Ausflüge ins Moor
Serie Ausbildungsberufe an der Ruhr-Universität:
Gärtner
Mit zurzeit 168 Auszubildenden ist die Ruhr-Uni
drittgrößter Ausbildungsbetrieb in Bochum.
Die Liste der 21 Ausbildungsberufe reicht von Feinwerkmechaniker
über Tierpfleger bis hin zum Glasapparatebauer.
Doch was genau steckt hinter diesen Bezeichnungen? RUBENS
liefert die Antworten. Dieses Mal wird der Ausbildungsberuf
Gärtner vorgestellt. Momentan erlernen ihn sieben
Azubis.
„Die Arbeit des Gärtners ist sehr vielseitig
und verantwortungsbewusst“, erklärt Wolfgang
Schlesies, der seit 27 Jahren Ausbildungsmeister ist.
Seine Auszubildenden im Botanischen Garten werden zwar
in Blumen- und Zierpflanzenbau ausgebildet, sie lernen
aber auch vieles über Bäume und Stauden. Zunächst
erfahren sie alles über die Bestimmung der Pflanzenarten
und ihre Wachstumsabläufe. Gießen, Düngen,
Ausputzen und Aussäen gehören zu den typischen
Aufgaben. Die Azubis durchlaufen dabei verschiedene
Reviere des Botanischen Gartens: Mittelmeer- und Warmhäuser,
Orchideen, Kalthäuser, Freiland und vieles mehr.
Dort werden die Lehrlinge auch in Pflanzenvermehrung,
Baumveredelung und Bodenaufbereitung unterrichtet.
Die Veredelung wird zur Vermehrung von Pflanzen angewendet
und dient der Leistungssteigerung besonders im Obstbau.
Erst kürzlich veredelten die Azubis einen Apfelbaum.
Dabei wurden die abgeschnittenen Triebe des wertvolleren
Obstbaumes auf die Unterlage eines anderen gesetzt,
der die stärkeren Wurzeln hatte.
Seltene Orchideen
Pflanzenschutz steht ebenfalls auf dem Lehrplan. Die
angehenden Gärtner führen am Ende ihres zweiten
Lehrjahrs chemische und biologische Pflanzenschutzmaßnahmen
selbstständig durch. Da im Botanischen Garten viele
Pflanzen natürlichen Ursprungs kultiviert werden,
haben die Lehrlinge eine große Auswahl. Bewaffnet
mit Rosenschere, Messer, Pulhaken, Handschuhen und Spaten
– zumeist auch mit einem Berichtsheft –
erfüllen die Auszubildenden ihre Aufgaben; Selbstständigkeit
und Verantwortung wachsen mit jedem Jahr.
Zu den Vorteilen des Botanischen Gartens gehört,
dass dort auch Pflanzen kultiviert werden, die nur selten
wachsen. Die südafrikanische Orchidee „Disa
uniflora“ beispielsweise lässt sich normalerweise
nur in Kapstadt finden.
Kleine Höhepunkte im Laufe der Ausbildung sind
die beiden Exkursionen. Die Lehrlinge besuchen zusammen
mit ihrem Meister und anderen Gärtnern die Kalktrockenrasen
der Eifel und das Moor Gildehauser Venn bei Bentheim.
Auf beiden Tagesreisen werden Pflanzen und Tiere beobachtet,
die im Botanischen Garten nicht zu finden sind.
Am Ende der Ausbildung erwartet die Lehrlinge naturgemäß
die Abschlussprüfung. Praktisches und in der Berufsschule
erlerntes Theoriewissen werden in drei Prüfungsetappen
abgefragt. In der praktischen Übung müssen
die Azubis Aufgaben wie Aussäen oder Maßnahmen
zum Pflanzenschutz bewältigen, in der mündlichen
Prüfung werden sie in den Hauptkulturen der Zierpflanzen
abgefragt. In der Theorie geht es um Beratung und Vermarktung,
Gewächshausbau und vieles mehr.
Vorliebe für Pflanzen
Tim Engelke (18) und Katja Friede (22) sind im dritten
Lehrjahr, Laura Müller (18) ist im zweiten. Alle
drei haben sich für diesen Ausbildungsberuf entschieden,
weil sie die Arbeit im Freien lieben. Tim und Laura
haben ihre Vorliebe für Pflanzen bereits in ihren
eigenen Gärten entdeckt. Beide haben sich nach
einem Praktikum im Botanischen Garten für diesen
Ausbildungsberuf entschieden. Katja hat ihre ersten
Erfahrungen im Gärtnern in einem Baumarkt gesammelt.
„Da war mein Interesse geweckt“, erzählt
sie. „Ich habe mich anschließend deutschlandweit
für einen Ausbildungsplatz in einer Gärtnerei
beworben.“ Sie ist extra von Neubrandenburg nach
Bochum gezogen, als die Zusage der RUB kam.
Wie es nach der Ausbildung weitergeht, wissen die drei
Azubis noch nicht. Noch haben sie ja auch Zeit zum Nachdenken.
Tim plant ein Praktikum beim VfL Bochum als „Greenkeeper“.
„Ich will überall mal reinschnuppern“,
sagt er. „Vielleicht mache ich auch eine zusätzliche
Ausbildung.“ Möglichkeiten, als Gärtner
zu arbeiten, gibt es – neben der Gärtnerei
– vor allem in Baumärkten und Blumenmärkten.
„Wer Abitur gemacht hat, wählt oftmals ein
anschließendes Studium“, so Wolfgang Schlesies.
Dort kann das erlernte Wissen aus der Ausbildung gut
angewendet werden. Und vielleicht bleibt so mancher
Azubi der RUB weiterhin als Student erhalten.
Neue Azubis
59 Auszubildende in 17 Berufen haben 2008 an der RUB
ihre Lehre begonnen: Das ist die höchste Zahl der
Neueinstellungen seit Beginn der zentralen Ausbildung
an der RUB im Jahr 1969. Erstmals bietet die RUB in
diesem Jahr die Ausbildung zum Buchbinder und Teilezurichter
an. Damit steigt die Gesamtzahl der Ausbildungsberufe
auf dem Campus auf 21, in denen zurzeit 168 junge Leute
ausgebildet werden (2007: 42 neue Auszubildende, 158
insgesamt). Den Höchststand aus dem Jahr 2005 mit
insgesamt 176 Auszubildenden hat die RUB damit fast
wieder erreicht.
Sheila
Patel
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