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RUBENS 128

1. November 2008

Kultur pur


Kunst an der RUB

Rendezvous mit dem Realen
Krieg, Tod und Katastrophen sind einschneidende Ereignisse. Sie gehen mit Erfahrungen einher, die die psychische Integrationsfähigkeit des Menschen überfordern und sich der Symbolisierung widersetzen. Ist es dennoch möglich, diese Erfahrung z. B. in Bildern zu vermitteln? Die Ausstellung „Rendezvous mit dem Realen. Spuren des Traumas in der Kunst“ im Campusmuseum stellt sich dieser Frage.
Sie zeigt Arbeiten international renommierter Künstler, die sich in Malerei, Fotografie und Videokunst den Katastrophen des 20. Jahrhunderts stellen. So setzen sich Jochen Gerz, Christian Boltanski, Dirk Reinartz oder Gerhard Richter in der Fotografie mit dem Grauen des 2. Weltkriegs und der Shoah auseinander. Jochen Gerz hat „Zeugen“ dieser Zeit fotografiert, namentlich 48 Einwohnerinnen der südfranzösischen Stadt Cahors; Christian Boltanskis schwarz-weiße Heliogravuren werfen die Frage nach dem Schicksal von Schülern eines jüdischen Gymnasiums auf; Dirk Reinartz versucht in einer Serie von Aufnahmen ehemaliger Konzentrationslager, die funktionale Ausdifferenziertheit des Lagersystems nachzuvollziehen. Auch Gerhard Richter reflektiert in seinen Arbeiten, mit Fotos als Ausgangsmaterial, die Beziehung von Erinnerung und Bild mit Blick auf den 2. Weltkrieg.
Können wir uns ein Bild der Zerstörung machen, die der Atombombenabwurf auf Japan mit sich gebracht hat? Nicht allein Alain Resnais Film „Hiroshima mon amour“ berührt diese Frage; auch Arnulf Rainer hat sich in einer Serie von Übermalungen damit auseinandergesetzt. Er benutzt Fotos der zerstörten Stadt Hiroshima und der dort verletzten Menschen, um der dargestellten Destruktion mit emotionsgeladenen gestischen Spuren zu begegnen.
Dass die mit diesen Arbeiten aufgeworfenen Fragen auch historisch jüngere Ereignisse berühren, zeigen die Nachtbilder des Düsseldorfer Fotografen Thomas Ruff. Von Fernsehbildern nächtlicher Bombenangriffe auf Bagdad während des 1. Golfkriegs inspiriert, sind sie mit einen Nachsichtgerät aufgenommen worden und verwandeln so die nächste Umgebung in einen Kriegsschauplatz oder einen Tatort.
Die Ausstellung zeigt zudem Arbeiten von Hermann Nitsch, Bruce Nauman, Andy Warhol und Lucinda Devlin. Führungen können unter Kunstsammlungen-Moderne@rub.de gebucht werden.

Info: Ausstellung „Rendezvous mit dem Realen. Spuren des Traumas in der Kunst“, 30.10.08-15.2.09, Kunstsammlungen/Campusmuseum. Sammlung Moderne, Öffz. Di-Fr 11-17, Sa, So 11-18 h, Eintritt frei; http://www.kunstsammlungen.rub.de o. http://www.kunstgeschichte.rub.de.

Dreisprachige Disco
Volles Programm auf der Theaterbühne im Musischen Zentrum. An jedem Wochenende im November und zum Teil sogar unter der Woche sind dort Stücke zu sehen – immer um halb acht. Gleich am 1. und 2.11 bringt die Gruppe Theatralia eine Wiederaufnahme des Stückes „Four Rooms“, einer Bühnenfassung frei nach der Film-Komödie von Robert Rodriguez, Quentin Tarantino, Allison Anders und Alexandre Rockwell (Eintritt: 6 Euro / 4 Euro ermäßigt).

Mit einer anderen Wiederaufnahme geht es am 8./9.11. weiter. Das Theater des Lotman-Instituts zeigt wieder das Stück „Der Drache“ (frei nach Evgenij Schwarz). Darin zeichnet Schwarz das Bild einer Gesellschaft, die von Feigheit, Opportunismus, Lügenhaftigkeit, Karrierismus und Hinterlist geprägt ist (Eintritt: 5 Euro / 3 Euro ermäßigt).

Am 15.11. wagen die Studiobühne und die Jagiellonen Universität Krakau ein theatrales Experiment in Deutsch, Türkisch und Polnisch. Untersucht und gezeigt wird das Verhalten von jungen Leuten in der „Disco“. Es spielen Angehörige und Studierende der Ruhr-Uni und der Krakauer Uni (je zehn deutsche und türkische Bochumer sowie zehn Krakauer) unter Leitung von Karin Freymeyer (Eintritt frei).

Am 18. und 20.11. bringt die studentische Theatergruppe undsoweiter – wie schon im Sommersemester – die „Bluthochzeit“ von Federico García Lorca auf die Theaterbühne im MZ. Die geplante Hochzeit in einem andalusischen Dorf im frühen 20. Jahrhundert findet ein blutiges und trauriges Ende (Eintritt: 5 Euro / 3 Euro ermäßigt).

Zu Gast am Romanischen Seminar ist im November das Theater Ottavo Atto aus Rom. Im Rahmen ihres Besuches treten sie am 28.11. im MZ auf und zeigen „Nemico di classe“ (Der Klassenfeind), in italienischer Sprache und frei nach Nigel Williams (Eintritt frei).

Auch das Theater Gegendruck gastiert im MZ und zeigt am 29.11. „Das Kaffeehaus“ von Rainer Werner Fassbinder nach Goldoni. Zum Ensemble des 1983 gegründeten Theaters zählen bei dieser Aufführung auch fünf Studierende der Ruhr-Uni. Fassbinder hat die Bühnen-Satire des italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni (1707-1793) in die heutige Zeit versetzt. Mit funkelndem Sprachwitz zeichnet er das bissige und abgründige Bild einer kapitalistischen Ellbogen-Gesellschaft, in der Intrigen, Egoismus und Geldgier regieren und in der Gefühle und Zusammenhalt auf der Stecke bleiben.

Infos: http://www.rub.de/mz-theater.

impresiónes yìnxiàng
Angesichts der studentischen Reiselust und der wissenschaftlichen Internationalität verwundert es nicht, dass ab 5. November erneut Bilder vom Reisen im Foyer des Musischen Zentrums zu sehen sind. Sprachkenntnis verlangt allerdings der Titel der Ausstellung: „impresiónes yìnxiàng”, der auch auf die ausgestellten Motive der 50 Fotos von zwei Fototeilnehmern aus dem MZ verweist.
Karina Lange ist ein Semester lang durch Südamerika gereist, hat dort Praktika im Entwicklungshilfebereich gemacht, Sprachstudien betrieben und die Kulturen Boliviens, Perus, Ecuadors, und Kolumbiens studiert. Das passt perfekt zum Studium; schließlich studiert Karina Lange Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Entwicklungsländer. Als passionierte Fotografin war die Kamera natürlich immer dabei; eine Auswahl ihrer optischen Eindrücke (impresiónes) zeigt sie nun im MZ.
Für die yìnxiàng (chinesisch: Impressionen) hat Egmont Fritz Bilder einer Reise nach China beigesteuert. Bis Oktober war er am Lehrstuhl für Werkstoffe und Nanoelektronik als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Wissenschaft und Forschung hatten ihn bereits vor den Olympischen Spielen nach China geführt; mit einem unerschöpflichen Bildarchiv kehrte er zurück. In den Bildern erlebt der Ausstellungsbesucher ein Land im extremen Wandel: traditionelle Religionen versus postkommunistischer Machdemonstration; meditative Landschaften gegenüber explodierender Hektik der Städte, Dorfidylle einerseits, Hightech-Architektur andererseits.
Die Ausstellung wird am 5. November um 18.30 h im MZ eröffnet und ist bis zum 13. Januar 2009 werktags von 10-18 h zu sehen. Neugierige, die sich motivieren lassen wollen, mal wieder weit weg zu reisen, sind eingeladen. Erste Eindrücke finden sich auf http://www.rub.de/mz-foto.
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Letzte Änderung: 31.10.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik