch ehemaliger.
Viele wissen nicht, dass es an der Ruhr-Uni über
20 Werke von Künstlern wie Victor Vasarely, Rupprecht
Geiger oder Günter Fruhtrunk zu sehen gibt.
Am Treffpunkt vor den Kunstsammlungen herrscht reges Treiben.
Etwa 25 Kunstinteressierte warten auf den Start der Führung.
Die erste Station liegt direkt vor ihnen. Ein Wasserrelief
von Erich Reusch, 1969 erbaut (RUBENS
122). „Sieht aus wie eine Treppe” oder
„wie ein Schachbrett” raunt es durch die Reihen.
Im Sommer wird der Platz auf dem Forum oft als Treffpunkt
von Studierenden genutzt. Man kann sich sonnen und sich
die Zeit zwischen den Veranstaltungen vertreiben.
„Aber es ist ein Kunstwerk” erklärt Anita
Hosseini, eine der fünf Studierenden der Initiative
„Kunst am Bau”. „Genau hier liegt auch
der Ursprung unserer Arbeit”, fährt sie fort.
„Das ist der Brunnen, der vor einem Jahr mit Sand
zugeschüttet werden sollte, um ein Volleyballfeld
zu errichten.” Dadurch angeregt, setzte sich die
Fachschaft Kunstgeschichte zusammen und es kristallisierten
sich Anita Hosseini, Dennis Hübner, Anja Lapac, Celina
Knierim und Dirk Hansmeier als diejenigen heraus, die
die Initiative gründeten – auch, um erfolgreich
das Volleyballfeld zu verhindern. Ihr Wissen haben sie
größtenteils bei Dr. Friederike Wappler (Kunsthistorisches
Institut) erworben, die die gesamte Moderne Kunst an der
RUB koordiniert: neben der Kunst am Bau auch die Sammlung
Moderne und Situation Kunst.
Zu gut eingefügt
Die Führung geht weiter. Im HZO gilt es, ein Kunstwerk
des Grafikers Victor Vasarely zu bestaunen. „Grand
Vitrail Cinetic” (1971) zeigt seine ganze Schönheit
nur demjenigen, der es sich aus dem Inneren des HZO
ansieht. Durch das Licht von außen bekommen die
mondartigen Kreise eine dreidimensionale Wirkung. Ähnlich
wie bei Kirchenfenstern, bei denen die Schönheit
sich nur dem Gläubigen in der Kirche offenbart,
kann hier dem Wissenden das Schöne nur innerhalb
der Universität zuteil werden. Vasarely legte zwei
Glasplatten übereinander, um diesen Effekt zu erzielen.
Er bediente sich ausschließlich geometrischer
Formen aus der Natur, wie etwa der Horizontlinie oder
dem Mond.
Vom selben Künstler stammt auch die leicht verwitterte
Mosaikwand, die sich zwischen dem HZO und den N-Gebäuden
befindet. Hier sieht man die Kunst in ihrem Dornröschenschlaf.
„Ein Beispiel dafür, dass die Kunst einfach
nicht als Kunst und somit auch nicht als restaurierungswürdig
wahrgenommen wird” sagt Dirk Hansmeier.
Gleich darauf geht es weiter, die Treppe hinunter und
vorbei an einem Areal von Teichen, das sich in das architektonische
Gesamtkonzept der 60er- und 70er-Jahre einfügt.
In den N-Gebäuden angekommen, bestaunen die Teilnehmer
der Führung das Wandrelief Günter Fruhtrunks.
In kräftigen Neonfarben und Fruhtrunks charakteristischer
Formensprache strahlt es den Betrachter vom Treppenhaus
aus an.
An den Werken von Erich Heerich, Adriaan Dekkers und
Josef Manders, die sich allesamt an den Außengängen
der N-Gebäude verstecken, verweilt die Gruppe noch
ein wenig. Zu oft läuft man gerade an diesen Kunstwerken
einfach so vorbei, weil sie sich in das gesamte Erscheinungsbild
der Uni so perfekt einfügen, dass man sie nicht
mehr wahrnimmt. „Es wird Zeit, das zu ändern”,
appellieren die fünf aktiven Kunsthistoriker und
leiten die Gruppe zurück zum Ausgangspunkt vor
den Kunstsammlungen.
Großer Erfolg
Rund 200 Personen lockten die Studierenden mit ihrer
Aktion auf den Campus. Zu jeder Stunde nahmen bis zu
30 an den Führungen einmal links, einmal rechts
über das Unigelände teil. Die meisten waren
verblüfft über das, was sie als ehemalige
Studenten nie gesehen hatten. Andere waren über
den teilweise desolaten Zustand der Kunstwerke erschrocken.
Gerade das war das Anliegen der Studenten. Überhaupt
erst darauf aufmerksam zu machen, dass es hier überall
Kunst gibt und dass man sie auch pflegen sollte. „Aufgrund
des großen Erfolges werden wir uns bald hinsetzen
und den nächsten Tag der Kunst am Bau planen.”
verspricht Dirk Hansmeier, Sprecher der Gruppe. Interessierte
dürfen sich also freuen, falls sie die erste Führung
verpasst haben.
PS: Voraussichtlich am 28. Juni 2009
findet der nächste Tag der Kunst am Bau an der
RUB statt; Infos: http://www.rub.de/kuba.
Anne
Pöppinghaus
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