Comic-Held
Bochumer
Komparatistikstudent gründet eigenen Verlag
Student, wissenschaftliche Hilfskraft und selbständiger
Verleger – Christian Bachmann vereint alles in
einer Person. Er hat Anfang 2008 den ersten deutschsprachigen
Verlag gegründet, der sich schwerpunktmäßig
der Veröffentlichung von Schriften zur Comicforschung
widmet. Das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen:
zwei Buchveröffentlichungen innerhalb der ersten
sechs Monate und vier weitere Projekte für 2008.
Es ist überraschend genug, dass man sich als Student
überhaupt selbständig macht. Und dann noch
mit einem Buchverlag! Ganz schön mutig von Christian
Bachmann, Master-Student und wissenschaftliche Hilfskraft
am Lehrstuhl für Komparatistik. Anfang 2008 hat
er den Ch. A. Bachmann Verlag gegründet, dessen
Schwerpunkt auf der Schriftenreihe „Yellow“
liegt. Sie bietet der wissenschaftlichen Erforschung
von Comics und Bildgeschichten eine Plattform. Es ist
zugleich der erste deutschsprachige Verlag zu diesem
Thema.
Bis zum Sommersemester 2004 interessierte sich Bachmann
gar nicht für Comics. Dann besuchte er bei Prof.
Monika Schmitz-Emans das Seminar „Literatur und
Comics“ und stieß auf die Comicadaption
von Paul Austers Roman „City of Glas“. Sie
weckte sein Interesse an Comics, er schrieb darüber
seine erste Hausarbeit. Als er zwei Jahre später
von der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Comicforschung
(ComFor) in Koblenz hörte, bewarb er sich mit einem
Vortrag zur Autoreflexion im Comic – und durfte
referieren.
24 mal Rot
In der Fachschaft der Komparatistik engagierte sich
Bachmann nebenbei mit Kommilitonen für das Literaturmagazin
Magalit (www.magalit.de). „Da sich die Produktion
aus finanziellen Gründen immer wieder schwierig
gestaltete, kam ich auf die Idee, meinen eigenen Verlag
zu gründen und selbst zu entscheiden, welche Texte
ich veröffentliche“, sagt Bachmann. Das erste
Buch für die Reihe Yellow ist die stark erweiterte
Bachelor-Arbeit von Bachmanns Kommilitonen Lars Banhold,:
„Batman – Konstruktion eines Helden“.
Auf 93 Seiten untersucht Banhold Batman aus verschiedenen
Perspektiven: als Leinwandheld, als literarische Figur
oder im Wandel der Geschichte. Die erste Auflage ist
bereits vergriffen, die zweite, erweiterte Auflage ist
Ende August erschienen. Drei weitere Projekte für
„Yellow“ sind fest eingeplant, dazu zählt
der nächste Tagungsband der ComFor.
Neben der Comicreihe ist bereits ein Buch erschienen,
das seinen Ursprung im Seminar „Wie entsteht ein
Buch?“ von Dr. Stephanie Dressler und Christian
Bachmann hat. Die Teilnehmer schrieben 24 Kurzgeschichten
zum Thema „Rot“, lasen Korrektur und setzten;
dabei entstand „Rot. Ein Buchprojekt“. Der
Kreativität der Studierenden waren keine Grenzen
gesetzt. „Teilweise sind die Geschichten so bizarr,
dass man das Buch auf keinen Fall an einem Stück
lesen kann“, erklärt Bachmann schmunzelnd.
Und tatsächlich, man liest vom Weltuntergang, einem
Autounfall, von Rindern beim Schlachter, von Kannibalismus
und von der Liebe.
Für den Spätsommer ist ein weiteres Projekt
geplant, diesmal zum Thema „Heimat“ aus
dem gleichnamigen Seminar von Dr. Peter Goßens.
Auch hier sind die Studierenden allein für die
Entstehung des Buches verantwortlich, sie beteiligen
sich sogar an den Kosten.
Christian Bachmann weiß, dass er vom Verlag allein
nicht leben kann, immerhin aber sind durch die Einnahmen
der ersten Auflage von Batman (100 Stück) die Kosten
gedeckt. „Nach meinem Master, den ich für
2009 plane, werde ich erst einmal an der RUB promovieren“,
sagt Bachmann. Was danach passieren soll, lässt
er offen: Am liebsten möchte er als Lehrbeauftragter
an einer Uni arbeiten und nebenbei im Verlagswesen tätig
sein.
Der Verlag
Bisher erschienene Bücher im Ch. A. Bachmann Verlag:
Banhold, Lars: Batman – Konstruktion eines Helden.
1. Band der Schriftenreihe Yellow. Bochum 2008. ISBN
978-3-941030-00-8. 10,90 Euro.
Rot. Ein Buchprojekt. Bochum 2008. ISBN 978-3-941030-01-5.
4,90 Euro.
Infos zum Verlag unter http://www.christian-bachmann.de
oder bei Christian Bachmann, GB 3/ 62, mail@christian-bachmann.de;
Infos zur ComFor: http://www.comicforschung.de
Julia
Brosig
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