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RUBENS 127

1. Oktober 2008

An die Luft gesetzt



Freiland-Experiment im BoGa



Früher war hier mal das Hochsauerland. Jetzt stehen wir mitten in einem Experiment. Auf rund 1.000 Quadratmetern im Botanischen Garten, einem sanft gerundeten, grasbewachsenen Hügel, entfaltet sich die Pflanzenwelt der Süd-Anden. Hoffentlich. Denn bisher waren die Pflanzen im Tropenhaus beheimatet, wie in allen anderen deutschen Gärten. Man traute sich nicht, ihnen das hiesige Klima zuzumuten. „Aber als ich letztes Jahr mit meinem 80-jährigen Doktorvater in Chile war, hab ich derartig gefroren, dass ich dachte: Kälter wird es bei uns auch nicht.“ Dieses Erlebnis hat Prof. Thomas Stützel, Direktor des Botanischen Gartens dazu bewogen, die Pflanzen an die Luft zu setzen.
Dabei ist es nicht allein die Kälte, die ihnen zu schaffen macht, sondern der Niederschlag. „Bei uns ist es den ganzen Winter matschig“, sagt Stützel. „In den Anden regnet es im ganzen Winterhalbjahr nur 100 bis 150 Milliliter.“ Im Innern des Hügels verbergen sich deswegen Drainagerohre, die das Regenwasser ablaufen lassen, damit die Wurzeln nicht im Wasser stehen.
Nach einem Jahr im Freien scheint es den meisten Pflanzen gut zu gehen. Einige sind neu angeschafft worden und noch klein, andere aus dem Tropenhaus umgezogen und schon vorher übermannshoch gewesen – umgetopft mit Hilfe von Kränen aus ihren riesigen Kübeln. Die meisten haben kleine, derbe Blätter, angepasst ans Klima in Südamerika. Dort finden die Jahreszeitenwechsel nicht im Laufe von Monaten statt, sondern eher im Laufe eines Tages: Während es tagsüber mitunter heiß ist, fällt die Temperatur nachts stark ab. Ein Teil der Pflanzen ist immergrün, andere werfen die Blätter im Winter ab. Manche sind gute Bekannte aus den Vorgärten der Nachbarschaft, z. B. die Berberitzen oder der Affenschwanzbaum. „Den kann man allerdings in Bayern schon nicht mehr nach draußen pflanzen“, weiß Stützel. Es ist eben ein Experiment. Aber Stützel ist zuversichtlich. Die wenigen Pflanzen, deren Blätter traurig und tot aussehen, bekommen nächstes Jahr eine neue Chance. „Hier sieht man schon kleine Knospen“, er zupft an einem trockenen Zweig, „gut möglich, dass das im nächsten Frühjahr wieder ausschlägt.“ Und selbst wenn nicht, will er nicht aufgeben. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Das Gelingen hängt beim Gärtnern immer von vielen Faktoren ab. Der Klimawandel könnte sich als Helfer für die Anden im Bochumer Freiland erweisen, aber so genau weiß noch niemand, wie er sich tatsächlich auswirken wird – abwarten. Um das Hochsauerland ist es Stützel nicht schade: „Wer die Pflanzen sehen mag, die dort wachsen, kann nach Winterberg fahren“, meint er. „Nach Südamerika ist es ein bisschen weiter.



 

 




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