Bücherspende an Selbstabholer
VDI schenkt
der RUB wertvolle Bücher
Manchmal können die Dinge so schön einfach
sein: Weil der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sein
Hauptquartier innerhalb Düsseldorfs verlegt, löst
er seine reich bestückte Bibliothek auf. Weil der
Bochumer Historiker Prof. Helmut Maier dem VDI-Bereich
Technikgeschichte angehört (und diesen ab Oktober
auch leitet), erfährt er davon und überzeugt
den VDI, die Bücher der Ruhr-Uni zu schenken. Und
weil Düsseldorf mehr oder weniger auf dem Weg zwischen
seinem Haus in Dormagen und der Ruhr-Uni liegt, kann
Helmut Maier die Bücher auch gleich selbst abholen.
Ein gutes Dutzend Mal fährt er beim alten VDI-Haus
vorbei und schafft auf diese Weise bis zu 2.000 Bücher
an seinen Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte
im GA. Die genaue Zahl ist noch nicht bekannt, denn
noch immer packen Prof. Maier und seine beiden wissenschaftlichen
Hilfskräfte Kisten aus. Parallel dazu sortieren
sie, denn für jedes Buch muss der geeignete Standort
gefunden werden. „Wir können nicht alle Bücher
automatisch in die Historische Bibliothek bringen”,
erklärt der Experte für Technikgeschichte,
„es sind auch Fachbücher der Natur- und Ingenieurwissenschaftlern
dabei, die passen besser in die entsprechende Abteilung
der Uni-Bibliothek.”
Also setzt sich Maier regelmäßig sowohl mit
der Leiterin der Historischen Bibliothek als auch dem
Abteilungsleiter Technik der UB zusammen und klärt,
was wohin gehört. Neben Geschichts- oder Ingenieurwissenschaftlern
kommen die Bibliothek des Ruhrgebiets oder die Kunsthistoriker
als Abnehmer der VDI-Bücher in Frage. Zur Erläuterung
zeigt Helmut Maier wunderschöne Hausfassaden sowie
Maschinen- und Bauzeichnungen, die sich als Kupferstiche
in vielen der Werke finden.
Die Arbeit lohnt
Ganz so einfach ist es also doch nicht. „Ich
hätte nicht gedacht, dass so viel Arbeit da drin
steckt”, schüttelt Maier lachend den Kopf,
zumal schon jetzt feststeht, dass einige Dutzend Bücher
überhaupt nicht unterzubringen sind, vornehmlich
Dubletten, die schon bei allen denkbaren Abnehmern vorliegen.
Gleichwohl lohnt die Arbeit. „Ich habe mir mal
die Mühe gemacht, den Wert einzelner Bücher
zu ermitteln”, erzählt Maier und holt den
„Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen”
hervor, versehen mit 65 kunstvollen Kupferstichen, 1882
erschienen. Allein dieser Band ist 250 Euro wert. Beim
VDI standen über 40 Atlanten der Jahre 1852 bis
1919. Auch wenn man nicht einfach 250 mit 45 multiplizieren
darf, um den Gesamtwert zu ermitteln, so steht doch
fest: Diese Reihe ist viele Tausend Euro wert ist. Und
sie ist nur ein kleiner Teil der gesamten Schenkung,
deren älteste Werke bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen
und deren jüngste gerade erschienen und noch originalverpackt
sind. „Dafür kann man dem VDI nicht dankbar
genug sein”, stellt Helmut Maier fest.
Die VDI-Bücher sind aber noch in anderer Hinsicht
wertvoll: Sie sind hervorragende historische Quellen
und bilden den Stand des damaligen naturwissenschaftlichen
und technischen Wissens ab. Deshalb werden sie auch
nicht ausschließlich in Magazinen und Regalen
stehen, sondern regelmäßig von Lehrenden
und Studierenden genutzt.
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