Gute Seele
Was macht eigentlich … Manfred Nettekoven?
Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni
maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre,
Hochschulpolitik usw. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld
verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen
Menschen gemacht. Diesmal haben wir in Aachen Manfred
Nettekoven gefunden. Und das ganz ohne Probleme, denn
er ist Kanzler der RWTH. Unsere erste Mail erreichte ihn
auf einer Kanzlertagung in Jena. Er antwortete prompt
und sehr freundlich. Immerhin verbindet ihn ein gutes
Stück seiner Karriere mit der RUB. Er war stellvertretender
Leiter bzw. Leiter des Akademischen Auslandsamtes, Dezernent
für Studentische Angelegenheiten und Internationales
sowie Allgemeiner Vertreter des Kanzlers, bevor er 2003
zunächst Kanzler der Uni Hamburg und anschließend
(2006) der RWTH wurde. Arne Dessaul sprach mit Manfred
Nettekoven über Exzellenzinitiative, Hochschulen
mit Seele und Betonplattenwackeln.
Rubens: Herr Nettekoven, mal ganz
ohne Neid gefragt: Wie fühlt man sich als Kanzler
einer Elite-Universität?
Manfred Nettekoven: Ich habe letztens
von einem Freund und Kollegen gehört, dass ich mich
in all den Jahren seit unserm ersten Kennenlernen, ich
glaube es war 2001, nicht wesentlich verändert habe.
Das fand ich sehr beruhigend. Vielleicht liegt das auch
daran, dass ich mich hier in Aachen sehr wohl fühle,
vielleicht liegt es auch am positiven Ausgang in der Exzellenzinitiative.
Ganz bestimmt aber liegt es nicht an diesem Ausdruck „Elite-Universität“,
den kann ich, ehrlich gesagt, nicht mehr hören. Denn
vor allem unseren Studierenden müssen wir erst noch
klar machen, welche Vorteile Aachen konkret bietet. Da
arbeiten wir noch ganz verstärkt dran.
Beim nächsten Mal klappt
es
Rubens: Haben Sie trotzdem für
die nächste Runde einen Tipp für uns?
Manfred Nettekoven: Ich finde Bochum
aus 150 Kilometern Entfernung immer noch klasse.
RUBENS: Danke.
Manfred Nettekoven: Und ich finde,
die Bochumer haben das in der Exzellenzinitiative richtig
gut gemacht und sie haben sowieso eine hervorragende
Hochschulleitung. Kein Zweifel, beim nächsten Mal
klappt es!
Rubens: Die RWTH ist jetzt Ihre dritte
große Uni innerhalb relativ kurzer Zeit. Wo liegen
aus Ihrer Sicht die wesentlichen Unterschiede zwischen
Bochum, Hamburg und Aachen?
Manfred Nettekoven: Was meinen Sie
jetzt, die Städte? Also, Hamburg liegt ja an der
Elbe …
RUBENS: Nein, eher die Unis.
Manfred Nettekoven: Dann also im Ernst:
Es ist schon ein riesiger Unterschied, ob es sich in
erster Linie um eine Technische Hochschule oder um eine
große Volluniversität handelt. Die Diskussionskultur
ist da schon eine ganz andere. Ich finde, die Menschlichkeit
an der Ruhr-Uni Bochum bemerkenswert. In Hamburg mochte
ich aber auch die norddeutsche Zurückhaltung, vielleicht
nicht ganz so sehr in finanziellen Dingen. In Aachen
finde ich diesen Pragmatismus richtig angenehm.
Rubens: Gibt es denn auch Gemeinsamkeiten?
Manfred Nettekoven: Ja, hochkomplex
sind alle diese drei Universitäten und alle haben
sie eine Seele, man braucht allerdings mindestens ein
bis zwei Jahre, um diese Seele wirklich zu entdecken.
Neidisch auf die tolle Mensa
Rubens: Vermissen Sie
irgendetwas RUB-typisches?
Manfred Nettekoven: Ruhrgebiets-Deutsch,
(auch) von Akademikern gesprochen! Betonplattenwackeln,
das Audimax, und neidisch bin ich auf Ihre riesige tolle
Mensa.
Rubens: Wie halten Sie den Kontakt
zur Ruhr-Uni?
Manfred Nettekoven: Ganz gelegentlich
fahre ich ja nach Bochum, ich telefoniere häufiger
mit meinen Bochumer Freunden und den Gerd Möller,
Ihren Kanzler, sehe ich alle Nase lang bei irgendwelchen
nordrhein-westfälischen Zusammenkünften. Darüber
freue ich mich auch regelmäßig.
Rubens: Wir haben ja mittlerweile auch
eine gut funktionierende Alumni-Vereinigung …
Manfred Nettekoven: Super, wir auch!
Ich muss da aber nicht unbedingt Mitglied werden, oder?
Ich bin immer noch Mitglied der Gesellschaft der Freunde
und Mitglied in einem Verein, der den Aufbau von indonesischen
Häusern im ehemaligen Slum-Gebieten unterstützt.
Den hat Peter Scheid, der mittlerweile emeritierte Mediziner,
gegründet. Ich finde, das ist doch schon was.
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