Kultur pur
Kunst an der RUB
Rendezvous mit dem Realen
Krieg, Tod und Katastrophen sind einschneidende Ereignisse.
Sie gehen mit Erfahrungen einher, die die psychische
Integrationsfähigkeit des Menschen überfordern
und sich der Symbolisierung widersetzen. Ist es dennoch
möglich, diese Erfahrung z. B. in Bildern zu vermitteln?
Die Ausstellung „Rendezvous mit dem Realen. Spuren
des Traumas in der Kunst“ im Campusmuseum stellt
sich dieser Frage.
Sie zeigt Arbeiten international renommierter Künstler,
die sich in Malerei, Fotografie und Videokunst den Katastrophen
des 20. Jahrhunderts stellen. So setzen sich Jochen
Gerz, Christian Boltanski, Dirk Reinartz oder Gerhard
Richter in der Fotografie mit dem Grauen des 2. Weltkriegs
und der Shoah auseinander. Jochen Gerz hat „Zeugen“
dieser Zeit fotografiert, namentlich 48 Einwohnerinnen
der südfranzösischen Stadt Cahors; Christian
Boltanskis schwarz-weiße Heliogravuren werfen
die Frage nach dem Schicksal von Schülern eines
jüdischen Gymnasiums auf; Dirk Reinartz versucht
in einer Serie von Aufnahmen ehemaliger Konzentrationslager,
die funktionale Ausdifferenziertheit des Lagersystems
nachzuvollziehen. Auch Gerhard Richter reflektiert in
seinen Arbeiten, mit Fotos als Ausgangsmaterial, die
Beziehung von Erinnerung und Bild mit Blick auf den
2. Weltkrieg.
Können wir uns ein Bild der Zerstörung machen,
die der Atombombenabwurf auf Japan mit sich gebracht
hat? Nicht allein Alain Resnais Film „Hiroshima
mon amour“ berührt diese Frage; auch Arnulf
Rainer hat sich in einer Serie von Übermalungen
damit auseinandergesetzt. Er benutzt Fotos der zerstörten
Stadt Hiroshima und der dort verletzten Menschen, um
der dargestellten Destruktion mit emotionsgeladenen
gestischen Spuren zu begegnen.
Dass die mit diesen Arbeiten aufgeworfenen Fragen auch
historisch jüngere Ereignisse berühren, zeigen
die Nachtbilder des Düsseldorfer Fotografen Thomas
Ruff. Von Fernsehbildern nächtlicher Bombenangriffe
auf Bagdad während des 1. Golfkriegs inspiriert,
sind sie mit einen Nachsichtgerät aufgenommen worden
und verwandeln so die nächste Umgebung in einen
Kriegsschauplatz oder einen Tatort.
Die Ausstellung zeigt zudem Arbeiten von Hermann Nitsch,
Bruce Nauman, Andy Warhol und Lucinda Devlin. Führungen
können unter Kunstsammlungen-Moderne@rub.de
gebucht werden.
Info: Ausstellung „Rendezvous
mit dem Realen. Spuren des Traumas in der Kunst“,
30.10.08-15.2.09, Kunstsammlungen/Campusmuseum. Sammlung
Moderne, Öffz. Di-Fr 11-17, Sa, So 11-18 h, Eintritt
frei; http://www.kunstsammlungen.rub.de
o. http://www.kunstgeschichte.rub.de.
Dreisprachige Disco
Volles Programm auf der Theaterbühne im Musischen
Zentrum. An jedem Wochenende im November und zum Teil
sogar unter der Woche sind dort Stücke zu sehen
– immer um halb acht. Gleich am 1. und 2.11 bringt
die Gruppe Theatralia eine Wiederaufnahme des Stückes
„Four Rooms“, einer Bühnenfassung
frei nach der Film-Komödie von Robert Rodriguez,
Quentin Tarantino, Allison Anders und Alexandre Rockwell
(Eintritt: 6 Euro / 4 Euro ermäßigt).
Mit einer anderen Wiederaufnahme geht es am 8./9.11.
weiter. Das Theater des Lotman-Instituts zeigt wieder
das Stück „Der Drache“
(frei nach Evgenij Schwarz). Darin zeichnet Schwarz
das Bild einer Gesellschaft, die von Feigheit, Opportunismus,
Lügenhaftigkeit, Karrierismus und Hinterlist geprägt
ist (Eintritt: 5 Euro / 3 Euro ermäßigt).
Am 15.11. wagen die Studiobühne und die Jagiellonen
Universität Krakau ein theatrales Experiment in
Deutsch, Türkisch und Polnisch. Untersucht und
gezeigt wird das Verhalten von jungen Leuten in der
„Disco“. Es spielen Angehörige
und Studierende der Ruhr-Uni und der Krakauer Uni (je
zehn deutsche und türkische Bochumer sowie zehn
Krakauer) unter Leitung von Karin Freymeyer (Eintritt
frei).
Am 18. und 20.11. bringt die studentische Theatergruppe
undsoweiter – wie schon im Sommersemester –
die „Bluthochzeit“ von
Federico García Lorca auf die Theaterbühne
im MZ. Die geplante Hochzeit in einem andalusischen
Dorf im frühen 20. Jahrhundert findet ein blutiges
und trauriges Ende (Eintritt: 5 Euro / 3 Euro ermäßigt).
Zu Gast am Romanischen Seminar ist im November das Theater
Ottavo Atto aus Rom. Im Rahmen ihres Besuches treten
sie am 28.11. im MZ auf und zeigen „Nemico
di classe“ (Der Klassenfeind), in italienischer
Sprache und frei nach Nigel Williams (Eintritt frei).
Auch das Theater Gegendruck gastiert im MZ und zeigt
am 29.11. „Das Kaffeehaus“
von Rainer Werner Fassbinder nach Goldoni. Zum Ensemble
des 1983 gegründeten Theaters zählen bei dieser
Aufführung auch fünf Studierende der Ruhr-Uni.
Fassbinder hat die Bühnen-Satire des italienischen
Komödiendichters Carlo Goldoni (1707-1793) in die
heutige Zeit versetzt. Mit funkelndem Sprachwitz zeichnet
er das bissige und abgründige Bild einer kapitalistischen
Ellbogen-Gesellschaft, in der Intrigen, Egoismus und
Geldgier regieren und in der Gefühle und Zusammenhalt
auf der Stecke bleiben.
Infos: http://www.rub.de/mz-theater.
impresiónes yìnxiàng
Angesichts der studentischen Reiselust und der wissenschaftlichen
Internationalität verwundert es nicht, dass ab 5.
November erneut Bilder vom Reisen im Foyer des Musischen
Zentrums zu sehen sind. Sprachkenntnis verlangt allerdings
der Titel der Ausstellung: „impresiónes yìnxiàng”,
der auch auf die ausgestellten Motive der 50 Fotos von
zwei Fototeilnehmern aus dem MZ verweist.
Karina Lange ist ein Semester lang durch Südamerika
gereist, hat dort Praktika im Entwicklungshilfebereich
gemacht, Sprachstudien betrieben und die Kulturen Boliviens,
Perus, Ecuadors, und Kolumbiens studiert. Das passt perfekt
zum Studium; schließlich studiert Karina Lange Sozialwissenschaften
mit Schwerpunkt Entwicklungsländer. Als passionierte
Fotografin war die Kamera natürlich immer dabei;
eine Auswahl ihrer optischen Eindrücke (impresiónes)
zeigt sie nun im MZ.
Für die yìnxiàng (chinesisch: Impressionen)
hat Egmont Fritz Bilder einer Reise nach China beigesteuert.
Bis Oktober war er am Lehrstuhl für Werkstoffe und
Nanoelektronik als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Wissenschaft und Forschung hatten ihn bereits vor den
Olympischen Spielen nach China geführt; mit einem
unerschöpflichen Bildarchiv kehrte er zurück.
In den Bildern erlebt der Ausstellungsbesucher ein Land
im extremen Wandel: traditionelle Religionen versus postkommunistischer
Machdemonstration; meditative Landschaften gegenüber
explodierender Hektik der Städte, Dorfidylle einerseits,
Hightech-Architektur andererseits.
Die Ausstellung wird am 5. November um 18.30 h im MZ eröffnet
und ist bis zum 13. Januar 2009 werktags von 10-18 h zu
sehen. Neugierige, die sich motivieren lassen wollen,
mal wieder weit weg zu reisen, sind eingeladen. Erste
Eindrücke finden sich auf http://www.rub.de/mz-foto.
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