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RUBENS 129

1. Dezember 2008

Globalisierte antike Welt

Ausstellung: Hellenistische Münzen aus dem Osten



Seltene und sensationelle Stücke zeigen die Kunstsammlungen der RUB zurzeit in einer Ausstellung antiker Münzen: Sie zeugen vom frühen religiösen und kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzident und davon, dass es Globalisierung schon weit vor unserer Zeit gab. Die Münzen und Siegel stammen zum größten Teil aus den Beständen einer Bochumer Privatsammlung.


Anlass für die Ausstellung war der internationale Eröffnungstagung des Kollegs „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa” Anfang November an der RUB. Gezeigt werden viele spannende Exponate: So ist auf einer Goldmünze eine der frühesten Buddha-Darstellungen überhaupt zu sehen. Obwohl Buddha mit einer griechischen Inschrift bezeichnet ist und das Gold wahrscheinlich aus dem Handel mit Rom stammt, wurde die Münze im indisch-pakistanisch-afghanischen Raum geprägt.
Auf den Münzen tritt die hellenistische Götterwelt in einen lebhaften Dialog mit persisch-parthischen Gottheiten, dem Zoroastrismus, dem Hinduismus und dem Buddhismus. Dadurch machen sie die Grundlinien der großen religiös-kulturellen Transferbewegungen zwischen Europa und Asien zwischen dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. sichtbar. „Regionen, die wir üblicherweise als Randgebiete zwischen den Welten der Griechen, Römer, Inder und Chinesen bezeichnen, werden auf den Münzen plötzlich zum Zentrum der antiken Welt und zum Sammelbecken vieler Religionen”, sagt Prof. Dr. Peter Wick (Evangelische Theologie), der die Ausstellung zusammen mit Klaus Grigo (Bochum), Prof. Dr. Linda-Marie Günther (RUB), Prof. Dr. Peter Mittag (Köln) und Dr. Cornelia Weber-Lehmann (RUB) konzipiert hat.

Maria und Josef

Vor allem die religiösen Kombinationen überraschen: So steht auf einer Münze der indische Gott Shiva mit aufgerichtetem Phallus. Daneben ist das buddhistische Drei-Juwelen-Symbol abgebildet. „Diese Verbindung von Fruchtbarkeit und männlicher Sexualität mit dem Symbol für Askese können wir noch nicht hinreichend erklären”, so Prof. Wick. Bisher unveröffentlichte Siegel aus dem frühchristlichen Persien zeigen einen Mann, der einen störrischen Esel zieht; auf dem Esel sitzt eine Schwangere. Es könnte sich um die älteste erhaltene Darstellung von Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem handeln.
Die Münzen stammen aus einem Raum, der sich von Griechenland bis weit nach Indien, von Ägypten bis zum Hindukusch, bis zur Seidenstraße und bis an die Grenzen Chinas erstreckt. Die Machthaber, die in diesen ganz unterschiedlichen Regionen die Münzen prägen ließen, bezeichneten sich einheitlich in griechischer Schrift und Sprache als Basileus, als König.

Info: Die Sonderausstellung „Hellenistische Münzen aus dem Osten: Spiegel religiöser Dynamiken im kulturellen Austausch zwischen Ost und West” ist im Münzkeller der Kunstsammlungen noch bis zum 25. Januar 2009 zu sehen (Öffz. Di-Fr 11-17 h, Sa/So 11-18 h; vom 24.12.08 bis 4.1.09 geschlossen). Der Eintritt ist frei.

jw
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Letzte Änderung: 1.12.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik