Viele bunte
Smarties
Schülerlabor und KinderUni
„Ich dachte, man nimmt Tintenfische – stimmt
aber gar nicht.“ So wie der elfjährige Jan
lernten insgesamt 60 Schüler/innen der Klassen
fünf bis sieben an zwei Terminen in den Sommerferien
das Geheimnis der Tinte und des Tintenkillers aus chemischer
Sicht kennen. Dass man Tinte (Eisengallustinte) schon
im Mittelalter zum Schreiben benutzte – unsere
Vorfahren stellten sie aus Galläpfeln und einer
Eisensalz-Lösung her – und dass Tinte nicht
gleich Tinte ist, waren einige der verblüffenden
Erkenntnisse, die die Schüler in Experimenten im
Schülerlabor gewannen.
Einen Tag später nahmen 30 Acht- bis Zwölftklässler
viele, viele bunte Smarties ins Kreuzverhör. Smarties
wurden 1937 in England zum ersten Mal produziert, heute
verlassen pro Jahr rund 16 Milliarden Schokopastillen
das Werk in Hamburg. Seit 2007 wirbt Hersteller Nestlé
damit, dass sie keine künstlichen Farbstoffe mehr
enthalten. Detektivisch untersuchten die Schüler
die Farbstoffe und lernten, in welchen Bereichen des
täglichen Lebens diese uns noch begegnen. Dazu
mussten sie zunächst die Ummantelung ab- und auflösen,
um dann mit chemischen Analysemethoden die natürlichen
Farbstoffe zu identifizieren – z. B. in gelben
Smarties Riboflavin, das auch in Vanillepudding enthalten
ist, und in den braunen Karmin, das aus der Schildlaus
gewonnen wird.
Wie die Tinte, so die Smarties: Die Idee zu den Ferienprojekten
hatten Lehramtsstudierende der Chemie. Im fachdidaktischen
Seminar „Das Schülerlabor als außerschulischer
Lernort“, geleitet von Prof. Katrin Sommer und
Doktorand Robert Wieczorek, konzipierten und entwickelten
sie während des Sommersemesters die Projekte. Die
praktische und selbstständige Übung mit den
Schülern war das i-Tüpfelchen für die
angehenden Lehrer/innen. „Als Vorbereitung für
den späteren Beruf ist diese Lehr- und Lernform
ideal“, sagt Prof. Sommer.
Nach dem erfolgreichen Test in den Sommerferien gehören
beide Projekte nun zum dauerhaften Angebot der Fakultät
für Chemie und Biochemie im Schülerlabor.
Lena Gehle und André Schuhmann, beide haben im
Sommersemester das Didaktikseminar absolviert, sind
inzwischen wissenschaftliche Hilfskräfte im Schülerlabor
und betreuen Schulklassen, die an Chemieprojekten teilnehmen.
15 Projekte bietet die Fakultät an, etwa die Hälfte
davon haben Lehramtsstudierende ausgearbeitet.
Info: http://www.rub.de/schuelerlabor
Spannung zwischen Himmel und Erde
1.800 leuchtende Augenpaare, staunende Gesichter und
hemmungslos drauflos fragende Münder: Am 29. und
30. Oktober nehmen die Kinder wieder das Audimax in
Beschlag und gehen ihrem Wissensdrang nach, wenn die
vier Bochumer Hochschulen zur dritten KinderUni einladen.
Wie schon 2003 und 2005, so halten die Veranstalter
auch in diesem Jahr am bewährten Konzept fest und
bieten an beiden Tagen das gleiche Programm für
je 900 Dritt- und Viertklässler. Die Mischung macht’s,
daher gibt es verständliche Vorträge (z. B.
„Träumen im Gehirn”), physikalische
Experimente mit Hochspannungstechnik und Vorführungen
(SolarCar) im Großen Saal sowie zahlreiche Themen,
Stände und Exponate zum Mitmachen im Foyer. Hier
können die Kinder ins „Erzähl-Zelt”
gehen oder erfahren, wie ein Geysir funktioniert, sie
machen Reaktionstests oder eine Zeitreise in die Vergangenheit.
„Spannung zwischen Himmel und Erde” lautet
das Motto der Veranstaltung.
Das Interesse ist riesig: Knapp 5.000 Schüler haben
sich klassenweise für die KinderUni angemeldet,
damit hätte man das Audimax eine Woche lang füllen
können. Die 1.800 Teilnehmer wählen die Veranstalter
per Losverfahren aus. Etwas mehr als die Hälfte
kommt aus Bochumer Schulen, die anderen aus umliegenden
Städten des Ruhrgebiets.
Veranstalter sind die vier Bochumer Hochschulen (RUB,
Hochschule Bochum, Technische FH und Evangelische FH),
die als „Bochum hoch vier” gemeinsame Aktivitäten
realisieren, z. B. den Hochschulball. Bei der KinderUni
2008 arbeiten sie eng mit der Initiative „Bochum
2015” der Stadt zusammen. Mit der Sparkasse Bochum
konnten die Veranstalter zudem einen Hauptsponsor gewinnen,
der die KinderUni finanziell unterstützt. Alle
Kinder bekommen T-Shirts und Studentenausweise, die
– zusammen mit den leuchtenden Augen – auch
im Nachgang zeigen, dass die Kinder schon mal für
einen Tag Studierende waren.
Info: http://www.rub.de/kinderuni
jw
|