Was bedeutet „Geist“?
Das Verzeichnis des Nachlasses von Jürgen von Kempski
ist fertig
Zum Bestand des Universitätsarchivs zählt auch
der Nachlass des Philosophen Jürgen von Kempski Rakoszyn,
der lange Jahre an der Fakultät für Philosophie,
Pädagogik und Publizistik als Honorarprofessor lehrte.
Zu seinen Forschungsgebieten zählte die formale Logik
wie die Soziologie, die Wirtschaftstheorie wie die Strukturtheorie
des Rechts – ein äußerst breites, heute
kaum mehr anzutreffendes Spektrum, das sich im Archivbestand
eindrucksvoll widerspiegelt.
So enthält der Nachlass z. B. einen Briefwechsel
mit von Kempskis Doktorvater Theodor W. Adorno, wie auch
umfangreiche Vorarbeiten zu einem Werk über die Deutsche
Verfassung. Rubens hatte seinerzeit darüber berichtet,
dass die Forschungsbibliothek mit über 5.000 Bänden,
darunter seltene wissenschaftliche Literatur sowie der
Nachlass, der Uni-Bibliothek bzw. dem Uni-Archiv inkorporiert
werden konnten.
Rechtzeitig zum 10. Todestag von Jürgen von Kempski
(1910-1998) konnte vom Uni-Archiv das „Verzeichnis
des Nachlasses“ abgeschlossen und eine Liste der
Autographen bzw. Typoskripte der zentralen Sammelstelle
der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin
gemeldet werden. In Verbindung damit stellte der Lehrstuhl
für Philosophie mit besonderer Berücksichtigung
von Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte eine
„Bibliographie der sämtlichen Schriften von
Jürgen von Kempski“ fertig. Sie übertrifft
die Ausgangsbibliographie, die noch von Jürgen von
Kempski stammt und den Nukleus der Gesamtbibliographie
darstellt, mit etwa 40 Seiten Gesamtumfang um das Zehnfache.
Detektivische Kleinarbeit
Beide Arbeiten waren eng miteinander verschränkt.
So konnten verschiedene Handschriften des Nachlasses
erst auf Grund neuerer Funde zur Gesamtbibliographie
zugeordnet werden. Umgekehrt führten einzelne Hinweise
in den Nachlasspapieren in detektivischer Kleinarbeit
auf eine Vielzahl von Veröffentlichungen von Kempskis:
Wer würde schon vermuten, dass das bedeutungsschwere
Wort „Geist“ in der abgerissenen Ecke einer
Korrekturfahne auf die Zeitschrift „Geistige Arbeit“
verweist, in der fast 40 weitere Publikationen Jürgen
von Kempskis aufgefunden werden konnten? Dass gelegentlich
auch der Zufall eine wichtige Rolle spielte, geht aus
der Auffindung der einzigen Besprechung von Jürgen
von Kempski einer Veröffentlichung von Slupecki
über eine Arbeit des genialen Polnischen Logikers
Lesniewski im „Zentralblatt für Mathematik
und ihre Anwendungen“ hervor. Sie resultierte
aus einer umfangreichen Recherche zu einer Bibliographie
der Schriften von Carl Friedrich von Weizsäcker,
die im kommenden Heft des „Journal for General
Philosophy of Science“ erscheint, das am o. g.
Lehrstuhl herausgegeben wird.
Die nun fertiggestellten Verzeichnisse zum Nachlass
und den Publikationen Jürgen von Kempskis dienen
der weiteren Forschung über diesen universalen
Denker und damit über die deutsche Philosophie
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Gert
König/Helmut Pulte
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