Globalisierte antike Welt
Ausstellung: Hellenistische Münzen aus dem Osten
Seltene und sensationelle Stücke zeigen die Kunstsammlungen
der RUB zurzeit in einer Ausstellung antiker Münzen:
Sie zeugen vom frühen religiösen und kulturellen
Austausch zwischen Orient und Okzident und davon, dass
es Globalisierung schon weit vor unserer Zeit gab. Die
Münzen und Siegel stammen zum größten
Teil aus den Beständen einer Bochumer Privatsammlung.
Anlass für die Ausstellung war der internationale
Eröffnungstagung des Kollegs „Dynamiken der
Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa” Anfang
November an der RUB. Gezeigt werden viele spannende Exponate:
So ist auf einer Goldmünze eine der frühesten
Buddha-Darstellungen überhaupt zu sehen. Obwohl Buddha
mit einer griechischen Inschrift bezeichnet ist und das
Gold wahrscheinlich aus dem Handel mit Rom stammt, wurde
die Münze im indisch-pakistanisch-afghanischen Raum
geprägt.
Auf den Münzen tritt die hellenistische Götterwelt
in einen lebhaften Dialog mit persisch-parthischen Gottheiten,
dem Zoroastrismus, dem Hinduismus und dem Buddhismus.
Dadurch machen sie die Grundlinien der großen religiös-kulturellen
Transferbewegungen zwischen Europa und Asien zwischen
dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr.
sichtbar. „Regionen, die wir üblicherweise
als Randgebiete zwischen den Welten der Griechen, Römer,
Inder und Chinesen bezeichnen, werden auf den Münzen
plötzlich zum Zentrum der antiken Welt und zum Sammelbecken
vieler Religionen”, sagt Prof. Dr. Peter Wick (Evangelische
Theologie), der die Ausstellung zusammen mit Klaus Grigo
(Bochum), Prof. Dr. Linda-Marie Günther (RUB), Prof.
Dr. Peter Mittag (Köln) und Dr. Cornelia Weber-Lehmann
(RUB) konzipiert hat.
Maria und Josef
Vor allem die religiösen Kombinationen überraschen:
So steht auf einer Münze der indische Gott Shiva
mit aufgerichtetem Phallus. Daneben ist das buddhistische
Drei-Juwelen-Symbol abgebildet. „Diese Verbindung
von Fruchtbarkeit und männlicher Sexualität
mit dem Symbol für Askese können wir noch
nicht hinreichend erklären”, so Prof. Wick.
Bisher unveröffentlichte Siegel aus dem frühchristlichen
Persien zeigen einen Mann, der einen störrischen
Esel zieht; auf dem Esel sitzt eine Schwangere. Es könnte
sich um die älteste erhaltene Darstellung von Maria
und Josef auf dem Weg nach Bethlehem handeln.
Die Münzen stammen aus einem Raum, der sich von
Griechenland bis weit nach Indien, von Ägypten
bis zum Hindukusch, bis zur Seidenstraße und bis
an die Grenzen Chinas erstreckt. Die Machthaber, die
in diesen ganz unterschiedlichen Regionen die Münzen
prägen ließen, bezeichneten sich einheitlich
in griechischer Schrift und Sprache als Basileus, als
König.
Info: Die Sonderausstellung „Hellenistische
Münzen aus dem Osten: Spiegel religiöser Dynamiken
im kulturellen Austausch zwischen Ost und West”
ist im Münzkeller der Kunstsammlungen noch bis
zum 25. Januar 2009 zu sehen (Öffz. Di-Fr 11-17
h, Sa/So 11-18 h; vom 24.12.08 bis 4.1.09 geschlossen).
Der Eintritt ist frei.
jw
|