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RUBENS 129

1. Dezember 2008

Editorial

Lehrreich




„lehrreich“ – ein Wettbewerb zur ausgezeichneten Lehre – das muss misstrauisch machen. „Bizarr“ liest man in einem Kommentar in der Bochumer Studenten-Zeitung. Als bizarr empfindet man etwas, was man nicht kennt. Und richtig, so einen Wettbewerb hat man an der Ruhr-Universität und wahrscheinlich auch an anderen Universitäten bisher noch nicht gehabt. Was ist der Hintergrund? Nach Einführung der Studienbeiträge kann die Universität nach Jahrzehnten der Stagnation, um nicht zu sagen des Verfalls, wieder agieren, muss nicht schlichtweg versuchen, die Auswirkungen des fatalen Mangels an Ressourcen zu mildern. Auf Seite der Studierenden erstarkt ein neues Selbstbewusstsein, eine Erwartungshaltung baut sich auf. Aber was erwarten die Studierenden eigentlich? Wie können die Lehrenden ihren auf längerer Erfahrung beruhenden Vorsprung an Wissen und Einblick in die Zusammenhänge und Methoden vermitteln?
Einerseits explodiert das Wissen ebenso wie die Palette der methodischen Ansätze. Andererseits haben sich auf der Seite der jüngeren Generationen das Lernverhalten, der Umgang mit Informationen, die Neugier und das Vorstellungsvermögen drastisch gewandelt. Dieser Wandel liegt offensichtlich zum Teil außerhalb des Vorstellungsvermögens der Lehrenden, und seine Analyse mit wissenschaftlichen Methoden wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen, mithin zwangsläufig der Realität hinterher hinken und von beschränktem Nutzen für die Praxis sein.
Darum versucht die Ruhr-Universität pragmatisch mit dem Problem umzugehen. Die heutige Generation von Studierenden weiß selbst am besten, wie sich ihr das zu Erlernende erschließt; oder sie hat zumindest Ideen, was man ausprobieren könnte. Experimente sind gefragt. Auch die Lehrenden haben Ideen zu innovativen Lehrformen, die sie teilweise seit Jahren mit sich herumtragen und in Zeiten des steten Operierens an den Grenzen des physisch und psychisch gerade noch Machbaren nicht verwirklichen konnten.
Um hier einen entscheidenden Schritt voranzukommen, sollen die Experten auf beiden Seiten (in Wirklichkeit sind Lehrende und Lernende immer eine Gemeinschaft) zusammen gebracht werden, ihnen der Mut zum Experiment gegeben und die dafür erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Das Resultat erfolgreicher Experimente soll verstetigt und Allgemeingut werden. Die durch die Studienbeiträge zu erreichende Verbesserung der Betreuungsrelation, von den Studierenden wie den Lehrenden als höchster Gewinn betrachtet, erlaubt und fordert geradezu neue Formen des Lehrens und Lernens. Das ist der Grundgedanke des Wettbewerbs „lehrreich“, in dem Lernende und Lehrende ihrer gemeinsamen Verantwortung nachkommen. Er zeigt, dass die Ruhr-Universität ihre Aufgabe in Forschung und Lehre – beide sind untrennbar – ernst nimmt und auch in der Lehre die Spitzenposition der Vordenkerin anstrebt.
Prof. Dr. Bernhard Stöckhert, Prorektor für Lehre, Weiterbildung und Medien
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Letzte Änderung: 1.12.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik