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RUBENS 129

1. Dezember 2008

Ziele mit sich selbst vereinbart

Die Ruhr-Uni legt erstmals einen Hochschulentwicklungsplan vor


Erstmals hat die Ruhr-Uni gewissermaßen mit sich selbst Ziele vereinbart und diese in einem Hochschulentwicklungsplan (HEP) festgeschrieben. Sowohl Hochschulrat als auch Senat haben ihr Okay gegeben, und nun steht der HEP im Netz. Auf rund 170 Seiten beschreibt er das Profil und die Ziele der RUB bis 2010 und liefert jede Menge Daten und Entwicklungsperspektiven für alle Fakultäten. Damit nicht jeder diese 170 Seiten lesen muss, hat Arne Dessaul zusammen mit dem Prorektor für Planung, Struktur und Finanzen, Prof. Tibor Kiss, einige der wichtigsten Aspekte im Hochschulentwicklungsplan erörtert.


RUBENS: Herr Prof. Kiss, wie lange hat es gedauert, bis der Hochschulentwicklungsplan in seiner jetzigen Form stand?
Prorektor Kiss: Im Ganzen mehr als fünf Jahre. Das begann 2003 mit den Vorarbeiten zum Bericht der Ruhr-Universität zum „Hochschulkonzept NRW 2010”, es folgten die Zielvereinbarungen II und III mit dem Innovationsministerium NRW und das Bochumer Konzept für eine Generalsanierung des Universitätscampus, die hochschulinterne Struktur- und Innovations-Initiative und die Erarbeitung von Konzepten und Anträgen im Rahmen der Bund-/Länder-Exzellenz-Initiative. Die Dauer dieses Prozesses war im Wesentlichen drei Umständen geschuldet. Seitens des Gesetzgebers gibt es keine detaillierten Vorgaben über die Ausgestaltung eines solchen Plans – das lässt aber zum Glück einer Universität auch die notwendige Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Dann gab es immer wieder Weichenstellungen, die eine grundsätzliche andere Herangehensweise erforderten, zuletzt im Januar 2007 der Einzug der Ruhr-Uni ins Finale der Exzellenz-Initiative. Daraufhin mussten wir schließlich einen beratungsfähigen Entwurf nochmals zurück ziehen und abhängig vom Ausgang der Exzellenz-Initiative aktualisieren und überarbeiten.

Keine Selbstbestrafung

RUBENS: Warum braucht eine Universität überhaupt einen Hochschulentwicklungsplan?
Prorektor Kiss: Man könnte es sich einfach machen und sagen, es steht halt im Hochschulgesetz.
RUBENS: Aber das tun Sie nicht.
Prorektor Kiss: Genau, denn dort stand es schon immer: Und wir hatten bislang keinen zumindest offiziell so bezeichneten Plan, was auch der bis vor wenigen Jahren allgemein üblichen Praxis der Universitäten im Lande entsprach. Entscheidend ist aber eher, dass es im Prozess der Erarbeitung dieses Plans sowohl auf Ebene der Fakultäten als auch auf Ebene der Hochschulleitung zu einer umfassenden Reflexion des wissenschaftlichen Status quo kommt. Aus diesem Nachdenken erwuchsen dann wechselseitig aufeinander bezogene strategische Ziele der Hochschulleitung und der Fakultäten. Der Hochschulentwicklungsplan als verbindlicher Orientierungsrahmen für die Entwicklung von Forschung, Lehre und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung war das Ergebnis dieses Prozesses.
RUBENS: Besonders charmant ist die Formulierung, dass die Ruhr-Uni mit sich selbst Ziele vereinbart. Sie überprüft auch selbst, ob die Ziele verwirklicht werden. Sanktioniert sie sich auch selbst, wenn es mal nicht klappt?
Prorektor Kiss: Natürlich wird nicht jedes Ziel 100%ig erreicht werden können. Dies bedeutet aber nicht, dass die Ziele nicht ernst genommen würden. Die kontinuierliche Überprüfung des Grades der Zielerreichung auf Zentralebene und in den Fakultäten ist eine zentrale Aufgabe dieses Rektorats und wird auch für zukünftige Rektorate verbindlich sein. Wenn Ziele verfehlt werden, werden wir zusammen mit den betroffenen Fakultäten die Ursachen identifizieren und entsprechend gegensteuern.
RUBENS: Können Sie ein Beispiel nennen?
Prorektor Kiss: Ein Erklärungsbedarf bestünde etwa, wenn eine Fakultät jährlich ihre Forschungsschwerpunkte wechselt oder angestrebte neue kooperative Forschungsprojekte nicht einmal die Antragsphase erreichen. Darauf aufbauend Prozesse einzuleiten, die tatsächlich zu belastbaren und erfolgreichen Schwerpunktbildungen in Forschung und Lehre – hier besteht die Notwendigkeit, das Profil der Master-Programme zu schärfen – führen, das ist der primäre Zweck der Überprüfung, nicht eine Sanktion.

Forschungsorientierte Master-Programme

RUBENS: In den nächsten Jahren werden die formulierten Ziele laufend überprüft und ergänzt. Für wann ist denn der nächste Hochschulentwicklungsplan geplant?
Prorektor Kiss: Die Laufzeit dieses Hochschulentwicklungsplans ist bis 2010 begrenzt. Diese Taktung entspricht der Laufzeit der Ziel- und Leistungsvereinbarung III mit dem Innovationsministerium NRW und der Amtszeit des kommenden Rektorats (2009/2010). Zudem besteht ein wesentliches inhaltliches Ziel des Hochschulentwicklungsplans in der Vorbereitung auf einen innerhalb dieses Zeitraums möglichen weiteren Exzellenz-Wettbewerb. Ein nächster Hochschulentwicklungsplan würde also zeitlich daran anschließen.
RUBENS: Lassen Sie uns vielleicht ein paar Details aus dem Hochschulentwicklungsplan herausgreifen. Um alle Ziele in der Forschung erreichen zu können, wird nicht ausgeschlossen, die bestehende Fakultätsstruktur zu verändern. Gibt es da schon konkretere Überlegungen?
Prorektor Kiss: Nein, derzeit nicht. Ich hielte es auch für sinnlos, eine Zielsetzung wie etwa „statt 20 Fakultäten nur noch 10” zu formulieren und dann irgendwie zehn Fakultäten zusammenzuschustern. Und es hängt auch mit Sicherheit nicht nur von der Zielerreichung im Bereich Forschung ab. Lehre, Studium und wissenschaftliche Nachwuchsförderung sind genauso wichtig. Das Rektorat hat aber auch die klare Position bezogen, dass die bestehende Fakultätsstruktur nicht als sakrosankt betrachtet wird. Wenn sich herausstellt, dass diese Struktur das Erreichen der wichtigsten Ziele behindert, sind Alternativen ernsthaft zu prüfen.
RUBENS: Von ähnlicher Tragweite scheint die geplante Überprüfung der Master-Studiengänge, Sie haben das ja gerade schon kurz angesprochen. Um sich deutlicher an den Forschungsschwerpunkten und damit auch an der strukturierten Promotionsausbildung zu orientieren, sind derzeit weder Erweiterungen noch Kürzungen ausgeschlossen. Wo ist der Bedarf für Erweiterungen in der Master-Ausbildung am höchsten?
Prorektor Kiss: In der Mehrheit haben wir die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge in den disziplinären Kernbereichen unserer Fächer gut gemeistert. Was nach Eindruck des Rektorats in vielen Fällen noch fehlt, sind forschungsorientierte Master-Programme. Die Ruhr-Universität wird deutlich attraktiver, wenn wir Master-Programme anbieten können, die im nationalen wie internationalen Wettbewerb die besten Bachelor-Absolvent/innen für die Ruhr-Universität interessieren.

Gespräche mit den Fakultäten

RUBENS: Auch bei den Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtungen scheint es sich – erneut vor dem Hintergrund der Forschungsschwerpunkte – bereits herauszukristallisieren, welche bestehen bleiben, in Fakultäten weitergeführt oder aufgegeben werden?
Prorektor Kiss: Hier hat es in der inneruniversitären Diskussion viele Missverständnisse gegeben.
RUBENS: Inwiefern?
Prorektor Kiss: Das Rektorat hat nicht die Absicht, von sich aus diese oder jene zentrale wissenschaftliche Einrichtung per Beschluss einzustellen. Wir werden allerdings keine weiteren zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen mehr gründen. Wir werden im Vorfeld einer erwarteten neuen Ausschreibung der Exzellenz-Initiative wesentliche Elemente unseres Zukunftskonzepts „Research Campus RUB” umsetzen und erproben. Nach Auffassung des Rektorats vertragen sich zentrale wissenschaftliche Einrichtungen nicht mit diesen anders konzipierten neuen Strukturen. Dann will das Rektorat nur noch wissenschaftliche Themen fördern, und diese haben per se eine begrenzte Lebensdauer. Zusätzliche Ressourcen für zentrale wissenschaftliche Einrichtungen werden wir daher nur als zeitlich befristete Anschubfinanzierungen für ambitionierte und leuchtturmartig sichtbare Vorhaben beraten. Unabhängig davon bleibt es selbstverständlich auch den Mitgliedern von zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen, die diese Kriterien zurzeit nicht erfüllen, unbenommen, ihre wissenschaftliche Arbeit fortzuführen und voranzutreiben. Sie können halt nur kein zusätzliches Geld vom Rektorat dafür erwarten.
RUBENS: Den Löwenanteil an den etwa 170 Seiten des Hochschulentwicklungsplans nehmen die Daten der Fakultäten und Fächer ein, die diese selbst beigesteuert haben. Neben reiner Statistik und Zustandsbeschreibung der Schwerpunkte geht es auch dort um Pläne und Ziele bis zum Jahr 2010. Kann man einen Fachbereich herausgreifen, der sich besonders vorbildhaft dargestellt hat und fortan als Modell für die anderen dienen könnte?
Prorektor Kiss: Auch wenn die Presse diese Antwort auf eine solche Frage nicht gerne hört und für ein Ausweichmanöver halten mag: Nein, das kann man nicht. Die für jede Fakultät dargestellten Ziele gleichen in ihrer Summe einem Zehnkampf. Keine Fakultät ist in allen Disziplinen gleich gut, aber jede hat ihre Paradedisziplin. Als Mitglied des Rektorats werde ich hier keine Fakultäten hervorheben. Das wäre gleichbedeutend damit, die nicht genannten an den Pranger zu stellen, und wozu soll das gut sein? Wir werden mit den Fakultäten sprechen, die nach Auffassung des Rektorats noch nicht so weit sind und gemeinsam weiter an einer Verbesserung arbeiten. Und bei den anderen darauf achten, dass sie sich auf dem Erreichten nicht ausruhen.

Info: Der Hochschulentwicklungsplan im Netz: http://www.rub.de/rektorat/themen/hochschulentwicklung/hochschulentwicklungsplan.pdf.

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