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RUBENS 129

1. Dezember 2008

3.500 Gen-Tests für die Gewissheit

15 Jahre Huntington-Zentrum NRW: eine Zwischenbilanz


Verlängerte Blöcke von bestimmten Erbbausteinen im Huntington-Gen verursachen die unheilbare Krankheit Morbus Huntington („Veitstanz“). Erst 1993 wurde das Gen überhaupt entdeckt und noch im gleichen Jahr gründete die Ruhr-Universität zusammen mit dem St. Josef-Hospital das Huntington-Zentrum NRW. Seit 15 Jahren ist es möglich, Mutationsträger für die Erkrankung mit hundertprozentiger Sicherheit zu identifizieren, und so geht die Suche voran nach dem genauen Pathomechanismus, über den es zum massiven Verlust von Zellen im Zentralnervensystem kommt.

Das Huntington-Zentrum der RUB (HZ NRW) zieht Bilanz: Es ist seit seiner Gründung das größte Zentrum Europas und in Deutschland einzigartig. Mit einem ambulanten Service, auch für Notfälle, einer umfassenden genetischen Beratung und einer speziell eingerichteten Station versorgt es bundesweit die meisten Patienten. Mit der Entdeckung des verursachenden Gens rückte ein vorhersagender DNA-Test in den Vordergrund, da Morbus Huntington vererbbar ist. Wer die verlängerten, so genannten CAG-Blöcke im Gen trägt, gibt sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an seine Kinder weiter. 3.500 Tests für die Gewissheit hat das Huntington-Zentrum bisher gemacht.
„Wenn jemand den vorhersagenden Test wünscht, ist zunächst eine ausführliche genetische Beratung notwendig“, erklärt der Humangenetiker Prof. Dr. Jörg T. Epplen, Co-Leiter des Zentrums. „Dabei sprechen wir zum Beispiel über die Symptome, die Vererbung, das Risiko für den Ratsuchenden selbst und für seine Kinder, Anlageträger zu sein, aber auch über mögliche Belastungssituationen bei einem ungünstigen Testergebnis. In den Entscheidungsprozess beziehen wir erfahrene Psychotherapeuten oder Psychiater ein.“ Nach der Beratung haben die Patienten eine Bedenkzeit von mindestens vier Wochen, ob sie den Test wirklich machen wollen.


Deutlich weniger Bedenkzeit


Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist indes erstaunlich. Der Anteil derer, die sich nach der Bedenkzeit für den Test entschieden, sank von 1993 bis 2004 von 67 auf 38 Prozent. Andererseits nahmen die Menschen in den letzten Jahren deutlich weniger Bedenkzeit in Anspruch als noch Mitte der Neunziger. Wie lässt sich das erklären? Es ist sicher ein komplexes Geflecht von Gründen. Zunächst sind Frauen bei den Ratsuchenden deutlich in der Überzahl. Neben sich ändernden Motivationsgründen für den DNA-Test, zum Beispiel durch die Familienplanung, und neben dem demographischen Wandel – es gibt mehr Singles – wirken sich wahrscheinlich auch Ängste vor den sozialen Folgen aus. Für Prof. Epplen lässt dieser Trend nur den Schluss zu: „Das lange Jahre überfällige Gendiagnostikgesetz muss auch diesen Bedenken endlich Rechnung tragen.“
Morbus Huntington tritt in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von einem Erkrankten auf 10.000 Einwohner auf. Erste unspezifische Krankheitszeichen zeigen sich meistens zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr. Wesentlich seltener treten erste Symptome im höheren Alter oder bereits bei Kindern auf. Auffällig sind vor allem die Bewegungsstörungen (allgemeine Unruhe, plötzlich unwillkürlich auftretende Muskelaktion, Gangstörungen), manchmal kommen psychische Veränderungen hinzu, etwa Depression, Wahn- und Zwangsvorstellungen. Im Verlauf der Erkrankung kann sich auch eine Demenz entwickeln. Bei der Betreuung der Patienten arbeiten Psychologen, Familientherapeuten, Kliniker, Genetiker und das qualifizierte Pflegepersonal Hand in Hand.
Die Behandlung umfasst vor allem Rehabilitationsmaßnahmen, wie entsprechende sportliche Betätigung, weiterhin Logo- und Ergotherapie. Medikamente werden gezielt eingesetzt insbesondere gegen die Unruhe und Überbeweglichkeit. Patienten und ihre Angehörigen zu betreuen ist die eine, die Krankheit weiter zu erforschen die zweite zentrale Aufgabe im HZ NRW. Wissenschaftler untersuchen die (patho-) genetischen Grundlagen, sie suchen nach neuen therapeutischen Strategien für die fernere Zukunft und sie arbeiten die umfangreichen Beratungserfahrungen der letzten 15 Jahre auf. Für die nächsten 15 und mehr Jahre hat das Huntington-Zentrum alle Hände voll zu tun.
jw
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Letzte Änderung: 1.12.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik